Irland statt Anklagebank: Moldawier schwänzt Prügel-Prozess – und wird Jahre später doch verurteilt

Fast auf den Tag genau vier Jahre liegt die Auseinandersetzung in einer Regensburger Asylunterkunft zurück, mit der sich das Amtsgericht am Donnerstag beschäftigte. Auf der Anklagebank nahm ein 26-Jähriger Platz – sein Weg dorthin war abenteuerlich.
Im März 2020 soll der Rumäne, der in Moldau zur Welt kam, gemeinsam mit drei Landsleuten in einer Asylunterkunft auf eine Gruppe Nigerianer losgegangen sein. Als einige Sicherheitsleute den Streit schlichten wollten, griffen die Moldawier auch sie an. Die Security-Kräfte wurden zum Teil leicht verletzt. Die Polizei kam und nahm das Trio fest. Der 26-Jährige kam nach dem Verhör allerdings wieder auf freien Fuß und ging ins Ausland.
Einer der beiden anderen Moldawier wurde bereits verurteilt, der dritte im Bunde allerdings nicht.
Per Haftbefehl gesucht
Wie Amtsrichter Christian Ehrl sagte, war die Verhandlung gegen den 26-Jährigen eigentlich für Dezember 2020 angesetzt – der Mann befand sich da allerdings in Moldau. Fortan wurde er mit europäischem Haftbefehl gesucht. Die Handschellen klickten – allerdings nicht in Moldau. Der 26-Jährige war im Jahr 2022 nach Irland ausgewandert. Dort arbeitete er in Dublin auf dem Bau. Im August 2023 kamen ihm die Behörden auf die Spur, seither saß er hinter Gittern.
Der 26-Jährige, dem Strafverteidiger Florian Münch zur Seite stand, äußerte sich zu den Vorwürfen – schilderte die Geschehnisse über einen Dolmetscher allerdings zunächst völlig anders. Es sei an dem Tag viel getrunken worden, in der Unterkunft sei es zu einem Streit gekommen. Er selbst habe keineswegs zugeschlagen, betonte der 26-Jährige. Er habe lediglich schlichten wollen. Die Aggression sei viel eher von den Sicherheitskräften ausgegangen. Es habe schon zuvor Auseinandersetzungen mit den Wächtern gegeben, sagte der 26-Jährige. Einen Schubser gegen einen Sicherheitsmitarbeiter räumte der Angeklagte allerdings ein.
Als Erstes trat ein pensionierter Polizeibeamter in den Zeugenstand. Er hat den 26-Jährigen damals vernommen. Der Ex-Polizist berichtete davon, dass der Angeklagte auch ihm gegenüber alles abgestritten habe. Als er ihn mit dem Ergebnis der bisherigen Ermittlungen konfrontierte, habe er zunächst ausweichend geantwortet – und schließlich nichts mehr gesagt.
Auch der Security-Mitarbeiter, den der Angeklagte angegriffen haben soll, nahm vor Richter Ehrl Platz. Er berichtete von Verletzungen, genau könne er sich aber nicht mehr erinnern. Es sei häufiger zu Schlägereien gekommen. Er könne auch nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es der Angeklagte war, der ihn verletzt hat.
Richter Ehrl regte in der Folge ein Rechtsgespräch an. Im Anschluss gab er bekannt, dass sich Gericht, Verteidigung und Staatsanwaltschaft auf einen Strafrahmen von sieben bis zehn Monaten auf Bewährung verständigt haben – sofern der Angeklagte die Vorwürfe gesteht. Das tat der 26-Jährige im Anschluss auch. „Es tut mir leid“, sagte der Angeklagte über einen Dolmetscher. „Ich bedauere es sehr.“ Richter Ehrl befragte den Mann im Anschluss zu seinen persönlichen Verhältnissen. Der 26-Jährige gab an, in Irland rund 3500 Euro im Monat zu verdienen. Die Stelle als Bauarbeiter habe er trotz seiner Zeit in Haft nicht verloren. Für ihn steht fest: „Ich gehe nach Irland.“
Haftbefehl aufgehoben
In ihren Plädoyers lagen Anklage und Verteidigung denkbar nah beieinander. Die Staatsanwaltschaft forderte acht Monate auf Bewährung, die Verteidigung sieben Monate.
Richter Christian Ehrl verurteilte den Angeklagten schließlich zu acht Monaten Haft auf Bewährung. „Ihre Entwicklung hat sich deutlich verändert“, betonte er. Als der 26-Jährige nach Deutschland kam, habe er eine Zeit lang zu viel getrunken, das habe schließlich auch zu dem Streit in der Asylunterkunft geführt. Diese Geschichte rechtfertige es nicht, den Angeklagten länger einzusperren – zumal der 26-Jährige bereits einige Monate in Haft verbracht habe. „Gehen Sie Ihren positiven Weg weiter, der sie nach Irland geführt hat.“ Der Haftbefehl wurde in Folge aufgehoben. Der 26-Jährige verließ den Gerichtssaal als freier Mann.