Am Weinberg in Schwandorf entsteht ein barrierefreier Geh- und Radweg – Massiver Ausbau gefällt nicht jedem

Von Hubert Heinzl · 28. März 2024 um 05:00

Der barrierefreie Ausbau des Hubmannsteigs in Schwandorf von der Schwefelquelle auf den Weinberg stößt nicht bei allen Anliegern auf Verständnis. Massiv ist der Eingriff in das Waldstück, breit ist die Trasse, die sich den Hang hinauf schlängelt. Doch es gibt Gründe dafür.

Die Gegensätze könnten größer nicht sein, das zeigt an der Baustelle schon der erste Augenschein: Hier die alte, teilweise recht steile Treppenanlage, die auf direktem Weg auf den Weinberg führt – ein romantischer und etwas verwunschener Steig, aber eben alles andere als barrierefrei. Gleich daneben die neue Trasse, die für Fußgänger noch gesperrt ist. Momentan verbreitet sie eher den spröden Charme einer Forststraße.

Hundert Festmeter Holz gerodet

Nicht jedem gefällt das. Ein Anwohner aus Kruckenthal, der sich bei der Mittelbayerischen nach dem Fortgang der Arbeiten erkundigt hat, findet den neuen Steig viel zu groß geraten. „Wieso hat man denn so viele Bäume abgeschnitten? Ein kleinerer Weg hätte es auch getan“, wundert er sich. Und er ist nicht der einzige.

Die Dimensionen der Baumaßnahme sind tatsächlich beträchtlich, wie eine Anfrage bei der Stadt Schwandorf ergab. Laut Pressesprecherin Maria Schuierer ist der neue Hubmannsteig durchgehend 2,50 Meter breit, „zuzüglich notwendiger Bankette und Entwässerungsmulden“. Die Steigung liegt im Schnitt bei rund acht Prozent, der Flächenverbrauch ist entsprechend. Und: Für den Bau der Trasse und die begleitenden Sicherungsmaßnahmen wurden rund 100 Festmeter Wald gerodet. Dafür seien allerdings „Ausgleichs- und Kompensationsmaßnahmen an anderer Stelle“ vorgesehen, wie die Pressesprecherin erklärt.

Auch Radler können den Weg nutzen

Der Aufwand ist nach ihren Worten aber auch erforderlich. Denn, was viele Schwandorfer nicht wissen: Der neue barrierefreie Weg soll künftig nicht nur von Fußgängern – ob mit oder ohne Handicap – benutzt werden können, sondern auch von Radfahrern.

Darauf weist auf Nachfrage auch Stadträtin Karin Frankerl (SPD) hin, die auf dem Weinberg wohnt und schon vor Jahren den Antrag für den Ausbau auf den Weg gebracht hat. „Als junge Mutter bin ich selbst oft mit dem Kinderwagen über die Treppen runtergerumpelt“, erinnert sie sich.

Und immer wieder seien Bürgerinnen und Bürger mit dem Wunsch an sie herangetreten, eine bessere und sicherere Verbindung zwischen Waldspielplatz und Erlebnisbad zu schaffen. Die Strecke ist nach ihren Worten in beiden Richtungen gut frequentiert, gerade von Familien und Kindern. Für Fahrradfahrer sei die kurvenreiche Straße allerdings brandgefährlich.

„Ich denke, wir brauchen jetzt einfach ein bisschen Geduld, bis das alles fertig ist“, sagt Frankerl. Und in der Tat soll es ja nicht beim jetzigen Ausbauzustand bleiben. Laut Pressesprecherin Schuierer soll der neue Hubmannsteig, wenn erst die Erdarbeiten abgeschlossen sind, asphaltiert und mit einer Beleuchtung versehen werden. Geplant sind nach ihren Worten außerdem noch Sitzbänke entlang des Weges und direkt an der Schwefelquelle, die von der bekannten Figur des Zwergs Krucko bewacht wird.

Auf Initiative von CSU-Stadtrat Peter Wilhelm soll es für Spaziergänger, Schüler und vielleicht auch interessierte Touristen einen zusätzlichen Mehrwert geben. Ende November gab der Schwandorfer Planungsausschuss grünes Licht für seinen Vorschlag, am neuen Hubmannsteig einen Holzlehrpfad mit acht Stationen anzulegen.

Ein Holzehrpfad soll Besucher anlocken

Auf großen Schautafeln sollen laut Pressesprecherin Schuierer künftig Informationen über die verschiedensten Themen rund um Holz und Wald vermittelt werden – vom Bau eines Insektenhotels über den Lebensraum Totholz bis hin zu Holzbauwerken in der Stadt oder Holz als Baustoff. „Weitere Lehrtafeln beschreiben unmittelbar am Wegrand stehende Baumarten wie Kiefer, Bergahorn und Amerikanische Roteiche“, so Schuierer.

Rund 260.000 Euro wird die Stadt nach ihren Worten für den Ausbau des Hubmannsteigs investieren, einschließlich der Beleuchtung. Die Fertigstellung des neuen Geh- und Radwegs ist für Ende Mai vorgesehen. Für alle Schwandorfer, die gut zu Fuß sind und lieber den alten Steig nutzen wollen, hat die Pressesprecherin zum Schluss noch eine gute Nachricht parat: „Die alte Treppenanlage wird erhalten und an die neue Wegeführung angebunden“, informierte sie auf Nachfrage.

Die Treppenanlage, die an der Schwefelquelle beginnt, soll erhalten bleiben. Foto: Hubert Heinzl