Könnte das Regensburger Kaufhof-Gebäude ein Denkmal werden?

Von Jürgen Scharf · 23. März 2024 um 15:00

An der südöstlichen Ecke des Kaufhof-Gebäudes in Regensburg nimmt Joachim Buck wieder seinen Plan heraus. Auf dem sind einzelne Felder mit verschiedenen Jahreszahlen zu sehen. „So ist der Komplex hier nach und nach gewachsen“, erklärt er seinen Zuhörern.

Heute sei ein vielschichtiges Ensemble zu sehen, das unterschiedliche architektonische Stile und die Regensburger Stadtgeschichte repräsentiert – und somit vielleicht ein Kandidat für den Denkmalschutz sein könnte.

Eine Ortserkundung und Spurensuche soll es sein. Ein Rundgang, der den Neupfarrplatz und sein bekanntestes Geschäftsgebäude ganz nah bringen soll. Die Volkshochschule hat eingeladen und dafür einen Referenten verpflichtet, der es wissen muss: Joachim Buck.

Entwicklung beeindruckend

Der Architekt war viele Jahre als Stadtplaner in Regensburg tätig und hat sich dadurch auch mit dem Neupfarrplatz intensiv beschäftigt. Dieser ist in seiner Entwicklung überaus beeindruckend, erzählt er. Kaum ein anderes Areal in der Regensburger Altstadt habe sich im 20. Jahrhundert so stark verändert. Es seien ganze neue Gebäudezüge hinzugekommen, teilweise erst in den 80er- und 90er-Jahren.

Die Führung zieht die Menschen an. Einen Namen nach dem anderen hakt Buck am Anfang ab: „Oh, sind ja wirklich alle gekommen.“ Dies sei nicht unbedingt die Regel. Heute fehlt aber keiner. Auf dem Neupfarrplatz tobt an diesem Freitagnachmittag sowieso das pralle Leben. Die Passanten hetzen an den Geschäften vorbei, Politiker verteilen Flyer, ein Straßenmusiker singt emotional das Lied „Unbreak my heart“.

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hatte Anfang Januar einen Insolvenzantrag gestellt. Lesen Sie hier mehr dazu.

Die Zuhörer der Führung verfolgen derweil wie gebannt Bucks Ausführungen. Nur ab und an stellen sie Zwischenfragen. „Wie alt ist dieses Gebäude denn jetzt ganz genau?“, fragt eine Zuhörerin am „historischen“ Eck des Kaufhof-Gebäudes. „Auf die Jahreszahl will ich mich nicht festlegen, aber mindestens 18. Jahrhundert“, sagt Buck – und erklärt dann weiter, wie das Ensemble über die Jahrhunderte und Jahrzehnte gewachsen ist.

Der Neupfarrplatz könne mit einem großen Wohnzimmer oder einem Salon verglichen werden, sagt er. Die große Neupfarrkirche überrage natürlich alles. Das weltliche Herzstück des Platzes ist aber das weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Kaufhof-Gebäude. Dessen Ursprung liegt im frühen 20.Jahrhundert. Damals hatte eine Regensburger Kaufmannsfamilie dort ein erstes Kaufhaus eröffnet und später an die Gebrüder Schocken verkauft. Diese gehörten zu den einflussreichsten Kaufhausbetreibern in Deutschland. Weil sie Juden waren, wurden sie während der Nazi-Herrschaft dann faktisch enteignet. „Durch glückliche Umstände“, sagt Buck, seien sie nach dem Ende der Hitler-Diktatur als Eigentümer des Regensburger Kaufhauses wieder eingesetzt worden. Später wurde dieses dann an Helmut Horten weiterverkauft. Buck berichtet, dass hier lange unter dem Namen „Merkur“ verkauft wurde: „Und deswegen erinnern sich ältere Regensburger noch an den Spruch aus dieser Zeit: ‚Da geh ich zum Merkur‘.“

Insgesamt wurde das Gebäude mehrmals aus- und umgebaut. Es ist ein Spiegelbild der verschiedenen Epochen und deren Stile. „Auch Architekten möchten modisch sein“, sagt Buck mit einem Lachen.

Eine faszinierende Mixtur

Die Frage, ob diese faszinierende Mixtur fest erhalten werden sollte, wurde durch eine Arbeit einer Uni-Studentin mitangeschoben. Diese hatte dargestellt, welche Kriterien bei einem Gebäude wie diesem für eine Denkmalschutzprüfung maßgeblich wären. Buck glaubt nach eigener Aussage auch, dass die Denkmalschutzbehörde das Gebäude „zumindest im Blick hat“. Die gesellschaftliche Bedeutung des Ensembles sei keinesfalls zu unterschätzen, findet er. Und falls es wirklich auf die Denkmalliste kommen würde, hieße das, dass es baulich nicht mehr entscheidend verändert werden darf. Genutzt werden sollte es aber natürlich dennoch: „Das wäre dann eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für Ingenieure aber auch Investoren.“