Europaplatz und Europäische Meile: So profitierte Burglengenfeld von Geldern der EU

Von Thomas Rieke · 16. April 2024 um 19:00

Europa hat sich überholt, Europa kostet nur – auch über 30 Jahre nach Unterzeichnung des Maastricht-Vertrags kursieren über die Staatengemeinschaft billige Vorurteile. Dabei gibt es Beispiele, die belegen: Von der Union haben schon viele profitiert, auch die Stadt Burglengenfeld. Hier ein Fingerzeig kurz vor den Wahlen.

Blick zurück in die Ära des damaligen SPD-Bürgermeisters Heinz Karg: Er hatte sich vor über 15 Jahren vorgenommen, im Herzen der Altstadt einen größeren Missstand zu beseitigen. Anstelle des maroden Einkaufszentrums BEZ sollten ein modernes Geschäftshaus, ein Bürgertreff – und der Europaplatz entstehen.

Dieser wiederum ist Teil der sogenannten Europäischen Meile, die sich zwischen dem Örtl-Turm am Fuße des Kreuzbergs und dem Wehrturm in der Kellergasse, also entlang der Straße Am Stadtgraben, erstreckt. Höhepunkt ist hier eine Kunstzeile mit Werken von Franziska Luber (Kallmünz), Jürgen Böhm (Fensterbach), Theodor Holzer (Regenstauf) und Markus Wurmer (Hausen). Abgerundet wird die Europäische Meile übrigens erst jetzt mit der noch laufenden Sanierung der Fronfeste.

Durch Zuschüsse hohe Ausgaben abgefedert

So sehr sich die Burglengenfelder längst an die einzelnen Projekte gewöhnt haben mögen, die wenigstens dürften sich an die Entstehungsgeschichten erinnern, geschweige an die Finanzierungskonzepte.

Die Ersteigerung des BEZ-Geländes (950.000 Euro), der Neubau des Bürgertreffs (rund 770.000 Euro), die Gestaltung des Europaplatzes (730.000Euro), die Sanierung der Türme (jeweils knapp 250.000 Euro) sowie die des Stadtgrabens haben Millionen gekostet. Und doch wurde die Stadtkasse nicht überstrapaziert, weil die Kommune erhebliche Fördermittel in Anspruch nehmen konnte.

Projekte bargen auch gehörig Zündstoff

Stadtbaumeister Franz Haneder hat für die MZ in alten Ordnern geblättert, um Zahlen zu liefern: Demnach gab es für die Quartiersneubildung etwas über 300.000 Euro Finanzhilfe. Davon resultierten 191.000 Euro aus einem Fördertopf der EU. Der Örtl-Turm und der Stadtturm in der Kellergasse wurden jeweils mit rund 170.000 Euro bezuschusst, wobei rund 123.000 bzw. 116.500 Euro von der EU flossen. Für die Sanierung des Stadtgrabens gab es vergleichsweise wenig Geld von der Union, nämlich nur 36.200Euro.

Die Sanierung der Fronfeste ist bis heute umstritten. Langsam aber neigen sich die Arbeiten einem Ende entgegen. Das Projekt ist Teil der Europäischen Meile.

Womit ein heißes Eisen angefasst wäre. Denn so sehr sich die Verwaltung seinerzeit auch mühte, die Notwendigkeit der Maßnahme zu betonen, die Straßensanierung war umstritten. Die Hauseigentümer sollten fünfstellige Summen beisteuern. Es kam zu teils heftiger Gegenwehr – und teils zu Kompromissen.

Wie auch immer: Ex-Bürgermeister Karg beteuert mit einem Augenzwickern in Richtung heutiger Verwaltung, es sei seinerzeit alles andere als schwierig gewesen, an Fördermittel zu kommen. Die Regierung habe ihn kräftig unterstützt. Fragen hätten sich oft mit einem einzigen Telefonat klären lassen.

Räume für Pflege der Städtepartnerschaften

Wie der frühere Rathauschef weiter betont, sei es bei den Projekten Europaplatz und Europäische Meile nicht nur um die Heilung einer städtebaulichen Wunde gegangen, sondern ebenso um die Förderung des europäischen Gedankens.

In den Turmanlagen an der früheren Stadtmauer sollten Burglengenfelds Partnerstädte Raum erhalten, ihre Geschichte und ihre Kultur dauerhaft zu präsentieren. So wurde dem tschechische Radotin dafür im Wehrturm Platz zur Verfügung gestellt, dem sächsischen Johanngeorgenstadt im Örtl-Turm. Das französische Pithiviers sollte in der Fronfeste zum Zuge kommen. So gut diese Ideen auch gemeint gewesen sein mögen – Burglengenfeld wäre nicht Burglengenfeld, wenn nicht auch das Projekt Europaplatz zu Kontroversen geführt hätte.

Auslöser waren der Teilverkauf des Grundstücks an einen Teublitzer Bauunternehmer für einen nach Auffassung von CSU-Rat Josef Gruber viel zu niedrigen Preis und die gleichzeitige Verpflichtung der Stadt, in einem „fremden Haus“ für rund 700.000Euro einen Bürgertreff einzurichten. Details dazu würden den Rahmen freilich sprengen.

Wifo-Boss möchte Europaplatz deutlich stärker nutzen

Daher zurück zu den Europa gewidmeten Projekten. Welchen Zweck erfüllen sie heute, welche Wertschätzung genießen sie? Wifo-Vorsitzender Imad Cheikho sagte kürzlich, er habe viele Ideen, und eine davon sei die Belebung des Europaplatzes. Das Potenzial werde viel zu wenig genutzt.

Bei der Kunstzeile gehen die Meinungen damals wie heute weit auseinander. Die Anlieger wüssten damit nichts anzufangen, heißt es. Auch sonst würde der gut lobenswerte Ansatz, den Stadtgraben aufzuwerten, ignoriert. Immer wieder würden sich Passanten sogar an den Kunstwerken vergreifen, Teile entfernen oder sie verunstalten.

Heinz Karg stimmt der Anblick jedenfalls traurig, auch wenn die Stadt versichert, der Bauhof kümmere sich regelmäßig um die Pflege, Mängel würden zeitnah beseitigt.

Bei Veranstaltungen sind die Stufen dicht bevölkert. Foto: Rieke
Der „Badespaß“ von Theodor Holzer in der Kunstzeile ist noch immer ein Hingucker. Foto: Rieke
Im „Kistenstapel“ von Markus Wurmer (Hausen) sah die Jury Bausteine des vereinten Europa. Foto: Rieke
Der etwas andere Stadtplan – ein Werk von Jürgen Böhm aus Fensterbach. Foto: Rieke
Leider kommt hier immer wieder einmal ein Buchstabe abhanden: You-rope heißt der der Beitrag von Franziska Luber, Kallmünz. Foto: Rieke