Freie Trauung statt Kirche: So entwickelt sich der Hochzeitstrend in Bad Kötzting

Von Marie Campisi · 13. September 2023 um 19:35

Es soll ein ganz besonderer Tag sein, unvergesslich für alle Gäste und vor allem für das Paar im Mittelpunkt: Die Hochzeit. In der Pfingstrittstadt sind dieses Jahr 35 Paare für eine standesamtliche Trauung angemeldet.

Ob klassisch in Weiß, in Tracht oder bunt – Hochzeiten gehören im Allgemeinen nach wie vor zu den wichtigsten Feiern im Leben. Was aber nicht gleich bleibt, ist die Art, wie sich Paare ihre Liebe versprechen. Ein Stichwort schlägt in den vergangenen Jahren immer öfter auf: freie Trauung. Auch in und um Bad Kötzting scheinen diese immer beliebter zu werden.

Welchen Anteil freie Trauungen insgesamt ausmachen, ist schwer zu sagen, denn sie werden nicht wie die standesamtlichen oder kirchlichen erfasst. Mara de Matos fotografiert seit über zehn Jahren Hochzeiten in der Region, aber auch darüber hinaus. Sie sagt, vor der Pandemie habe sie kaum Aufträge für freie Trauungen erhalten. „70 bis 80 Prozent der Aufträge waren kirchliche Trauungen. Mittlerweile machen die noch circa die Hälfte aus“, erzählt sie. Die übrigen 50 Prozent teilen sich die freien und standesamtlichen Hochzeiten, die häufig auch gemeinsam gebucht werden.

Das Paar steht im Zentrum

Bei ihrer Kollegin Veronika Hartl sieht es ähnlich aus. Die ersten Anfragen für freie Trauungen trudelten vor vier bis fünf Jahren bei ihr ein. „Aktuell ist es zwar noch recht gemischt, die freien nehmen aber definitiv zu“, sagt sie.

Die Hochzeitsfotografin Katharina Weixel aus Bad Kötzting hat im Gespräch mit den Paaren einen Eindruck gewonnen, wieso sich viele für diese Art des Liebeversprechens entscheiden: „Freie Trauungen sind meist sehr persönlich, sehr emotional und oft gibt es kleine Rituale. Eine kirchliche Zeremonie empfinden viele als unpersönlicher.“ Auch Hartl sagt, „es geht vielen dabei um Individualität, das Paar soll im Mittelpunkt stehen, den kirchlichen Aspekt brauchen viele nicht“.

Das scheint die Anzahl der kirchlichen Trauungen der Pfarrei Bad Kötzting zu bestätigen: Insgesamt 19 Hochzeiten sind 2023 in der Pfarrei geplant. Im Jahr 2016 waren es zehn Eheversprechen mehr − seitdem werden es jährlich weniger.

Anforderungen des Ehesakraments sind hoch

Pfarrer Thomas Winderl sieht den Grund dafür in der Absolutheit des katholischen Ehesakraments, denn das erfordere von einem Paar wirklich Anstrengung.

„Dieses Eheversprechen hat einen hohen Anspruch und fordert Verbindlichkeit: bis dass der Tod uns scheidet. Einige wollen diesen Anspruch für ihre Beziehung aber gar nicht“, sagt Winderl. Diesen Eindruck gewinnt er immer wieder in den Vorbereitungsgesprächen mit den Paaren. Dabei sei es schon vorgekommen, dass ein Paar sich doch noch gegen die kirchliche Trauung entschieden hat. „Ich finde solche Gespräche aber sehr ehrlich“, sagt er. Von seiner Kirche würde er sich niedrigschwelligere Angebote erhoffen für die Paare, die sich mit den hohen Ansprüchen der sakramentalen Ehe nicht identifizieren können.

Schöne Feier am wichtigsten

Aber auch wenn freie Trauungen in der Region auf dem Vormarsch zu sein scheinen, von Bedeutungslosigkeit sind kirchliche Trauungen trotz ihres Negativtrends weit entfernt. Mara de Matos fotografiert sagt: „In Bad Kötzting fotografiere ich schon deutlich öfter kirchliche Trauungen als in anderen Regionen, zum Beispiel Regensburg.“ Auch Katharina Weixel sieht den Trend zur freien Trauung hier noch etwas zurückhaltender als andernorts.

Was aber feststeht, ist, dass die Feier selbst meist das Wichtigste ist. Auf dem Berggasthof Schönblick am Hohenbogen finden viele Hochzeitsfeiern und freie Trauungen statt. „Die Leute wollen vor allem eine schöne Feier: eine einfache und lockere Party mit Bekannten“, sagt Besitzer Thomas Schmidberger. Pompöse Blumensträuße und Kleider sieht man laut ihm und den Fotografinnen jetzt seltener. Dafür ist der Standort entscheidend – und diesem Trend schließen sich auch die kirchlichen Trauungen an. Fast alle Hochzeiten der Pfarrei Bad Kötzting fanden in der beliebten Wallfahrtskirche in Weißenregen statt.

Hochzeiten

Standesamtliche Trauungen: 2023 finden in Bad Kötzting vergleichsweise wenig Trauungen statt – insgesamt 35. In den Vorjahren waren es 47 (2022), 30 (2021), 47 (2020), 60 (2019) und 56 (2018) Eheschließungen.

Kirchliche Trauungen: Aus den Vorgesprächen des Standesamtes ergibt sich, dass rund 25 bis 30 Prozent dieser Trauungen auch kirchlich heiraten.

Das Datum: Der Tag scheint nach wie vor wichtig zu sein. Laut dem Amt heiraten Paare in letzter Zeit nach der standesamtlichen Trauung oft im folgenden Jahr am gleichen Datum kirchlich.

Die Wallfahrtskirche in Weißenregen ist auch bei auswärtigen Paaren sehr beliebt. Foto: Christa Rabl-Dachs