Ein halbes Leben für die Feuerwehr: Jakob Frauenknecht ist einer der jüngsten Vorsitzenden

Für Jakob Frauenknecht ging es schnell an die Spitze der Loderbacher Feuerwehr: Kaum war er 18 Jahre alt, wurde er zum Jugendwart, mit 23 zum Vorsitzenden. Statt Bedenken wegen seines jungen Alters haben die Mitglieder volles Vertrauen in ihn.
„Oh Gott, Vorstand!“ Das schieße vielen Feuerwehr-Vereinsmitglieder in den Kopf, wenn es um Neuwahlen geht, sagt Frauenknecht. Befürchtet werde vor allem viel Stress, Arbeit und die Verantwortung. So war es anfänglich auch bei dem 23-Jährigen. Er sah sich selbst nie in der Position des Vorsitzenden. „Wenn, dann mache ich Kommandant“, habe er immer gedacht.
Als Junge träumt man vom Feuerwehrauto
Angefangen hat Jakob Frauenknecht in der Jugendfeuerwehr. Neben seinem Opa ist er der Einzige in der Familie, der sich aktiv bei der Feuerwehr engagiert. „Der Traum von jedem Jungen ist es, einmal mit dem Feuerwehrauto zu fahren“, sagt er. Und dieser ging für Frauenknecht pünktlich zu seinem 18. Geburtstag in Erfüllung. Nach sechs Jahren in der Jugendwehr, etlichen Übungen und absolvierten Leistungsabzeichen klingelte sein Telefon. Es war zwar „nur“ eine Ölspur, die zu kehren war, aber dennoch hat Frauenknecht das als schönen Zufall in Erinnerung.
Die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten. Denn kaum war Frauenknecht 18 Jahre alt, wurde er vom Kommandanten kurzfristig vor der Jahreshauptversammlung gefragt, ob er den Posten des Jugendwarts übernehmen wolle. Nach seiner Zusage merkte der Loderbacher immer mehr, wie sehr ihm die Vereinsarbeit am Herzen liegt – vor allem bei der 125-Jahr-Feier. „Der Aufwand und die Vorbereitungen waren enorm.“
Ein gutes Team hinter sich
90 Prozent habe der Verein alleine organisieren müssen. Ein halbes Jahr vor dem Fest steckten die Mitglieder wöchentlich die Köpfe zusammen. Das habe Frauenknechts Verantwortungsgefühl geweckt. Außerdem habe er gemerkt: „Ein gutes Team ist die halbe Miete.“ Und das scheint er in Loderbach zu haben. „Die Gemeinschaft hier ist am schönsten.“
Als Nachfolger für Vorsitzenden Willibald Stich und seinen Stellvertreter Franz Blomeier gesucht wurden, musste er also nicht lange überlegen. Doch heutzutage ist es gar nicht mehr so leicht, Vorsitzende zu finden. Bei der Feuerwehr sehe es aber noch besser aus als bei anderen Vereinen. Daniel Gottschalk, Pressesprecher der Feuerwehren im Landkreis, sagt: „Bei den 153 Wehren sind alle Vereinsposten besetzt.“ Das bedeute aber nicht, dass die Suche immer leicht sei. Schließlich sei es ein Ehrenamt, das viel Arbeit mit sich bringe. Auch Frauenknecht sitze momentan regelmäßig nach seiner Arbeit als Schreiner am Schreibtisch, treffe Vorbereitungen oder erledige Papierkram von der jüngsten Sitzung. „Jetzt zum Anfang ist es viel, aber das pendelt sich schnell ein und wird weniger“, sagt er.
Mit deutlicher Mehrheit zum Vorsitzenden gewählt
Vorbehalte wegen seines Alters habe es bei seinen Feuerwehrkollegen nicht gegeben. Er wurde mit einer großen Mehrheit von den Vereinsmitglieder gewählt. Gottschalk bestätigt, dass Frauenknecht nun zu den jüngsten Vorsitzenden im Landkreis zählt. 23 Jahre halte er für ein gutes Einstiegsalter, denn „ein bisschen Lebenserfahrung braucht es auch“. Schließlich muss Frauenknecht vor rund 190 Mitglieder bei den Versammlungen stehen und vielleicht sogar Kritik einstecken.
Frauenknecht sieht das gelassen. Ein wenig Übung habe er schon durch seine Tätigkeit als Jugendwart. „Ich will versuchen, es jedem recht zu machen, ohne immer Ja und Amen zu sagen“, sagt er. Ziele hat er sich auch schon gesetzt: Im Feuerwehrhaus soll es ein paar Umgestaltungen geben. Außerdem will er vermehrt junge Leute zur Feuerwehr bringen, indem er zum Beispiel vereinsinterne Feste für diese Zielgruppe attraktiver gestaltet.