Mehr als 200 Führungen und Erinnerungen an Ostern: Der Stadtpfarrer und seine Liebe zu Rom

Alle Wege führen nach Rom – und Rodings Stadtpfarrer Matthias Kienberger (50) ist regelmäßig auf ihnen unterwegs. Um die 200 Führungen hat der Geistliche in der Metropole schon geleitet, und noch immer kommt er immer wieder gern in die ewige Stadt.
Ein ganz besonderes Erlebnis sei es gewesen, die Osterfeierlichkeiten in Rom und dem Vatikan miterleben zu dürfen, „Das war unvergesslich“, erzählt er.
Die Liebe zu Rom geweckt wurde bei Kienberger schon früh, als es im September 1990, damals war er in der 11. Klasse, auf eine Klassenfahrt in die italienische Hauptstadt ging. „Schon damals war ich fasziniert von der Stadt, der Kultur und ihren Bewohnern“, erinnert sich der Stadtpfarrer.
Dann machte die Leidenschaft ein wenig Pause, bis Kienberger im Zuge seines Theologie-Studiums in Regensburg ein externes Jahr absolvieren konnte. „Da war mir, auch nach einem Gespräch mit einem Kommilitonen, der vorher dort war, klar, dass ich nach Rom wollte“, erzählt er. Die einzige Voraussetzung für den Auslandsaufenthalt: Die Stadt musste über eine katholische Fakultät verfügen – „was jetzt in Rom und dem Vatikan kein so großes Problem war“, sagt der 50-Jährige mit einem Schmunzeln.
Ein Jahr Studium in Rom
So ging es für ihn an die Päpstliche Universität Gregoriana. Die Vorlesungen waren auf Italienisch, die Seminare, die Kienberger für sein Studium besuchen musste, teilweise auf Deutsch. Um die Landessprache zu lernen, gab es einen Intensiv-Sprachkurs, erinnert sich der Stadtpfarrer, der sich aber auch einiges selbst beibrachte: „Ich war viel unterwegs und habe mit den Leuten gesprochen. Da lernt man ganz automatisch, und niemand nimmt es einem krumm, wenn etwas vielleicht grammatikalisch nicht ganz korrekt ist.“
Die Spaziergänge durch die ewige Stadt faszinierten ihn jedes Mal aufs Neue. „Auf jedem Meter ist so viel Geschichte“, schwärmt er. Untergebracht in dieser Zeit war er in einem irischen Kolleg. Es waren 18 Nationen im Haus, erläutert Kienberger, „da bekommt man wirklich ein Gespür dafür, was Weltkirche bedeutet“. Es sei eine tolle Zeit gewesen, in der Freundschaften entstanden sind, die bis heute halten – und in der Kienberger auch viel über den Glauben in anderen Ländern lernte. „Die Situation in Irland ist eine besondere mit der Vorgeschichte durch die Auseinandersetzung von Katholiken und Protestanten“, nennt er ein Beispiel, auch mit orthodoxen Christen konnte er sich in dieser Zeit austauschen. Was der 50-Jährige betont: „Wir haben uns alle super verstanden – und auch mal zusammen gefeiert.“
Begegnungen mit Bischöfen und Schauspieler
Auch besondere Begegnungen gab es für Kienberger im irischen Kolleg, etwa mit Bischöfen – oder auch Schauspieler Pierce Brosnan. „Der hat sich ganz normal mit uns unterhalten“, blickt er gerne auf die Zeit zurück.
Bald fing der jetzige Rodinger Stadtpfarrer auch an, Führungen durch Rom zu geben, sowohl für Pilger, als auch für andere Gruppen. Neben den klassischen Highlights wie Petersdom, Kolosseum, Trevibrunnen oder den Vatikanischen Museen kann man dabei auch viele Geheimtipps entdecken. So etwa einen von Kienbergers Lieblingsorten, den Kreuzgang vor der Kirche St. Paul vor den Mauern. Kleinere, unbekanntere Kirchen gäbe es ohnehin viele sehenswerte, berichtet er, zudem seien diese Oasen der Ruhe im oft hektischen Trubel der Großstadt.
Ebenfalls ein guter Tipp seien etwa der Pinzio-Hügel über der Piazza del Poppolo, der schöne Perspektiven auf die Stadt biete, ein Bummel durch die Gassen von Trastaverse − oder auch ein Besuch auf dem riesigen Hauptfriedhof. „Der ist sehr schön gestaltet und bietet viel zu entdecken, auch, da es in Italien eine ganz andere Bestattungskultur gibt als bei uns“, sagt Kienberger.
Auch für Hungrige und Durstige sei gesorgt: Der Pfarrer kennt viele Cafes, Bars und Restaurants außerhalb des touristischen Nepps. „Auch das gute Essen und Trinken gehört zum römischen Lebensgefühl“, betont der Geistliche.
Was ihm bei seinen ganz unterschiedlichen Führungen, bei denen die Teilnehmer auch selber Schwerpunkte setzen können, aufgefallen ist: Die Faszination des Vatikans und vor allem auch des Papstes ergreife jeden. „Die Papst-Audienz hat bisher jedem gefallen, egal, ob er ein regelmäßiger Kirchgänger ist oder nicht“, berichtet Kienberger.
„Unglaublich eindrucksvoll“
In seiner Studienzeit durfte er auch über die Oster-Festtage in Rom und im Vatikan sein, Erlebnisse, an die er sich immer gerne zurückerinnert, vor allem, wenn die Feiertage gerade anstehen. Kienberger nahm unter anderem am traditionellen Kreuzweg zu Karfreitag am Kolosseum teil, und war bei der Feier der Osternacht mit Papst Johannes Paul II. im Petersdom. „Das war unglaublich eindrucksvoll“, schwärmt er. Ein weiterer Tipp: Für die Osternachtsfeier im Vatikan gibt es Karten, die zwar kostenlos sind, man muss sich aber anmelden. „Je früher, desto besser“, weiß der Pfarrer.
Der nächste Ausflug nach Rom ist schon terminiert: Vom 4. bis 8. Juni ist Kienberger mit einer Gruppe des Bayerischen Pilgerbüros unterwegs. „Ich freue mich schon auf den Aufenthalt in meiner zweiten Heimat“, sagt der 50-Jährige.