Treppenanlage an Schwellenwerksunterführung ist nicht barrierefrei – Das sagt Schwandorf dazu

Die Bahnunterführung an der Frühlingstraße in Schwandorf wird erneuert. Während der Arbeiten ist die Unterführung für Autos und Fußgänger bis Ende 2025 gesperrt. Zwar gibt es einen Fußgänger-Überweg, der aber Kritik hervorruft. Was ist mit Senioren oder Menschen im Rollstuhl?
Die Maßnahme an der sogenannten Schwellenwerksunterführung an der Frühlingsstraße hat einen jahrelangen Vorlauf. Zwei Behelfsbrücken für die beiden Hauptgleise der Strecke Regensburg – Weiden wurden bereits im Jahr 2020 eingebaut, erläutert eine Sprecherin der Bahn. 2024 fanden nach ihren Angaben bislang nur vorbereitende Maßnahmen statt – insbesondere Kabelarbeiten sowie die Herstellung der Fußgängerüberführung.
Zu Ostern ist der Einbau einer weiteren Behelfsbrücke im dritten Gleis angelaufen. Im Lauf des Jahres soll nun auch die Erneuerung der Eisenbahnüberführung unter den Behelfsbrücken erfolgen. „Diese wird nach aktuellem Stand der Planung Ende 2024 in Betrieb genommen“, so die Sprecherin der Bahn.
Baumaßnahmen laufen bis Ende 2025
Dabei kommt schweres Gerät zum Einsatz – Bohrgeräte und Vibrationsrammen, Mobilkrane zum Ein- und Ausheben der Behelfsbrücken, Meißelbagger zum Abbruch der restlichen Bestandsbrücke, Ankergeräte sowie weitere Baumaschinen zur Wiederherstellung des Gleises auf der Brücke. In einem Schreiben an die Anlieger hat die Bahn darauf hingewiesen, dass bestimmte Arbeiten „zwingend am Wochenende und auch in der Nacht erfolgen“ müssten.
Im Anschluss an die DB-Maßnahme werden durch die Stadt Schwandorf beidseitig an der Eisenbahnüberführung noch Trogbauwerke für eine Grundwasserwanne errichtet.
Drei Meter hohe Brücke für Rettungsfahrzeuge und City-Bus
Durch den Ausbau auf eine zweispurige Fahrbahn sowie eine Durchfahrtshöhe von drei Metern sollen künftig auch der City-Bus oder Rettungsfahrzeuge die Unterführung passieren können. Damit wird eine wichtige zusätzliche Erschließung vom Stadtsüden zum Krankenhaus St.Barbara geschaffen.
Im Juli 2022 befasste sich der Schwandorfer Stadtrat mit dem Projekt. Damals war von Investitionskosten von mehr als acht Millionen Euro die Rede. Auf Nachfrage nannte die städtische Pressesprecherin Maria Schuierer aber keine Zahlen, denn die Stadt werde die Arbeiten für die Grundwasserwanne, die zum Straßenbau Flurstraße gehört, erst im Laufe des Jahres 2024 ausschreiben. Auch die Bahn wollte auf Nachfrage zu den Kosten aktuell keine Aussage machen. Nur soviel: „Da es sich um eine Kreuzungsmaßnahme im Sinne des Eisenbahnkreuzungsrechts (EKrG) handelt, werden die Kosten durch die DB und die Stadt Schwandorf gemeinsam getragen.“
Brücke für Rollstuhlfahrer nicht zu bewältigen
Bahn und Stadt haben auch bei der Lösung für die Fußgänger zusammengearbeitet. Zur Kritik von MZ-Lesern, dass die Brücke für Menschen mit Handicap oder Senioren nicht zu bewältigen sei, erläuterte die städtische Pressesprecherin Maria Schuierer: „Die Fußgängerbrücke hat eine erforderliche Höhe von etwa acht Metern. Da eine Rampe für Rollstuhlfahrer nur eine maximale Steigung von sechs Prozent aufweisen darf und aus Sicherheitsgründen alle zehn Meter ein Podest angeordnet werden muss, würde eine solche Rampe eine Gesamtlänge von circa 150 Meter haben.“
Ein solches Bauwerk sei aus platztechnischen Gründen an dieser Stelle nicht umsetzbar. Radfahrer und Fußgänger, die die Treppenanlage nicht benutzen könnten, müssten über die Regensburger Unterführung (Steinberger Straße/Ecke Paul-von-Denis-Straße) bzw. über die Hans-Kraus-Allee (Südtangente) und die Bellstraße ausweichen, so Schuierer.
Eine Fahrradspur an der Brücke wäre zu gefährlich
MZ-Leser Michael Schmid hat angeregt, an der Fußgängerbrücke „zusätzlich eine Spur an den Treppen anzubringen, damit man sein Rad mit raufschieben kann“. Die Schwellenwerksunterführung werde von vielen Radfahrern durchquert und sei die einzige Möglichkeit, schnell vom Rothlindenviertel in Richtung Regensburger Straße zu kommen.
Zu diesem Vorschlag antwortet die städtische Pressesprecherin: „Theoretisch wäre das Nachrüsten einer speziellen Fahrrad-Schiebeschiene möglich. (...) Alle am Bau Beteiligten haben aber sehr große Bedenken hinsichtlich der Betriebssicherheit.“ Die Steigung der Treppe sei laut Hersteller für derartige Fahrrad-Schiebeschienen zu steil. Außerdem seien diese Schienen aus Sicherheitsgründen nicht für den Einsatz bei extremen Höhenunterschieden – wie hier mit acht Metern – vorgesehen.
Es bedürfe eines großen Kraftaufwands, ein Fahrrad über diese Strecke mit der vorhandenen Steigung hochzuschieben und auch auf der anderen Seite sicher wieder herunterzubringen. Da das Unfallrisiko als zu hoch eingeschätzt werde, „entschied man sich bewusst gegen eine solche Schiebeschiene“, so Schuierer.
Stellplätze für Fahrräder sollen nachgerüstet werden
Nachgerüstet werden soll dagegen eine Abstellmöglichkeit für Fahrräder an der Flurstraße – eine Anregung der Lindenschule, die mit Stadtverwaltung und Polizei abgestimmt wurde. „Diese wird zeitnah vom städtischen Bauhof geschaffen“, sagt die Pressesprecherin.
Bis die aufwendige Sanierung der Unterführung abgeschlossen ist, bleibt Geduld gefragt: Die Frühlingstraße im Bereich der Brücke ist laut Mitteilung der Bahn bis voraussichtlich Ende 2025 für den öffentlichen Straßenverkehr inklusive Fußgänger komplett gesperrt. Die Flurstraße soll 2024 größtenteils einspurig geöffnet bleiben, im kommenden Jahr wird sie laut Bahn für die Herstellung der Grundwasserwanne jedoch ebenfalls vollständig gesperrt werden. Zur Erneuerung der Eisenbahnbrücke seien zudem Gleissperrungen – insbesondere am ersten November-Wochenende 2024 – erforderlich.
