Kardinal Müller schießt wegen AfD-Erklärung gegen deutsche Bischöfe – die kontern

Der frühere Bischof von Regensburg, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat die deutschen Bischöfe wegen einer Erklärung gegen die AfD und völkischer Politik attackiert. Ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz nannte die Aussagen Müllers „absurd“. Auch der Vorsitzende des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, Joachim Unterländer, kann Müllers Attacke nicht verstehen.
Er hat es wieder getan. Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller hat sich mit einer Äußerung gegen die klare Haltung des gesamten deutschen Episkopats zur rechtspopulistischen und in Teilen rechtsextremen AfD gestellt. In einem Interview mit der katholischen Zeitung „Die Tagespost“ sagte Müller wörtlich: „Als Kirche müssen wir vorsichtig sein, uns nicht sozusagen mit lehramtlicher und moralischer Autorität unmittelbar in den Kampf der Parteien einzumischen.“
Die Deutsche Bischofskonferenz hatte Ende Februar eine Erklärung verabschiedet, die den Titel „Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar“ trägt. Darin heißt es: „Im rechtsextremen Milieu wird unter dem Schlagwort ,Remigration‘ darüber diskutiert, Menschen mit Migrationshintergrund aus dem Land zu drängen.“ Dass sich dagegen auf den deutschen Straßen „eine lebhafte und starke Protestbewegung Gehör verschafft, unterstützen wir Bischöfe ausdrücklich“. Die Oberhirten wurden deutlich, vor allem attestierten sie der AfD „mehrere Radikalisierungsschübe“. Sie habe „eine völkisch-nationalistische Gesinnung“ – Katholizismus und AfD-Unterstützung würden sich ausschließen, so die Bischöfe. Müller sagte im Hinblick auf seine Amtsbrüder: „Der Opportunismus ist nicht zu übersehen.“
Im deutschen Episkopat herrscht über Müllers Aussagen Kopfschütteln. „Die deutschen Bischöfe sind, wenn sie an Demonstrationen gegen rechts oder links teilnehmen, weder opportunistisch noch demokratiefeindlich“, stellte Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, gegenüber der Mediengruppe Bayern klar. „Im Gegenteil, sie nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung ebenso wahr wie sie in ihrer Erklärung gegen völkischen Nationalismus, ein klares Signal gesetzt haben, dass überwältigende Zustimmung in der Gesellschaft unseres Landes gefunden hat.“ In keiner Weise mache sich die Deutsche Bischofskonferenz „zum Wahlhelfer der aktuellen Regierung. Eine solche Wahrnehmung ist absurd“, so Kopps Replik auf Müllers Attacken.
Bischof Hanke: Zeiten von Wahl-Osterbriefen ist vorbei
Der Passauer Bischof Stefan Oster wollte sich gestern nicht explizit zu den aktuellen Äußerungen Kardinal Müllers äußern. Oster verweist auf seinen Blog, in dem er sich unter anderem über die AfD geäußert habe. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Auch der Augsburger Bischof Bertram Meier ließ mitteilen, dass er Müllers Aussagen nicht kommentieren wollte. Meier hatte im Herbst allerdings betont: „Die Zeiten, in denen es Wahl-Hirtenbriefe mit Empfehlungen gab, sind vorbei – und das ist gut so.“ Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke wollte die Sache ebenfalls nicht kommentieren, ließ allerdings über eine Sprecherin mitteilen: „Antisemitismus und rechtsradikales Gedankengut haben in der katholischen Kirche nichts zu suchen, nicht zuletzt macht uns unsere jüngere deutsche Geschichte in dieser Frage sensibel.“ Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der Nachfolger Müllers in diesem Amt ist, äußerte sich auf Anfrage nicht.
„Ich bin sehr froh darum, dass die Bischöfe in Augsburg eine solche Erklärung abgegeben haben“, sagt Joachim Unterländer, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. „Ich kenne keinen Diözesanrat, der das anders sieht.“ Man müsse inhaltlich über die Themen diskutieren. „Aber für die AfD mit ihren Positionen eine Lanze zu brechen, halte ich für äußerst problematisch“, sagte Unterländer.
Ratzinger-Wegbegleiter: „Müller wurde abserviert, er ist bedeutungslos“
Der emeritierte Theologieprofessor Wolfgang Beinert kennt Müller seit seiner Jugend. Der 91-Jährige findet klare Worte: „Man wertet diesen komischen und offenbar senilen Mann nur auf, wenn man über seine Aussagen spricht.“ Müller sei, seitdem Papst Franziskus seinen Auftrag als Glaubenspräfekt nicht verlängerte, „bedeutungslos. Er wurde abserviert“. Schon seit einem Brief während der Corona-Pandemie 2020, den Müller unterzeichnete, sei dessen Glaubwürdigkeit endgültig dahin. „Diesen Mann kann man doch seit seiner Verschwörungsgeschichte nicht mehr ernst nehmen“, sagt Beinert, ein Wegbegleiter von Joseph Ratzinger.