Maßregelvollzug: Patienten in Parsberger Klinik werden immer jünger

Von Heidi Bauer · 15. Juli 2023 um 15:00

Die Parsberger Klinik für Forensische Psychiatrie & Psychotherapie ist deutschlandweit die einzige Einrichtung für Jugendliche. Für sie gibt es hier 60 Therapieplätze im Maßregelvollzug. Die Patienten werden immer jünger, stellt Klinikleiter Christian Schlögl fest. Es gebe Biographien, die machten ihn „sprachlos“.

„Der Maßregelvollzug bei uns ist sehr, sehr erfolgreich“, betonte Christian Schlögl am Freitag bei einem Gespräch in der Klinik für Forensische Psychiatrie & Psychotherapie. Einem Monitoring des Instituts für Qualitätsmanagement im bayerischen Maßregelvollzug (IfQM) zufolge, das seit zehn Jahren Statistiken erstellt und das Schlögl ebenfalls leitet, sind 70 Prozent der Suchtpatienten nach einem Jahr abstinent.

Die Klinik ist eine Einrichtung des sogenannten Maßregelvollzugs. Sie behandelt Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung oder aufgrund einer Suchterkrankung zum Straftäter geworden sind und ihre Straftaten im Zustand verminderter oder aufgehobener Schuldfähigkeit begangenen haben. Sie ist deutschlandweit die einzige Einrichtung für Jugendliche. Für sie stehen 60 Therapieplätze zur Verfügung.

Die Alterspanne der Patienten liegt zwischen 14 und 22 Jahren

Die Patienten werden immer jünger, stellte Schlögl fest. Das Durchschnittsalter liege bei 19,8 Jahren, die Altersspanne erstrecke sich von 14 bis 22 Jahren, wobei das Gros die 18- bis 21-Jährigen ausmache, sagte der Klinikleiter bei einem Gespräch mit einer SPD-Delegation rund um die Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner und Bezirkskandidat Bruno Lehmeier.

Die Klinik stecke einen Großteil ihrer Ressourcen in die Resozialisierung ihrer Patienten, wobei bei vielen „in der Regel noch keine Erstsozialisierung stattgefunden hat“: Sie haben noch nie gearbeitet oder eine eigene Wohnung gehabt und seien teilweise zum soundsovielten Mal aus Heimen geflogen („Heim-Hopper“). Es gebe Biographien, die machten ihn schier „sprachlos“, so Schlögl.

Suchtpatienten nüchtern im kognitiven Bereich relativ leistungsstark

Gerade Jugendliche könnten jedoch gut therapiert werden, weil sich die Störungen noch nicht so verfestigt hätten. „Bezeichnend ist, dass gerade Suchtpatienten nüchtern im kognitiven Bereich relativ leistungsstark sind.“

Das belege auch, dass 16 Jugendliche der Parsberger Klinik in diesem Jahr einen Schulabschluss absolviert haben, acht bestanden den M-Zug. Auch die Arbeitsvermittlung zu ortsansässigen Firmen laufe relativ gut, erfuhren die SPD-Politiker. Für das gute Einvernehmen dankte der Klinikleiter der Stadt Parsberg. Die Betreuung der Patienten sei allerdings auch sehr anspruchsvoll und verlange selbst den speziell geschulten Mitarbeitern viel ab.

Bedarf an Plätzen kann nicht gedeckt werden

Doch zahle sich die mühevolle Arbeit aus: Die Verweildauer der Jugendlichen liege im Durchschnitt bei 19 bis 20 Monaten – sei also kürzer als gesetzlich vorgesehen. Die Nachfrage ist hoch und Patienten müssen etwa vier bis fünf Monate auf einen Platz warten. Der Bedarf kann laut Schlögl nicht gedeckt werden.

Vor diesem Hintergrund investieren die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) in den kommenden Jahren rund 70 Millionen Euro in Parsberg, davon allein 50,8 Millionen in den Ersatzneubau der Drogenklinik in der Pfarrer-Fischer-Straße mit einer Nutzfläche von 6035 Quadratmetern, 124 Planbetten, einer Arbeitstherapiehalle und neuer Entlassstation fließen, erläuterte Marco Hutzler, medbo-Abteilungsleiter Infrastruktur.

Mit Transcranieller Magnetstimulation gegen Angststörungen

Weitere 20,4 Millionen Euro werden für das medbo Zentrum für Psychiatrie und Psychosomatik ausgegeben, das derzeit in der Lupburger Straße gebaut wird und 2025 eröffnet werden soll. Dort zieht die Psychiatrische Institutsambulanz (PIA) mit ein, die im Augenblick im ehemaligen Kreiskrankenhaus untergebracht ist.

Wie wichtig es ist, dass Patienten wohnortnah behandelt werden, betonte medbo-Vorstand Helmut Hausner: „Gerade für jemanden, der Depressionen und Probleme hat, hochzukommen, macht die Nähe den Unterschied. Wenn Patienten weiter als 30 Kilometer fahren müssen, verliert man 50 Prozent.“ Die PIA setzt laut Hausner auf Transcranielle Magnetstimulation (TNS) zur Behandlung von Angststörungen und Tinnitus.