Discounter Lidl will sich in Schwandorf erweitern: Stadträte sind dagegen

Von Jan Lange · 3. April 2024 um 05:00

Das Einkaufszentrum auf dem Tonwarenfabrikgelände in Schwandorf gehört zu den größten Umsatzbringern in Schwandorf. Das liegt vor allem an den Lebensmittelmärkten Rewe und Lidl. „Aufgrund der hervorragenden Kundenakzeptanz“ benötigt Lidl mehr Verkaufsfläche. Doch eine Erweiterung ist nun in weite Ferne gerückt.

Mit dem Antrag für eine Vergrößerung des Marktes beschäftigte sich jetzt der Bauausschuss. Dabei hatte die Antragstellerin, die Stiefel Grundstücks OHG, auch mehrere Befreiungen vom Bebauungsplan im Sinn. Konkret ging es um die Größe der Verkaufsfläche sowie die Begrünung der Daches.

Zulässig ist auf dem Gelände ein Lebensmitteldiscounter mit einer Verkaufsfläche von maximal 995Quadratmetern. Grundlage dafür ist das Einzelhandelsentwicklungskonzept von 2010, das detaillierte Vorgaben zu den Sortimenten und Verkaufsflächen macht.

Rewe und Lidl überschreiten schon die maximale Verkaufsfläche

Durch die Erweiterung würde der Lidl-Markt künftig über eine Verkaufsfläche von rund 1347 Quadratmetern verfügen und die Vorgaben um gut 352Quadratmeter überschreiten.

Hinzu kommt, dass auch die maximale Verkaufsfläche für den Bereich Nahrungs- und Genussmittel deutlich überschritten werden würde. Nach dem Einzelhandelsentwicklungskonzept sollen für diesen Bereich maximal 2500 bis 3000Quadratmeter genutzt werden. Ein größerer Lidl-Markt würde zusammen mit Rewe aber auf insgesamt knapp 4100 Quadratmeter kommen.

2012 wurde Rewe eine Befreiung hinsichtlich der maximalen Verkaufsfläche erteilt. Der Markt ist rund 2750Quadratmeter groß. Aus Sicht der Stadtplanung solle dies nicht dazu verleiten, eine weitere Ausnahme zu genehmigen. Denn auch ohne größerem Lidl werde die maximale Verkaufsfläche schon überschritten, hieß es vonseiten der Stadtverwaltung. Aus städteplanerischer Sicht könne deshalb eine Erweiterung nicht empfohlen werden, lautete das Fazit von Stadtplanerin Albina Harito.

Für die Innenstadt wäre eine Erweiterung nicht mehr verträglich

Eine noch größere Einkaufsfläche sei für die Innenstadt nicht mehr verträglich, so die Verwaltung. Eine Befreiung von der maximalen Verkaufsfläche, zeigte sich Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) überzeugt, würde nur Begehrlichkeiten an der Wackersdorfer und der Regensburger Straße wecken. „Wir würden damit eine Lawine lostreten, die wir nicht mehr einfangen können“, stand für den Rathauschef fest.

Fast alle Stadträte sahen dies genauso. Es würde ein Präzedenzfall geschaffen, der Andere dazu verleiten würde, ihre Verkaufsflächen vergrößern zu wollen, meinte die 3. Bürgermeister Marion Juniec-Möller (Grüne) nach der Sitzung. „Wenn wir jedes Mal sagen, egal was im Bebauungsplan steht, wir befreien alles, kann sich der Stadtrat die Aufstellung von Bebauungsplänen sparen“, so die Grünen-Politikerin. Auch die Verwaltung war der Meinung, eine Befreiung müsse ein Sonderfall bleiben. Kritisch sahen die Stadträte die geplante Erweiterung auch hinsichtlich der Errichtung eines Kopfbaus. In dem direkt an der Friedrich-Ebert-Straße gelegenen Bereich war ursprünglich ein herausragender Baukörper, ein sogenannter Kopfbau, angedacht. Der Zugangsbereich zum Tonwarenfabrikgelände sollte, so die Absicht bei der Erstellung des Bebauungsplans, der Innenstadt zugewandt und einladend gestaltet sein.

Würde der Lidl-Markt in Richtung Adenauerbrücke erweitert werden, könnte der Kopfbau nicht mehr realisiert werden, so der Tenor unter den Stadträten.

Das Einkaufszentrum auf dem Tonwarenfabrikgelände sei kein städtebauliches Schmuckstück, sondern ein reiner Zweckbau, so Juniec-Möller. Die geplante Erweiterung des Lidl-Marktes wäre kein städtebaulicher Gewinn, sondern würde den Zweckbau nur vergrößern. Deshalb müsse die Stadt weiterhin auf den Kopfbau bestehen.

Immer wieder Diskussionen um Tonwarenfabrikgelände

Nicht so kritisch sah es UW-Stadtrat Jochen Glamsch. Man warte nun schon mehr als zehn Jahre auf den Kopfbau, der bisher aber nicht realisiert wurde. Er befürchte, dass sich auch in den nächsten 15 Jahren diesbezüglich nichts tun werde. Ein größerer Lidl-Markt sei ihm lieber als die jetzige Materiallagerfläche direkt unterhalb der Adenauerbrücke. Eine architektonische Verbindung zur Innenstadt sei aus seiner Sicht wünschenswert, er hält sie aber für ein hehres Streben. „Nur weil ihn keiner baut, zu sagen, wir kriegen ihn eh nicht, deshalb solle man machen, was man wolle, ist nicht der richtige Weg“, meinte Juniec-Möller in Bezug auf den bisher nicht errichteten Kopfbau.

Diskussionen um das Tonwarenfabrikgelände gab es immer wieder. Zuletzt war vor zwei Jahren um die Ansiedlung einer Rofu Kinderwelt-Filiale gestritten worden. Damals lehnte Jochen Glamsch das Vorhaben ab, diesmal stimmte er als einziger Stadtrat für die Erweiterung des Lidl-Marktes.

Einen Widerspruch sieht er darin nicht. Das Lidl-Sortiment gebe es bereits an dem Standort. Es zu vergrößern, schade niemanden in der Innenstadt. Anders sei es im Fall von Rofu gewesen. Dessen Angebot sei eine Bedrohung für den Müller-Markt in der Breite Straße, welcher der größte Magnet in der Innenstadt sei.

Lidl will Filiale an moderne Anforderungen anpassen

Lidl reagierte zurückhaltend auf die Entscheidung. „Lidl entwickelt sein Filialportfolio kontinuierlich qualitativ und quantitativ weiter, um den Kunden moderne Einkaufsstätten mit attraktiven Einkaufsbedingungen zu bieten. Auch in Schwandorf sind wir bestrebt, unsere Filialen an diese Anforderungen anzupassen“, teilte Lidl-Pressesprecherin Valerie Heck auf Anfrage mit.

In Schwandorf sei man Mieter und stimme aktuell die weitere Planung mit dem Eigentümer ab. Darüber hinaus wolle man sich zur eigenen Standortplanung nicht äußern. Marion Juniec-Möller sieht für eine mögliche Klage wenig Chancen, da die Entscheidung des Bauausschusses auf dem gültigen Bebauungsplan beruhe.