Mitreißender Gypsy Swing beim Jazzclub Regensburg

Das Quartett von Diknu Schneeberger und Christian Bakanic stellt in Regensburg sein Debütalbum „Avanti, Avanti“ – und wird wild gefeiert.
Fast sieben Jahre ist es her, dass Helmut Nieberle den damals 27-jährigen Diknu Schneeberger zu einem Konzert in den Thon-Dittmer-Hof eingeladen hatte. Der verstorbene Regensburger Musiker und Pädagoge förderte häufig andere Gitarristen und liebte es, sich neuen Herausforderungen zu stellen.
Schneeberger galt damals schon als herausragender junger Gypsy-Gitarrist, der gerade dabei war, aus dem Schatten seines Vaters Joschi Schneeberger herauszutreten. Nachdem er mit 14 begonnen hatte, Gitarre zu lernen, und bereits nach zwei Monaten an seiner ersten CD beteiligt war, spielte er viele Jahre in dessen Band.
Jetzt gastierte der Autodidakt, dessen einstiger Ruf als Wunderkind seiner Entwicklung zeitweise im Weg stand, mit dem Bakanic-Schneeberger-Quartett beim Jazzclub im Leeren Beutel. In einem begeistert gefeierten Konzert stellte die Wiener Band ihr Debütalbum „Avanti, Avanti“ vor. Entstanden ist es während der Coronazeit, 2023 wurde es auf dem Preiser-Label veröffentlicht. Der obligatorische Verkaufsstand im hinteren Teil des Leeren Beutel war nach dem Konzert derart belagert, dass die im Akkord Autogramme verteilenden Musiker kaum mehr erreichbar waren.
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Für den profilierten Gitarristen war es ein Glücksfall, dass er auf den virtuosen Akkordeonisten Christian Bakanic stieß. Da hatte er sich bereits mit seinem eigenen Trio als Bandleader emanzipiert. Er lud Bakanic als Gastsolist zu Konzerten ein. Das Zusammenspiel erwies sich als so fruchtbar und erfolgreich, dass der Schritt zur gemeinsamen Leadership nur folgerichtig war.
Für Gypsy-Swing-Musiker Schneeberger öffneten sich ebenso neue Horizonte wie für den virtuosen Bakanic. Der ist bestens mit Balkanfolklore und der Volksmusik seiner burgenländischen Heimat vertraut. Die Kombination der verschiedenen Hintergründe brachte eine eigenständige Klangwelt hervor. Die umfasst ein unerwartet breites Spektrum: mitreißenden Balkangroove, rasante Polka und Anklänge an den Musette-Walzer bis zum kammermusikalischen Sound. Das musikalische Alpen-Balkan-Gypsy-Breitwand-Kino wird durch die Virtuosität und Leidenschaft befeuert, mit der sich die beiden Bandleader bei ihren leuchtenden Improvisationen auf den Fersen sind.
Die kreativen Höhenflüge werden von einer einfühlsamen Rhythmusgruppe mit Martin Heinzle (Kontrabass) und Julian Wohlmuth (Rhythmusgitarre) getragen, die höchst verlässlich die Basis für die Solisten schafft. Bei den unvermeidlichen Zugaben – „Besame Mucko“ und „Sunny“ – konnten die beiden wunderbaren Begleitmusiker ausgiebig ihre solistischen Fähigkeiten zum Ausdruck bringen. Thematisch, erläuterte Bakanic, hätten sie sich bei dem ersten Album von Landschaften, Städten und Personen inspirieren lassen. „Pannonia“, das beherzt swingende „Swing de Vienna“, aber auch „River Tales“: Flussgeschichten sind Ausdruck der heimatlichen Verbundenheit der Komponisten Schneeberger und Bakanic.
Anrührend, das sehnsuchts- und liebevoll klingende „Yuna“, das Schneeberger seiner kleinen Tochter widmete. Einer wilden Jagd gleicht das Titelstück „Avanti, Avanti“ vor allem auf dem Akkordeon, bei dem der emotional unglaublich ausdrucksstarke Bakanic einen Höhenflug hinlegte. Subtiler, dabei nicht weniger leidenschaftlich, nur mehr aus dem Inneren heraus, die Leichtigkeit und Grandezza Schneebergers auf der warm klingende Gitarre. – Zu Recht gab es dafür stehende Ovationen.