Der Beste aus 50 Bewerbern: Jonathan Stich ersetzt Theo Schneidhuber im Sparkassen-Vorstand

Es mag auch etwas am großzügigen Gehalt gelegen haben, dass sich gleich 50 Finanzer um diesen Posten bewarben. Doch ganz unabhängig davon stimmt offensichtlich das, was Franz Wittmann am Freitag bei der Vorstellung des Neuen an seiner Seite sagt: „Bei Vorstandsmitgliedern gibt es keinen Fachkräftemangel!“ Beim Besten der 50, der nun Vorstandsmitglied wird, war das Gehalt wohl eher zweitrangig.
Jonathan Stich heißt er, kommt aus Baden-Württemberg , und er ist bereits stellvertretendes Vorstandsmitglied bei einer Bank, die mit acht Milliarden die vierfache Bilanzsumme der Sparkasse im Landkreis Cham hat. Die sitzt in Heidelberg, wo er im kommenden Jahr seine Sachen packen wird, um zum 1. April Theo Schneidhuber im zweiköpfigen Vorstand zu ersetzen. Schneidhuber geht dann nach 17 Jahren in der Leitungsposition des Geldhauses in Cham in den Ruhestand.
Auch für Sie interessant: Vor dem Krisenwinter: Sparkasse im Landkreis Cham investiert in Autarkie
Der Neue, der dann die Geschicke der Chamer Sparkasse gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Franz Wittmann lenken wird, ist allein vom Alter eine Entscheidung für die Zukunft, denn er ist erst 38 Jahre alt. Das sei aber nicht ausschlaggebend im dreimonatigen Bewerbungsverfahren gewesen, wie Landrat Franz Löffler erläutert.
Nachdem die 50 Bewerber, die alle viel Qualität mitgebracht hätten, im mehrstufigen Auswahlsystem auf nurmehr sechs reduziert worden waren, seien diese zum Vorstellungsgespräch geladen worden. Die große Anzahl an Bewerbern zeige auch, dass die Sparkasse im Landkreis Cham einen guten Ruf habe.
Bei seiner Vorstellung am 15. März habe Stich neben seinen vielen Qualifikationen und einem imponierenden Werdegang vor allem durch seine Sicht der Dinge auf die hiesige Sparkasse und den Landkreis überzeugt. „Unser Marketing hätte das nicht besser erzählen können“, so der Landrat. Auf die „Gretchenfrage“, warum ausgerechnet Cham, hab er die positive Aufwärtsentwicklung des Landkreises an der Grenze nachvollzogen.
„Er hat die Grenze als Chance dargestellt“, sagt Löffler und sei zu dem Schluss gekommen, dass, wenn sich die Region bislang so gut entwickelt habe, trotz schwierigem Umfeld, sie auch in Zukunft beste Chancen habe.
Stich habe sich als extrem erfolgreicher und dynamischer, junger Mann präsentiert. Dazu habe er innovative Ideen für das Chamer Haus vorgestellt. Als Prüfer sei er viel herumgekommen und habe viel erlebt, wie Sparkasse anderswo funktioniert, und komme zudem aus einem kleinen Ort, so Löffler: „Das hat uns gut gefallen!“ Stich wolle mit seiner Frau und den zwei Kindern „einer von uns werden!“
Er sei für die Chamer Sparkasse, die gesund und stabil dastehe, ein echter „Glücksfall“, beschrieb Löffler: „Wir sind fest davon überzeugt, hier eine gute Entscheidung getroffen zu haben, auch wenn man nicht weiß, was in Zukunft kommt.“ Ausgeschrieben war die Stelle ab November 2023. Begleitet worden sei das Auswahlverfahren durch die Sparkassenakademie Bayern, so Löffler. In mehreren Durchläufen mussten sich die Bewerber, die hauptsächlich aus Sparkassen kamen, beweisen.
Jonathan Stich, der noch nichts zu seinen künftigen Plänen und Ideen sagen wollte, betonte, er freue sich auf die Aufgabe, auch wenn es eine große Herausforderung sei, die sehr gute Entwicklung der Sparkasse so fortzusetzen: „Ich sehe das als tolle Chance!“ Ihm habe die Professionalität des Chamer Hauses, wie hier gearbeitet werde, imponiert. Ihm liege viel an den Menschen in der Sparkasse wie den Chamern an sich, die er kennenlernen wolle.
Für ihn sei auch die Größe der Sparkasse wichtig gewesen – bei 300 Beschäftigten könne man noch alle kennen, so Jonathan Stich. Er wolle das Potenzial der Mitarbeiter entfachen. Er betonte, dass er – neben modernem Onlinebanking – auch die Notwendigkeit von Filialen im Flächenlandkreis Cham sehe, die Menschen zu erreichen. Mit seiner Frau sei er jetzt mehrfach hier gewesen – es sei ein guter Ort für seine Kinder, die sieben und sechs Jahre alt sind, um hier aufzuwachsen.
Auch Theo Schneidhuber, der zum 31. März 2025 in den Ruhestand geht, ist sich sicher, dass hier ein guter Nachfolger gefunden wurde. Er sei nach der Ausschreibung der Stelle selbst extrem nervös gewesen, ob der Posten in gute Hände komme – nun sei er froh über die Neubesetzung.
Der künftige Sparkassen-Vorstand
Herkunft: Jonathan Stich ist am 31. März 1985 in Singen (Baden-Württemberg) am Bodensee geboren worden. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Derzeit wohnt er in Heidelberg, wo er bei der Sparkasse arbeitet.
Ausbildung: Nach dem Abitur absolvierte er eine Lehre als Bankkaufmann bei der Sparkasse Singen-Radolfzell, dann ein BWL-Studium in Reutlingen und in Kopenhagen, schloss als Diplom-Betriebswirt (FH) und mit Bachelor of Business Administration (Univ.) ab.
Beruf: Von 2010 bis 2014 war er beim Sparkassenverband Baden-Württemberg in Stuttgart und arbeitete dort in der Prüfstelle als Wirtschaftsprüfer, machte 2012 zudem sein Verbandsprüfer-Examen, um von 2014 bis 2021 zur Sparkasse Reichenau als Abteilungsdirektor zu wechseln. Ab 2021 bis heute ist er Bereichsleiter Vorstandsstab und seit 2022 stellvertretendes Vorstandsmitglied. Ab 1. April 2025 wird er Vorstandsmitglied der Sparkasse in Cham.
Sportlich: Der 38-Jährige ist mit Schaffhausen 2003/04 Schweizer Handballmeister und Pokalsieger geworden und nahm an der Champions-League teil. Er war Spieler und auch Handballtrainer.