Gehirn gegen Depressionen trainieren: PIA in Parsberg setzt auf modernste Behandlungsmethoden

Von Heidi Bauer · 26. März 2024 um 11:00

Depressionen werfen einen Menschen komplett aus der Bahn. „Da fahren Patienten nicht noch mehr als 30 Kilometer zu einem Arzt“, weiß medbo-Vorstand Helmut Hausner. Deswegen baut die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) ihr Angebot in Parsberg aus – und setzt verstärkt modernste Behandlungsmethoden ein, die sonst nur in wenigen Spezialkliniken angewandt werden.

Diese Therapien sollen sich künftig mit dem Angebot der neuen Klinik ergänzen, die direkt nebenan entsteht. Rund 20,4 Millionen Euro investieren die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) in das Zentrum für Psychiatrie und Psychosomatik in Parsberg, das 2025 in der Lupburger Straße eröffnet werden soll.

So könnten künftig Synergieeffekte genutzt werden und für die Patienten die Wege zu Experten verkürzt werden, ist sich Hausner, promovierter Mediziner und Jurist, sicher. In Parsberg sollen künftig alle nicht invasiven Neuro-Stimulationsverfahren zur Behandlung von Depressionen und Angstzuständen angeboten, kündigt er an und unterstreicht, wie wichtig es sei, dass Patienten wohnortnah behandelt werden.

Rund 3000 Patienten im Jahr 2023e

Insbesondere die Hausärzte seien inzwischen sehr gut sensibilisiert für das Thema. Sie verweisen an Fachärzte oder die PIA, wenn bei Erkrankten die Symptome besonders schwer sind und sich nicht bessern. Die PIA beteiligt sich wegen des Mangels an Facharztterminen im Landkreis Neumarkt an der Grundversorgung, erläutert der medbo-Vorstand.

Rund 3000 Patienten zählte sie im Jahr 2023. Die Wartezeit auf einen Termin betrage für neue Patienten etwa sechs bis acht Wochen, bei akuten Fällen sei auch eine kurzfristige Vorstellung möglich.

Wenn Gesprächstherapie und Medikamente nicht helfen

Psychotherapie und medikamentöse Behandlung führten bei den meisten Patienten zu einer erheblichen Besserung der Depression, stellt Hausner fest. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen wirkten diese Behandlungswege aber nicht ausreichend oder würden nicht gewünscht.

Deswegen arbeite die Forschung an ergänzenden Methoden wie der sogenannten Neuromodulation. Diese werde – in Kooperation mit der medbo-Universitätsklinik in Regensburg – zur Behandlung von Depressionen und Angsterkrankungen in der PIA eingesetzt. Die Neuromodulation umfasse nebenwirkungsarme Methoden zur Stimulation und Regulation des Gehirns. Im Fokus stehen dabei die Transkranielle Magnetstimulation (TMS) sowie Bio- und Neurofeedback, erklärt der medbo-Vorstand.

Depressive Menschen denken und fühlen anders

Bei einer Depression seien die Aktivitäten in Hirnbereichen, die für die Lenkung von Gefühlen und Gedanken verantwortlich sind, verändert, zeigt Hausner auf. Vereinfacht gesagt: Depressive Menschen denken und fühlen anders. Ein Mangel an Serotonin – auch bekannt als Glückshormon – führt dazu, dass Patienten verstärkt Negatives wahrnehmen und verarbeiten. Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Gedächtnis sind negativ verzerrt.

Um diese verzerrte Wahrnehmung wieder zu regulieren und eine Balance der Hirnaktivität wiederherzustellen, helfen Neurofeedback und TMS. Bei der TMS werden magnetische Impulse an bestimmte Areale des Gehirns gesendet, um eine Erholung von der Depression herbeizuführen.

Gehirn in einen anderen Zustand manövrieren

Ähnlich ist der Ansatz beim Neurofeedback, das ebenfalls bei Angsterkrankungen und Depressionen, aber auch bei ADHS zum Einsatz kommt. Unter Anleitung eines Therapeuten lernt der Patient, sein Gehirn so zu trainieren, dass es mit Stress- oder Angstsituationen besser klarkommt, erläutert Neurofeedback-Trainer Reinhard Müller von der PIA.

Dafür werden Sensoren am Kopf des Patienten befestigt, die die elektrischen Aktivitäten des Gehirns messen: „Man sieht dem Patienten sozusagen beim Denken zu und erkennt, welche Bereiche des Gehirns ‘zusammenarbeiten‘.“

Eine Methode sei beispielsweise, den Patienten einen Film schauen zu lassen. Sobald sich die Gehirnaktivität aufgrund einer unangenehmen Situation steigere, lasse man das Bild ruckeln oder verblassen, um das Gehirn so „in einen anderen Zustand zu verschieben“, erklärt Müller.

Neurofeedback sei zwar ein hochwirksames, jedoch auch sehr personal- und zeitintensives Verfahren: Auf einen Patienten komme ein Therapeut und es seien mindestens drei Sitzungen pro Woche erforderlich. Das passe nicht für alle, so Hausner, aber er glaubt, dass Neurofeedback insbesondere für Männer mittleren Alters eine Option sei. Es dauere etwa drei Wochen, bis erste Erfolge zu sehen seien.

Schwerpunkt für neue Klinik in Parsberg

Der Mediziner sieht in den Methoden der Neuromodulation eine bedeutende Möglichkeit, Menschen zu helfen, denen bislang nicht geholfen werden konnte: „Das ist auch, was wir als Schwerpunkt für die neue Klinik in Parsberg sehen. Wir werden hier künftig alle nicht invasiven Neuro-Stimulationsverfahren anbieten.“

Und der medbo-Vorstand zeigt sich optimistisch: „In diesen Verfahren steckt gewaltiges Potential. Wir sind da noch lange nicht am Ende der Möglichkeiten.“ Jedoch, betont Hausner, liege das Geheimnis einer guten Therapie in einer breiten Palette sich ergänzender Behandlungsmethoden.

Behandlungsspektrum der PIA

PIA: Die Psychiatrische Institutsambulanz Parsberg (PIA), ist der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie & Psychotherapie der Universität Regensburg am medbo-Bezirksklinikum Regensburg angegliedert. Sie befindet sich im neuen Haus der Gesundheit in Parsberg.

Behandlung: In der PIA erfolgt die Behandlung ähnlich wie in einer fachärztlichen Praxis im Rahmen von ambulanten Terminen. Kern der Behandlung ist die medizinisch-psychiatrische Diagnostik und Therapie durch ein multiprofessionelles Team. Dabei arbeitet die PIA Parsberg eng mit dem medbo-Bezirksklinikum Regensburg zusammen.

Schnittstelle: Die PIA soll Schnittstelle zwischen stationärer psychiatrischer und ambulanter Behandlung durch niedergelassene Fachärzte sein. Therapiert werden Patienten, die eine intensivere/akutere Behandlung benötigen oder bei denen eine stationäre Behandlung vermieden werden soll.

Beim Neurofeedback zeigt Therapeut Reinhard Müller Patienten, wie sie krankmachende Zustände ihres Gehirns beeinflussen können.