Heimatpfleger gibt Einblicke in die Geschichte der Ensdorfer Gendarmeriestation

Von Hans Babl · 6. April 2024 um 05:00

Ältere Ensdorfer können sich noch daran erinnern, dass es in Ensdorf mal eine Gendarmeriestation und, bis zu den 60er Jahren, einen Landpolizeiposten gegeben hat. Mit ihrer Geschichte hat sich der Ensdorfer Ortsheimatpfleger Johann Weiß befasst.

Über seine Ergebnisse referierte er kürzlich beim Heimat- und Kulturverein. Im Zeitraum von 1849 bis 1869 befand sich eine Gendarmeriestation in der Marktgemeinde Rieden. Am 9. März 1869 inspizierte auf Drängen des Bezirksamtes Amberg der Kompanieführer der Gendarmerie-Kompanie aus Regensburg die Station in Rieden, um die dort herrschenden Verhältnisse zu begutachten.

Ein vernichtendes Urteil

Er stellte im Anschluss an die Inspektion fest: „Bei Gelegenheit der Musterung in Rieden habe ich mich überzeugt, dass die Mannschaft daselbst höchst mangelhaft untergebracht ist. Das Lokal mit ganz dünnen Wänden versehen, lässt sich kaum heizen, die Verpflegung der Mannschaft ist nur ganz mittelmäßig und hat auch hierin zur Klage Veranlassung gegeben.

Abgesehen jedoch hiervon, da das Interesse des allerhöchsten Dienstes, vor allem andern zu berücksichtigen kommt, möchte dass eine Verlegung der Station Rieden nach dem nur eine Viertelstunde von diesem Orte gelegene Pfarrdorfe Ensdorf manche Vorteile bieten, welche sonach auch dem Interesse der Mannschaft zum Besten kommen. Ensdorf, mehr in der Mitte des Patrouillenbezirks gelegen, bietet bei seiner Ausdehnung sicherlich ein besseres Lokal“.

Umzug von Rieden in die Gemeinde Ensdorf

So kam man zu dem Ergebnis, dass es wohl besser wäre, die Station Rieden nach Ensdorf zu verlegen. Die neue Station wurde schließlich bei Schmiedemeister Johann Kotzbauer in Ensdorf Haus Nummer sechs für 36 Gulden im Monat eingemietet und war ab 1.Juli 1869 einsatzbereit. Die Station Ensdorf gehörte zum „Gendarmerie Compagnie Commando der Oberpfalz und Regensburg“, die in 18 Brigaden mit 85 Stationen und insgesamt 246 Gendarmen unterteilt war.

Neben Vilseck und Hirschau unterstand sie der Brigade Amberg. Ensdorf waren zwei Gendarmen, nämlich Thomas Hartinger und Georg Friedl zugeteilt. Sergeant Hartinger wurde am 2.April 1878 vom Korps- und Kompanie-Kommandanten Major Josef Ritter von Pfistermeister zum Stationskommandanten für die Station Ensdorf befördert.

Unter einem Dach mit Häftlingen

Im August des Jahres 1881 wurde bei Krämer Georg Rogenhofer im Haus Nummer 63 eine Kammer zur Einrichtung eines Haftlokales angemietet. Im gleichen Haus befand sich nun auch die Gendarmeriestation.

Die Gendarmeriestation Ensdorf befand sich in den Jahren 1881 bis 1893 im Anwesen Rogenhofers. Später war es als „Böckler Haus“ bekannt. Eine erneute Verlegung der Station erfolgte am 1. Januar 1893. Es wird berichtet, „dass die Gendarmerie Mannschaft in Ensdorf die bisherige Wohnung im Hause der Handelsmannswitwe Marie Rogenhofer vom 1.Januar 1893 verlässt und solche im Nebenhause des Bierbrauers Jakob Schmidt bezieht.“

Altes Anwesen fiel 1931 Flammen zum Opfer

Um die Jahrhundertwende wechselte die Station ein weiteres Mal den Standort. Sie zog in das Haus mit der Nummer acht des Landwirts Peter Hammer in Ensdorf, die spätere Bäckerei Dietz. Am 3. September 1931 ist das Anwesen und somit auch das Dienstgebäude der Gendarmerie den Flammen eines Großbrandes zum Opfer gefallen.

Das Dienstzimmer wurde in das Anwesen Nummer 76, dessen Besitzer ebenfalls Peter Hammer war, verlegt. Nach dem Wiederaufbau des abgebrannten Anwesens kehrt man Mitte der 30er-Jahre wieder dorthin zurück. Dort verblieb die nach 1945 zum Landpolizeiposten umstrukturierte Station dann bis zum 30. Mai 1961.

So ging es zu Ende

1961 wurde die Station aufgelöst und in eine Großraumstation in Amberg eingegliedert. Die Zeit, in der sie ihre Dienstgänge zu Fuß oder mit dem Rad absolvierten, waren Geschichte.

Die Namen der letzten Beamten wie Johann Wendl, Anton Bierler, Josef Zimmermann, Josef Grüner und Heinrich Müller dürften bei einigen älteren Ensdorfern noch Wehmut hervorrufen.

Johann Weiß ging beiseinen Nachforschungen bis 1849 zurück. Foto: Hans Babl