Sogar Spitzenklinik gerät in Geldnot - Barmherzigen Brüdern droht Millionendefizit

Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder musste die Geriatrische Reha schließen – Was auf Patienten auch in der Domstadt künftig zukommt.
Allmählich spüren auch die Regensburger, dass die Kliniken unterfinanziert sind. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder hat die Geriatrische Rehabilitation im Spätsommer aus Kostengründen geschlossen. Dort haben spezialisierte Pflegekräfte dafür gesorgt, dass sich alte Menschen nach einer schweren Krankheit oder einer Operation erholen und ihre Selbstständigkeit wiedergewinnen. Rund 400 Patienten wurden pro Jahr betreut. Viele hat die Geriatrische Reha vor dem Pflegeheim bewahrt. Doch die Barmherzigen zahlten im Jahr beinahe eine Million Euro drauf.
„Wir haben lange querfinanziert“, sagt Krankenhaus-Geschäftsführer Andreas Kestler beim Interview an der Prüfeninger Straße. Weil nun erstmals ein Millionendefizit droht, wenn der Bund nicht einspringt, kann die Klinik kein zusätzliches Geld mehr in die Geriatrische (Altersmedizinische) Reha stecken. Folge für die betagten Patienten: Sie müssen zum Beispiel nach Bad Gögging. Doch die dortige Reha-Einrichtung ist häufig ausgelastet.
Gesperrte Betten
Zum Teil bleibt den Senioren dann nichts anderes übrig, als in ein Pflegeheim zu wechseln. „Das geht auf Kosten der Selbstständigkeit“, bedauert Ärztlicher Direktor Michael Pfeifer. Der Stopp der Geriatrischen Reha sei ein Beispiel dafür, „was uns in den nächsten Jahren droht“.
Bisher ist es dem Krankenhaus gelungen, alle Investitionen und den laufenden Betrieb ohne Steuermittel zu finanzieren. 2022 wendete sich das Blatt: Die Corona-Hilfen sind ausgelaufen, die Energiekosten massiv gestiegen. „Ab 2023 ist die Situation nun dramatisch. Wir haben hohe Preissteigerungen in fast allen Bereichen“, formuliert Kestler in einem Schreiben an den Gesundheitsausschuss des Bundestags vom 15. Oktober. Er zählt auf: Energie, Personal, Sachkosten wie Wäschereiversorgung, die 15 Prozent mehr verschlingt, und Lebensmittel mit einem 13-prozentigen Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr. „Die Kosten-Erlös-Schere geht massiv auseinander.“ Ein Millionendefizit droht – trotz weiterhin großer Leistungsbereitschaft der Mitarbeitenden und Einsparungen in allen Bereichen.
Überbrückungshilfe gefordert
Bundesminister Karl Lauterbach plant eine Gesundheitsreform, die das Krankenhaus in vielen Punkten begrüßt. Doch Andreas Kestler und Michael Pfeifer befürchten, dass die Klinik bis zum Inkrafttreten 2027 oder 2028 finanziell ins Trudeln gerät und die Qualität der Patientenversorgung sinkt. Kestler fordert in seinem Schreiben eine Überbrückungshilfe mit einem „Vorschaltgesetz“, bis die Reform greift. Auch an Regensburger Bundestagsabgeordnete wird sich der Klinikmanager wenden.
Pfeifer ergänzt: „Wir fordern, dass finanzielle Unterstützung kommt, aus welchem Topf, muss die Politik entscheiden.“ Der lange geplante und genehmigte Bau eines Bildungszentrums für Pflege und Assistenzberufe ist gefährdet. Und das in einer Zeit, in der zufriedene, hochqualifizierte Pflegekräfte immer wichtiger werden, weil der Altersdurchschnitt der Bevölkerung steigt.
Nur 83 Prozent der Betten können normal betrieben werden
Bei den Barmherzigen Brüdern und in der angegliederten Klinik St. Hedwig können nur 83 Prozent der Betten normal betrieben werden, die übrigen sind gesperrt, weil das Fachpersonal fehlt. „Die Mitarbeiter haben in der Corona-Zeit erfahren, dass sie systemrelevant sind. Wir konnten die Pizzen gar nicht alle verteilen, die vorbeigebracht wurden“, sagt Kestler. „Zwei Jahre später ist der Politik alles egal.“
Besonders zu spüren ist der Mangel an Pflegekräften im internistisch-altersmedizinischen Bereich und bei den Intensivbetten, die nicht alle betrieben werden können. Die Folgen: Patienten mit komplexen Leiden aus anderen Kliniken können nicht schnell übernommen werden. Krebskranke müssen auf schwierige Operationen manchmal über einen Monat warten.
„Oder man versucht, sie bundesweit unterzubringen“, sagt Ärztlicher Direktor Pfeifer. „Das sind Verzögerungen, die sich auch auf die Lebenserwartung auswirken können.“
Kein Selbstläufer
Kurz angebunden sind Geschäftsleiterin Sylvia Pemmerl vom Caritas-Krankenhaus St. Josef und die Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums, Sabine Lange. Pemmerl räumt ein, die finanzielle Situation werde schwieriger. Sparen allein reiche nicht aus. „Es braucht dringend die Unterstützung durch die Politik in Form einer verlässlichen Ausgleichszahlung.“
Sabine Lange betont, die Krankenhausfinanzierung sei bundesweit geregelt. „Kostensteigerungen werden auf dieser Grundlage mit entsprechendem Zeitversatz zumindest anteilig refinanziert werden.“
Der Ärztliche Direktor des UKR, Oliver Kölbl, hatte im September in einer Pressemitteilung der drei Regensburger Kliniken eine solide Finanzierung gefordert. Universitätsmedizin, die auf die Behandlung Schwerstkranker und lebensbedrohlich Verletzter ausgerichtet ist, sei kein wirtschaftlicher Selbstläufer.
Ein Maximalversorger
Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder und in St. Hedwig werden pro Jahr 45000 stationäre und 140000 ambulante Patienten behandelt. Das Haus gilt im Bayerischen Krankenhausplan als Maximalversorger. 40 zertifizierte Zentren, die größte geburtshilflichen Klinik in Bayern, die erste Palliativstation der Region und ein Zentrum für Altersmedizin gehören zur Regensburger Klinik. Grundsätzlich stehen 1000 Betten zur Verfügung.

