Polizei stellt Kriminalstatistik für den Altlandkreis vor — Mit beruhigenden Botschaften

Es sind viele, sehr viele Unterpunkte, unter die der Waldmünchner Polizeichef Thomas Schmidt bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik für 2023 einen positiven Haken macht. Zwar ist die Gesamtzahl der Straftaten leicht gestiegen, mit ihr aber auch die Aufklärungsquote. Die wiederum ist nicht das Einzige, auf das der Hauptkommissar stolz hinweist.
Da sind für ihn nach wie vor die, absolut gesehen, geringen Fallzahlen und die damit einhergehende geringe Belastung für die Bevölkerung. Da ist die qualitativ hochwertige Ermittlungsarbeit und das Miteinander mit der Bevölkerung. Genau die stellt auch Sepp Weindl, kommissarischer Leiter der Polizeiinspektion Furth im Wald als der Waldmünchen übergeordneten Dienststelle, heraus. „Wir sind auf Hinweise angewiesen, hier bekommen wir sie auch.“ Bestes Beispiel sei kürzlich die Suche nach einem vermisst gemeldeten 15-jährigen Mädchen gewesen. Eine Frau, der die Jugendliche nachts aufgefallen war, habe sich an die Polizei gewandt. „Das war der Klassiker im positiven Sinn.“
Wertschätzung und Vertrauen
Bürgermeister Markus Ackermann greift dieses Miteinander später wie folgt auf: Beiderseits seien Vertrauen und Wertschätzung vorhanden. Dies, zusammen mit der qualitätvollen Arbeit und dem unkomplizierten Miteinander aller Partner trage zur guten Sicherheitslage bei. Die wiederum sei ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Lebensqualität.
Thomas Schmidt erklärt den Anstieg der Straftaten – die im übrigen einem bayernweiten Trend entspreche – von 363 in 2022 auf 384 im Vorjahr wie folgt: Nachgeholte und damit zusätzliche Feste sowie mehr öffentliches Leben hätten mehr Körperverletzungen – von 35 auf 47, darunter zwölf schwere – nach sich gezogen, die die Gesamtzahl zusätzlich nach oben trieben. Wie auch die größere Zahl von Verstößen gegen das Waffengesetz.
Gerade dies „im Grenzgebiet keine Besonderheit“, ordnen Weindl und Schmidt ein. Beide betonten und relativierten: Mit der Sicherheitslage habe dies wie viele andere Zahlen nichts zu tun – schließlich würden auch Delikte, die Ein- oder Durchreisende begehen würden, in der Waldmünchner Statistik auftauchen. Beispiel: Das unerlaubte Messer im Kofferraum, das Tütchen Marihuana im Mantel von Leuten, die von irgendwoher beim Grenzübertritt erwischt wurden.
Aussagekräftiger und wichtiger für die Beamten sind indes andere Parameter: Eigentums- und Diebstahlsdelikte sind von 72 auf 55 gesunken, darunter („sehr erfreulich“) nur ein Einbruchsdiebstahl – kein Delikt beeinträchtige das subjektive Sicherheitsempfinden mehr. Rückläufig waren Straftaten im Bereich Betrug/Urkundenfälschung/Unterschlagung (von 25 auf 15) sowie der Straßenkriminalität, also die, die auf öffentlichen Plätzen oder Wegen begangen wird (35 Fälle. Vorjahr 39).
Den Anstieg der Rauschgiftkriminalität von 22 auf 28 führt Schmidt indes auf die hohe Kontrolldichte zurück. Er sei gespannt, wie sich dies nach der Teil-Legalisierung von Cannabis entwickeln werde, meint Schmidt und trifft den Nerv der Bürgermeister, die erstaunt hören, dass es keine konkreten Handlungsempfehlungen oder Handreichungen für die Polizei gibt.
Der Umgang mit Cannabis
Alles, was Schmidt und Weindl sagen können: Die Dienststellen schließen sich aktuell kurz, man stünde als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung und würde wie immer pragmatischen Lösungen offen gegenüber stehen. Weindl sieht zudem den Landkreis in der Pflicht und konkretisiert das, was Johann Stibich (Rötzer Vize) als Wunsch äußert: eine gemeinsame Linie.
Wenig erfreulich sind die 17 Fälle häuslicher Gewalt sowie die acht Angriffe auf Einsatzkräfte, bei denen zwei Vollzugsbeamte sogar verletzt wurden, zitiert Thomas Schmidt eine weitere Zahl aus der Bilanz. Als herausragend und honorabel bezeichnet Stationsleiter Schmidt die Aufklärungsquote von 77,1, bedeute sie doch ein Plus von fast fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr – und da lag sie schon auf einem hohen Niveau, bedeutet sie doch, dass in nahezu vier von fünf Straftaten der Schuldige ermittelt werden kann. Für Schmidt ein eindeutiger Leistungsbeweis der Dienststelle und des Teams. Zum Vergleich: der Landkreis bringt es auf knapp 76, der Regierungsbezirk auf annähernd 70 und Bayern auf gut 65 Prozent.
Beruhigende Botschaften ergeben sich für den Polizeihauptkommissar auch aus dem Blick auf die Landkarte. „Für uns sind keine Schwerpunkte erkennbar“, betont er. An die Bürgermeister des Altlandkreises gewandt, macht er deutlich, dass es keinen Grund für Ängste oder die Sorge über sich entwickelnde Brennpunkte gebe.
Spitzenreiter in Sachen absoluter Delikte ist wieder einmal Gleißenberg mit sieben (Vorjahr 14) , von denen noch dazu fünf aufgeklärt wurden. Dass die Zahl in Rötz gestiegen sei (von 55 auf 79) lasse sich maßgeblich einer Person zuschreiben, die mehrmals aktenkundig wurde. Ein Plus von vier Delikten in Tiefenbach – 43 in 2023 gegenüber 39 2022 – sei nicht weiter besorgniserregend, zumal sie auf dem Niveau der Vorjahre liege und mit einer um zehn auf 32 gestiegenen Aufklärungsrate korrespondiere. Ähnliches gelte für Treffelstein mit 20 Straftaten (2022: 19). Einen deutlichen Rückgang weist die Statistik für Schönthal auf (von 36 auf 30, 27 davon geklärt).
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Auch die Zahl für Waldmünchen ist gesunken, von 226 auf 208. Gerade diese sei aber im Kontext des großen Gemeindegebiets und der Grenznähe zu werten und dementsprechend betrachtet ein Zeichen, dass es sich „hier sicher leben lässt“. Zudem: Mit 163 ermittelten Tätern „sind wir da auch sehr beachtlich unterwegs“, unterstreicht Thomas Schmidt.
Sepp Weindl liest aus der Statistik noch etwas heraus: alles in allem die klare Ansage, dass Waldmünchen als Station erhalten bleiben muss.