Krieg der Sternchen an der Uni Regensburg: Darum dürfen Studenten weiterhin gendern

Von Philip Hell · 7. April 2024 um 12:00

Markus Söder ist großer Fan der Star-Wars-Filme. Seit einigen Tagen führt der Ministerpräsident seinen eigenen Krieg der Sterne – oder besser: gegen die Sterne. Das bayerische Kabinett hat das Gendern an Universitäten untersagt. Dort regt sich nun Widerstand.

Einige Aktivisten stiegen der Uni schon kurz nachdem das Verbot publik wurde aufs Dach. Darunter Jona Hildebrandt. Er betonte: „Wenn alles, was von binären Normen abweicht, in der Schrift verboten wird, hat das Konsequenzen. Nicht-binäre Identitäten werden dadurch zu einem Tabu, etwas, über das lieber nicht gesprochen werden sollte!“ Auch Paul Kieferle äußerte sich auf dem Uni-Dach. Das Gender-Verbot sei eine überzogene Antwort auf eine ausgedachte Problematik. „Es gibt und gab keinen Zwang zum Gendern!“

Studenten dürfen Gendern

In einem Statement betonen die Aktivisten, nicht in einem Staat leben zu wollen, der vorschreibt, wie man zu sprechen und zu schreiben hat. Auch Beamtinnen und Beamte hätten das Recht, sich ihrem Gewissen entsprechend auszudrücken.

Tatsächlich sind Studenten von der neuen Sprachregelung nicht betroffen. Die Allgemeine Geschäftsordnung (AGO) für die Behörden des Freistaates Bayern gilt nur für Beamte.

Die Uni teilt mit: „Da bislang allerdings noch keine offizielle Umsetzungsanweisung des Ministeriums erfolgt ist, bitten wir Sie zu verstehen, dass wir aktuell von einer Stellungnahme zu diesem Thema absehen.“ Die OTH teilt auf Anfrage mit, dass sich im dienstlichen Schriftverkehr keine großen Änderungen ergeben, „da bisher ohnehin die weibliche als auch die männliche Version ausgeschrieben oder eine genderunspezifische Bezeichnung genutzt wurde.“ Die neue Regelung betreffe auch die Studierenden nicht. „In Prüfungen wurde bisher das Gendern nicht bewertet. An dieser Praxis wird sich nichts ändern.“

Und dennoch: Das Verbot treibt die Studierenden um. Vor dem Eingang der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) hat jemand „*innen“ auf den Boden gesprayt.

Auch bei den Parteigruppen an der Universität herrscht Unruhe. Die Jusos, also die Jugendorganisation der SPD, betonen: „Egal ob Wohnungsnot, Bafög-Reform oder die Sanierung der Universitäten: Die bayerische Landesregierung hätte genügend Punkte, an denen sie arbeiten und sich profilieren könnte.“ Ein Genderverbot, welches an der Hochschule überhaupt keine Probleme löst, sei bestenfalls gute Publicity „für das CSU-Instagram-Sternchen: den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.“

Der Ring Christlich Demokratischer Studenten (RCDS), der eng mit den Unions-Parteien verbandelt ist, sieht das Ganze ein wenig anders. Der Regensburger Vorsitzende Hannes Steiger sagt: „Sofern Bayerns Universitäten dem Beschluss der Staatsregierung allumfassend Folge leisten, haben sie noch einiges an Arbeit vor sich: Unsere Regensburger Uni darf beispielsweise ihren kompletten Internetauftritt sowie all ihre Vorlesungsfolien auf gegenderte Sprachformen hin untersuchen und diese ausbessern.“

RCDS: Gendern ist sinnlos

Nicht nur der Leserlichkeit wäre hierbei ein Bärendienst erwiesen, sagt der RCDS-Vorsitzende. „Ebenso würden simpelste deutsche Rechtschreibregeln von einer staatlichen Universität wieder ernst genommen.“ Beim Versuch zu Gendern ertappe sich doch jeder einzelne Uni-Mitarbeiter selbst dabei, dass dies ein zwanghafter Sprachgebrauch sei, so Steiger weiter. „Wer es dennoch tun möchte und dabei billigend in Kauf nimmt, die deutsche Rechtschreibung in seinen Äußerungen über Bord zu werfen, ist herzlich eingeladen, sich in seinem privaten Umfeld lächerlich zu machen. Eine durch Steuergeld finanzierte Lehranstalt ist dagegen der falsche Platz.“ Den Sinn des Genderns, alle Personen ansprechen zu wollen, sieht der RCDS Regensburg überhaupt nicht. „Wenn repräsentativen Umfragen zufolge 80 Prozent der Deutschen gegen diese sprachliche Verrenkungskunst sind, dann fühlt sich doch eine überwältigende Mehrheit eben nicht angesprochen.“

Studenten machten ihrem Ärger auf dem Dach der Uni Luft.