Eine Künstlerin kehrt zurück in ihre Heimat Abensberg

Von Mittelbayerische Zeitung · 26. März 2024 um 11:00

Rita Karrer war gebürtige Abensbergerin, eine Sonderausstellung im Herzogskasten widmet sich jetzt ihrem Lebenswerk.

Wenn am 11. April die Vernissage zu Karrer.Kunst.Konkret beginnt, dann ist das für einen Menschen etwas ganz Besonderes. Es ist die erste Ausstellung nach dem Tod seiner Frau, der Künstlerin Rita Karrer, und Robert Karrer trägt einen erheblichen Teil dazu bei, dass ihr Vermächtnis im Herzogskasten gezeigt wird. Für ihn mischt sich also in die Freude über die Ausstellung auch etwas Trauer.

Zu Abensberg hatte Rita Karrer eine besondere Verbindung, schließlich ist es ihr Geburtsort. Zudem sind viele ihrer Werke in Gebäuden der Stadt zu sehen. Im Rahmen der 650-Jahre-Stadtrechte-Jubiläumsfeier, 1998, entstand beispielsweise auch eine Skulptur. Rita Karrer dürfte vielen Abensbergern auch noch persönlich bekannt gewesen sein. Die Ausstellung schließt jetzt den Kreis.

Derzeit ist Museumsleiterin Beatrice Wichmann gerade damit beschäftigt, die Bilder optimal zu platzieren. Robert Karrer kam jetzt nach Abensberg, mit dabei eine enge Freundin der Familie, Irmgard Schaller. Mit Wichmann sahen sie sich die ersten hängenden Werke an, beratschlagten, wie man was wo aufhängen und wie man die Werke mit rechtem Licht in Szene setzen könnte.

Umfangreiches Werk

Das Lebenswerk der Künstlerin ist umfangreich: „Jeden Tag um halb neun stieg sie auf ihr Fahrrad und fuhr zu ihrem Atelier“, so ihr Mann. Das Atelier, das es noch gibt, ist randvoll gefüllt mit ihren Werken. Die Auswahl für die Ausstellung war also nicht ganz einfach. Mehrmals war Wichmann in Regensburg und wählte zusammen mit Robert Karrer die Bilder aus, schlug so einen Bogen über die verschiedenen künstlerischen Phasen.

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Die Ausstellung soll die Entwicklung ihrer Malerei vom Expressivem bis zur konkreten Kunst aufzeigen. Ein Gemälde mit einem blaue Kreis beispielsweise sticht besonders ins Auge, der Kreis tritt aus dem braunen Hintergrund hervor, „dafür hat sie Erde aus Virginia beigemischt“, sagt Wichmann. Ein Stipendium hatte in den 1980er Jahren sie nach Amerika geführt, nach Virginia. Dabei hatte sie auch das Malen mit Erde entdeckt. Immer wieder flossen Materialien, wie beispielsweise Sand in allen Farben aus der ganzen Welt in ihren Werken mit ein. Karrer war sehr naturverbunden, „beim Sonntagsausflug hatte sie immer einen Aquarellblock mit dabei“, erzählt ihr Mann.

Ihr Eifer zahlte sich aus, ihr Talent machte sich bezahlt. Rita Karrer wurde Mitglied im Berufsverband bildender Künstler. Ihre Kunst führte sie in renommierte Häuser, wie beispielsweise ins Haus der Kunst nach München. Und auch im Ausland stellte Karrer aus. Als sie noch vor der Wende mit ihren Werken nach Polen fuhr, kam das einer „Abenteuerreise“ nah, erzählt ihr Mann. Robert Karrer hätte viele Geschichten parat. Die Ausstellung ist ein Andenken an dieses bewegte Leben.

Frühes Talent

„Zum einen stellt sie die Schaffensentwicklung nach, zum anderen fließen viele biografische Bezüge mit ein“, erzählt Wichmann.

So sind zum Beispiel frühe Werke zu sehen, die Karrer als Kind malte. Auch ihr Arbeitsplatz aus dem Atelier, zusammen mit original Utensilien und den Schuhen, die sie beim Malen trug, sind aufgebaut. Auch, dass Karrer das künstlerische Talent von ihrem Vater, Adalbert Wankerl, geerbt hatte, greift die Ausstellung anhand eines Gemäldes von ihm auf. Ein kleiner Film, der in der Ausstellung gezeigt wird, zeigt auch, wo ihre Stücke überall zu sehen sind.

Einen biografischen Bogen spannt dann aber auch die Vernissage selbst. Denn die Kinder und Enkelkinder von Karrer werden die musikalische Umrahmung übernehmen. „Das ist auch für mich etwas Besonders, die Ausstellung ist durchaus ein Andenken und emotional“, so Wichmann.

Eine Künstlerinnenbiografie aus Abensberg:

Vita: Rita Karrer wurde als Rita Wankerl am 8. März 1940 in Abensberg geboren. Ihre Lehrerin entdeckte schon früh ihr Zeichentalent. Nach dem Abschluss einer weiterführenden Schule arbeitete sie 13 Jahre im Vermessungsamt. In Leichtathletik, im Sprint gehörte sie zur bayerischen Spitzenklasse. Bei einem Sportfest in Regensburg lernte sie ihren späteren Mann Robert Karrer kennen. Das Paar bekam zwei Kinder. Später schrieb sie sich in ein Architekturstudium ein und lernte in den Fächern perspektivisches Zeichnen und freies Gestalten viel über ihre Kunst. Weitere Studien und Kurse folgten. Seit 1980 war sie freischaffende Künstlerin. 1982 war die erste eigene Ausstellung in Regensburg, zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland folgten. Ihre Malereien, Grafiken, Installationen, Objekte und Skulpturen sind in Museen und im öffentlichen Raum zu sehen.

Begleitprogramm: 4. Mai, 11 Uhr, und 11. Juli, 17 Uhr Treffpunkt Herzogskasten: Karrer überall? Stadtführung zu Werken von Rita Karrer

9. Mai, 18 Uhr, Herzogskasten: Konkrete Kunst und Rita Karrer: ein Vortrag mit Mathias Listl und Beatrice Wichmann.

22. Mai, 9 und 14 Uhr, Herzogskasten: Experimentierraum für Formen und Farben, Workshop für Kinder und Jugendliche

Vernissage ist am 11. April um 19 Uhr, die Ausstellung dauert bis 21. Juli, Infos gibt es auf www.stadtmuseum-abensberg.de

Schon als Schülerin zeigte Rita Karrer Talent.
Auch ihr Atelier wird aufgebaut sein.
Beatrice Wichmann hat die Ausstellung konzipiert.
Als gebürtige Abensbergerin war sie ihrer Heimat verbunden.