Eine Institution in Bad Kötzting schließt: Nach 36 Jahren ist Schluss bei Bürotechnik Treitinger

Von Alois Dachs · 25. März 2024 um 19:00

„Worauf ich mich freue? Dass ich in Zukunft auch einmal richtig ausschlafen kann“, sagt Alfons Treitinger. 36 Jahre Leben mit Bürotechnik haben der 73-Jährige und seine Ehefrau Christine (71) hinter sich – nun geht es für die beiden noch voll arbeitenden Rentner in den verdienten Ruhestand.

Zum 31. März wird Bürotechnik Treitinger in der Lehmgasse schließen und nicht nur bei den vielen Stammkunden eine Lücke hinterlassen, die schwer zu überwinden ist. Seit sie ihre Kunden in einem Rundschreiben über die Schließung des Geschäfts informiert haben, treffen fast täglich Briefe oder Mails mit Inhalten ein, die Christine Treitinger gelegentlich zu Tränen rühren, wenn es beispielsweise heißt, „Wir möchten Euch von Herzen für die herausragende Zusammenarbeit und den zuverlässigen Service danken, den ihr uns geboten habt“.

Service ist das Zauberwort, das in über 400 Betrieben zwischen Passau und Oberviechtach, zwischen Abensberg und Furth im Wald an der Firma Bürotechnik Treitinger von den Kunden besonders geschätzt wurde. Ein Hauptteil des Unternehmens betraf die elektronischen Kassen und die Kaffeemaschinen, die in unzähligen Einzelhandelsgeschäften, Hotels und Gastronomiebetrieben im Einsatz sind und die nicht selten ein Update durch Fachkräfte brauchten. Bei aller Leistungsfähigkeit von Computern sind den Kassen vor allem Grenzen gesetzt, die oft nur mit Hilfe eines Technikers überwunden werden können.

So zum Beispiel bei der mehrfachen Änderung der Mehrwertsteuersätze in der Gastronomie im Jahr 2020: In einer einzigen Nacht mussten damals über 400 Kassensysteme auf kurzfristig geänderte Mehrwertsteuersätze umprogrammiert werden, „die Kasse kann ja nicht erkennen, ob es sich bei der Eingabe um Essen oder Getränke handelt“, erklärt „Fonse“ Treitinger. Der Handel mit Computern, Plottern, Software, Büromöbeln, ja sogar Thermomix waren im Angebot, sorgte daneben immer für ein breites Spektrum des Dienstleistungsunternehmens.

Als „Computertrio“ gestartet

Die Entwicklung der Firma Bürotechnik Treitinger ist ein Spiegelbild der Revolution in der Elektronischen Datenverarbeitung, die ihren Start in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte. „Commodore“ hieß damals der „Volkscomputer“, „aber wir haben uns einen Schneider gekauft“, erzählt Treitinger, und aus dem Computerkauf erwuchs eine gemeinsame Firma für Büro- und Datensysteme namens ComTech, in der drei Partner ihre Ideen und Erfahrungen einbrachten. „Wir haben damals in einem Rohbau angefangen, der in 33 Tagen Bauzeit hochgezogen worden war“, sagt Christine Treitinger. Die Miete am Zeltendorfer Weg war günstig, weil die drei Geschäftspartner den Innenausbau komplett selbst erledigten.

Zehn Jahre später trennten sich die drei Geschäftspartner – inzwischen hatten sie sogar Filialen in Prag, Bratislava und Pilsen eröffnet und beschäftigten über 20 Mitarbeiter – und gingen neue Wege. Das Ehepaar Treitinger zog als Mieter bei Eduard Meimer in der Lehmgasse mit einem Geschäft für Bürotechnik und -Ausstattung ein, das bereits auf einen soliden Kundenstamm bauen konnte. Christine und „Fonse“ Treitinger, der in seiner Jugend als „Tonmeister“ beim „Sound Sextett“ von Hans Traurig schon viel Erfahrung mit Computersystemen gesammelt hatte, mussten Schritt halten mit einer Entwicklung, die Digitalisierung in allen Lebensbereichen brachte und nach Lösungen für vielseitige Probleme verlangte.

Der Erfolg hatte nicht nur viele Väter (und Mütter), er zehrte auch an der Gesundheit der Akteure, und spätestens als bei Alfons Treitinger 2010 Krebs diagnostiziert wurde und seine Frau Christine einige Jahre später ebenfalls an Krebs erkrankte, wurde offensichtlich, dass kürzertreten angesagt war.

Jetzt zum Kundenbesuch?

Drei Techniker sind neben dem Ehepaar Treitinger aktuell noch in dem Unternehmen tätig. Sie haben sich zum 30. April arbeitslos gemeldet, haben aber alle gute Aussichten, in der Branche bleiben zu können. Beim Ausräumen des Geschäfts wollen die Mitarbeiter noch mithelfen, der finalen Arbeit, die Christine und „Fonse“ Treitinger fast so schwerfällt wie der Abschied von vielen Stammkunden, die sie als Unternehmer schätzen, welche mit Leidenschaft und Herzblut für ihre Kunden da waren. „Einmal muss Schluss sein!“, sind die beiden dennoch überzeugt. Sie freuen sich, dass mit dem Utax-Vertragshändler Anders in Obertraubling ein Partner gefunden wurde, der die Betreuung vieler Kunden weiterführt.

Auf die Arbeit in ihrem Garten in Flammried freuen sich die Eheleute schon, obwohl es ihnen schwerfällt, zu akzeptieren, dass eine Nachfolgeregelung in der Familie wegen anderweitiger beruflicher Orientierung der Töchter nicht möglich war. „Jeden Tag um halb Sechs aufstehen zum Gartengießen, schnell frühstücken und um halb acht ins Büro“ – das war der Alltag der Eheleute bisher, und wenn am Wochenende schlechtes Wetter herrschte, war auch an die notwendige Gartenarbeit nicht zu denken.

Christine Treitinger hat eine ganz eigene Vorstellung vom „echten Ruhestand“: „Ich kenne ja die meisten unserer Kunden nur vom Telefon, jetzt könnte ich sie auch einmal besuchen“, hofft sie. Bei aller Überzeugung, mit der Geschäftsschließung die richtige Entscheidung getroffen zu haben, fühlt sie doch mit den vielen Kunden, denen die persönliche Betreuung bei Bürotechnik Treitinger fehlen wird, worüber auch viele ihr Bedauern ausdrücken und dem Unternehmerpaar den wohlverdienten Ruhestand wünschen.

Vielen Privatkunden hat sie deshalb schon empfohlen, sich an ein IT-Unternehmen zu wenden, das sich in der Lamer Straße neu angesiedelt hat. „Das sind junge Leute, die freuen sich auch über Kundschaft“, ist sie überzeugt.