Heiraten am Schnapsdatum: Noch herrscht im Landkreis Cham kein Ansturm auf Standesämter

Die einen glauben, es bringt Glück. Andere wiederum erfreuen sich an der originellen Zahlenfolge oder meinen, sich so das Datum dieses besonderen Tages besser merken zu können. Die Gründe, ein Schnapsdatum für die Trauung auszuwählen, sind vielfältig. Doch wie stark legen Heiratswillige noch Wert auf solch ein besonderes Datum?
Zumindest die Anmeldungen von Paaren im Standesamt der Stadt Cham sprechen in der Hinsicht eine deutliche Sprache. Den 20. April hat sich in der Kreisstadt bislang noch kein einziges Paar vormerken lassen, teilt Cornelia Roider von der Stadtverwaltung mit. Und auch am 24. April möchte dort bislang nur ein Pärchen den Bund fürs Leben schließen. „Die tollen Jahre in der Hinsicht sind schon vorbei“, sagt Roider. Immerhin werde es ein Datum mit besonderer Zahlenfolge, wie den 2. Februar 2022, zu Lebzeiten nicht mehr geben. Das nächste Spiegeldatum gibt es erst im Jahr 2041 am 14. Februar.
Heiraten unter freiem Himmel
Ob die bislang verhaltene Anzahl an Anmeldungen daran liegt, dass in der Kreisstadt nach wie vor nur im Sitzungssaal des Rathauses und nicht unter freiem Himmel geheiratet werden kann, ist nicht bekannt. Vor zwei Jahren wurde im Stadtrat der Antrag gestellt, auch Trauungen außerhalb des Rathauses zu genehmigen, etwa im Kräutergarten der Spitalkirche oder im Bernhard-Wicki-Wäldchen. In immer mehr anderen Gemeinden ist es hingegen mittlerweile üblich, sich auch unter freiem Himmel das Jawort zu geben.
In Waldmünchen sind Trauungen am Trenckplatz sehr beliebt, wie ein Mitarbeiter des Rathauses mitteilt. Gerade im Sommer bietet der Platz vor allem größeren Hochzeitsgesellschaften genügend Raum. Alternativ lassen sich auch einige Paare in der Jugendbildungsstätte trauen, wenngleich die meisten Paare für das Jawort das Rathaus auswählen, etwa 95 Prozent, so die Schätzung. Anmeldungen für einen der beiden Schnapstermine im April hat es wie in der Kreisstadt auch in Waldmünchen bis jetzt so gut wie keine gegeben. „Einzig für den 24. April hat sich ein Paar für die Trauung angemeldet“, heißt es aus dem Rathaus.
Ebenfalls nur eine Vormerkung für den 20. April gibt es in Bad Kötzting, wie Linda Pregler vom Standesamt wissen lässt. Dies sei allerdings heuer eine Ausnahme, nachdem in den vergangenen Jahren an Tagen mit besonderem Datum mehr Paare einen Eheschließungstermin angefragt haben. Für den 20. August liegen in der Pfingstrittstadt hingegen momentan bereits zwei Anmeldungen vor.
Über eine Reihe beliebter Locations für Trauzeremonien verfügt die Marktgemeinde Falkenstein. Für die standesamtliche Trauung stehen dort zwei Räume zur Wahl. Im historischen Rathaus bietet das Trauzimmer mit seiner Gewölbedecke einen stilvollen Rahmen für derartige Zeremonien.
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Daneben wurde dem Wahrzeichen des Marktes, der mittelalterlichen Burg, vor einiger Zeit ein Trauzimmer gewidmet. Im dortigen Castellanzimmer können sich Verliebte das Jawort geben. Kirchliche Trauungen sind zudem nicht nur in der Pfarrkirche St. Sebastian, sondern auch in der Kapelle bei der Burg möglich.
Die Gemeinde Waffenbrunn mit dem Schlossgarten und dem Kuglhof bei Obernried besticht vor allem im Sommer mit seiner Felsformation im Hintergrund. Dennoch haben sich auch dort bislang nur zwei Paare für den 24. April einen Termin zur Eheschließung vormerken lassen, wie Alexandra Spichtinger von der Gemeindeverwaltung mitteilt.
Früher mehr Anfragen
Ebenfalls nur eine Anmeldung gibt es bislang beim Standesamt in Roding, wie Robert Schreiner von der Stadtverwaltung berichtet. Auch in der westlichsten Stadt des Landkreises können sich Paare außerhalb des Alten Rathauses vermählen. Mit dem Trauplatz am Esper hat die Stadt vor drei Jahren den Weg für eine besondere Kulisse unter freiem Himmel und in direkter Nähe zum Regenfluss freigemacht.
Wenig Trauwillige für den 20. oder 24. April gibt es auch in Furth im Wald. Lediglich zwei Paare stehen bislang auf der Liste von Standesbeamten Toni Lauerer. „Das ist scheinbar dieses Jahr noch nicht aufgefallen“, vermutet er. Dabei erinnert er sich an durchaus andere Zeiten. Am 9. September 1999 oder 8. August 1988 seien deutlich mehr Anfragen als für die übrigen Termine bei ihm eingegangen. „Da waren es teilweise sechs Paare am Tag, die getraut werden wollten“, sagt er rückblickend.
