Wegen hoher Nachfrage: BMW baut bald Karosserien in Neutraubling

Für BMW liegt es nahe, für Neutraubling ist es ein großer Schritt: Der Autobauer weitet seine Produktion in die Nachbarschaft aus und errichtet jenseits der Walhallastraße einen Karosseriebau.
Arbeitsplätze im niedrigen dreistelligen Bereich sollen entstehen. Olaf Möllhoff, Leiter Produktionssteuerung und Logistik im BMW Group Werk Regensburg, stellte die Pläne am Donnerstagabend zusammen mit zwei Kollegen bei einer kurzfristig einberufenen Sitzung des Neutraublinger Stadtrats vor. Schon im kommenden Jahr sollen die ersten Fahrzeugteile in Neutraubling gebaut werden.
Für die neue Produktion wird eine mehr als 40000 Quadratmeter große, bestehende Halle in der Berliner Straße 22 umgebaut. Nördlich davon werden ergänzend vier kleinere Anbauten mit einer Fläche von knapp tausend Quadratmeter entstehen. Die 2003 errichtete Halle befindet sich auf dem Preymessergelände und wurde bisher schon von BMW – über die Firma Syncreon – für Logistikzwecke genutzt. Aktuell ist der Autobauer bereits Mieter des Objekts.
Die zusätzliche Produktionsstätte sei „ein Beitrag zur Zukunftssicherung des Standortes Regensburg“, sagte Möllhoff in Vertretung von Werkleiter Armin Ebner am Donnerstagabend. Aktuell werden in Regensburg die Modelle BMW X1 und X2 gefertigt. Um Engpässe zu vermeiden, sollen die Karosserien für den BMW X1 künftig nicht mehr nur im Hartinger Werk produziert werden, sondern zusätzlich auch in Neutraubling. „Eine sehr hohe Nachfrage“, sowohl nach Verbrennern als auch nach Elektromodellen, sei der Grund dafür, so Möllhoff.
15 Einheiten pro Stunde
Bis zu 15 Karosserien pro Stunde sollen – wenn alles glatt läuft – ab dem kommenden Jahr in Neutraubling gefertigt werden. Der Zeitplan ist sportlich. Noch nie habe man so schnell eine derartige Produktion aufgebaut, betonte Möllhoff. Die Neutraublinger Halle sei „sehr solide“ und eigne sich „aufgrund ihrer Voraussetzungen hervorragend“, ergänzte Joachim Kuhrau, der in der BMW-Zentrale in München die Technologiesteuerung leitet. „Die Halle verfügt über Strukturen, die wir nicht verändern müssen, und befindet sich in Werknähe“, so Kuhrau weiter. Die Planung sei soweit abgeschlossen, erste Probemontagen würden bereits gemacht. „Wir stehen in den Startlöchern.“ Ziel sei, Mitte Dezember erste Karosserien zu fertigen, dann folge die Feinabstimmung mit den Karosserien aus dem Werk Regensburg. Die Fahrzeugteile müssen bis ins Detail abgeglichen werden. 2025 soll die Produktion in Neutraubling dann loslegen. Der Transport der Karosserien ins Hartinger Werk werde per Elektro-Lkw erfolgen, also leise und emissionsfrei, so die Auskunft von BMW. Ein nennenswertes zusätzliches Lkw-Aufkommen sei demnach nicht zu erwarten.
Im Neutraublinger Stadtrat wurde das Vorhaben mit großem Wohlwollen aufgenommen und einstimmig abgesegnet. Das letzte Wort hat das Landratsamt Regensburg als Genehmigungsbehörde. Bürgermeister Harald Stadler bezeichnete die Entscheidung am Donnerstag als „historisch“: „Das ist ein Meilenstein für den Industriestandort Neutraubling.“ Auch Sabine Hrach (Aktive Bürger) war angetan: „Wir würden uns mehr solcher Anträge wünschen.“ Es sei gut, dass eine bereits vorhandene Halle genutzt und nachverdichtet werde. Darüber hinaus seien die Transportwege kurz. Für die zusätzlichen Anbauten muss laut Stadtverwaltung auch keine Fläche neu versiegelt werden.
Philipp Ramin (CSU) war von den Plänen ebenfalls beeindruckt und lobte deren schnelle Umsetzung. Seine Frage, ob der Autobauer darüber hinaus plane, den Standort Neutraubling künftig noch zu erweitern, verneinten die BMW-Vertreter allerdings. Mehrfach wurde im Stadtratsgremium dann noch der Wunsch geäußert, BMW möge zum Ausgleich ein paar Bäume pflanzen und sich für die Installation einer PV-Anlage auf dem Dach der künftigen Produktionshalle einsetzen.
Bis Ende 2024 werden laut BMW insgesamt rund 200 Millionen Euro in die Standorte Regensburg und Wackersdorf fließen. Die Kapazitätserweiterung in Neutraubling sei darin enthalten, teilte eine Sprecherin mit ohne die konkrete Teilsumme zu nennen.
Deutlich mehr Autos
Im vergangenen Jahr – seit Herbst gibt es im Hartinger Werk auch eine Nachtschicht – wurden 238 301 Fahrzeuge in Regensburg produziert, nahezu jeder zehnte weltweit gebaute BMW. In diesem Jahr könnten es mit über 300000 Autos noch deutlich mehr werden. Besonders die Produktion von Stromern soll kräftig wachsen. Dafür braucht es Personal: 2024 sind insgesamt 600 Neueinstellungen in der Produktion geplant.
