Wärmerekord und frühe Blüte in Waldmünchen: Was macht das mit der Natur?

Von Martin Hladik · 22. März 2024 um 11:00

Jetzt ist auch offiziell Frühling. Gefühlt allerdings hat der Frühling heuer bereits einen Monat früher angefangen. Wer es genauer wissen will, der kann in die Temperaturaufzeichnungen des Landwirtschaftlichen Wetterdienstes am Wullnhof bei Waldmünchen schauen. Da fallen zwei Werte besonders auf. Zum einen die Niederschlagszahlen den ganzen Winter hindurch, zum andern die Temperaturen im Februar.

Der Februar 2024 war in den deutschen Wetteraufzeichnungen ein Rekordmonat. Er „brach sämtliche Temperaturrekorde und präsentierte sich eher wie ein Aprilmonat“, heißt es in einer Pressemitteilung des deutschen Wetterdienstes. Auch wenn Bayern die „vergleichsweise kühlste Region“ beim Winterwetter in Deutschland war, gilt auch hier, der Februar war auch in Waldmünchen außergewöhnlich. Der Mittelwert von 5,5 Grad Celsius ist ein Rekordwert. Er wurde in den letzten 30 Jahren nicht erreicht. Und der Vergleichswert der Jahre 1961 bis 1991, das sogenannte vieljährige Mittel, war mit -1,5 Grad Celsius sowieso um einiges kälter. Ganze 7 Grad wärmer war der Februar 2024 als der durchschnittliche Wintermonat.

Ein Februar wie noch nie

„So einen Februar wie heuer, habe ich noch nicht erlebt“, sagt Josef Ettl. Er kümmert sich im Miltach um die landwirtschaftliche Wetterstation ähnlich derer in Wullnhof. Zusätzlich hält er phänologische Daten fest. Das bedeutet, er notiert, wann was blüht. Wichtig ist dabei die Haselblüte. Die war heuer schon am 5.Februar. „Normalerweise blühe die Hasel erst Ende Februar/Anfang März“, sagt Ettl. Auch der Balzgesang der Meisen habe am 8. Februar mindestens 14 Tage zu früh eingesetzt.

Der ungewöhnliche Februar lässt sich auch an den sogenannten Vegetations- , Frost- und Eistagen festmachen, die in Wullnhof aufgezeichnet wurden. So bezeichnen Wetterkundler die Tage mit 5 Grad plus, mit einer kurzen Frostperiode pro Tag und mit Dauerfrost. Vergleichen wir den Februar 2024 mit dem vor zehn Jahren: Auch der Februar 2014 war mit 1,8 Grad plus schon deutlich zu warm.

Kein Eistag im Februar

Trotzdem gibt es massive Unterschiede. Vor zehn Jahren gab es nur einen Vegetationstag, im Februar 2024 waren 18 Tage mit einem Temperaturmittel von +5 Grad. Im Februar 2014 gab es 25 Tage, an denen die Temperatur unter 0 Grad fiel. Heuer waren es nur 7 solche Tage. Und ein Tag mit Dauerfrost fiel komplett aus, vor zehn Jahren waren es noch drei solche Tage.

Ungewöhnlich den ganzen Winter hindurch sind die Niederschlagswerte. Die liegen im Dezember 48,5 Prozent über dem langjährigen Mittel, im Januar 28 Prozent darüber und im Februar sind es 26,1 Prozent mehr. Der Deutsche Wetterdienst beschreibt dies in seiner Pressemitteilung mit „ein grauer und nasser Winter“ der häufig zu Hochwasser geführt habe. Erkennbar ist das auch an der Bodenfeuchte, die sich überall bis in die Tiefen erholt hat.

Doch was bedeutet das jetzt für Wälder, Felder und Gärten. Wir haben uns dazu die Meinung von Experten eingeholt. Für Forst-, Landwirtschafts- und Gartenexperten ist der milde und feuchte Winter kaum ein Problem.

Sie alle sind zufrieden damit, dass sich die Wasserspeicher wieder gefüllt und der Boden bis in tiefere Schichten gesättigt ist. „Das hilft uns. Der Regen war super“, sagt Dr. Arthur Bauer. Er ist der Bereichsleiter Forsten am Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten in Cham. Ähnlich reagiert sein Kollege Wolfgang Alt, der sich leitend um die Beratung im Pflanzenbau in der Landwirtschaft kümmert. „Die Grundwasserfüllung ist positiv“, sagt Alt. Zudem seien die Böden mittlerweile weitgehend abgetrocknet, so dass sie mit Maschinen befahren werden können.

Landwirte: „Wir können zufrieden sein!“

„Wir können zufrieden sein“, sagt auch Franz Holzapfel, der Kreis-Obmann des Bauernverbandes. Durch den warmen Februar habe die Vegetation auf den Feldern sehr früh begonnen. Manche Flächen seien sehr früh grün geworden. Auch wenn jetzt wieder eine kältere Phase prognostiziert werde, „sollten wir optimistisch sein. Vielleicht gibt es die erste Mahd ein paar Tage früher.“

Im Wald hat allerdings der frühe Wintereinbruch mit Schnee im Dezember für Schneebruch gesorgt. Da seien vor allem die niedrigen und die mittleren Lagen betroffen gewesen, weil hier der Schnee nass und schwer war, berichtet Bauer. Hier habe nachfolgend die feuchte Witterung mit wenig Frost den Zugang zu den Flächen erschwert. „Es war batzig“, sagt Bauer.

Dennoch seien die großflächigen Brüche aufgearbeitet worden. Was jetzt noch im Wald liege seien meist Einzelwürfe. Und genau die böten dem Borkenkäfer Angriffsfläche. Dabei habe der warme und feuchte Winter dem Käfer eher geschadet als genutzt. Doch bei der Menge an vorhandenen Borkenkäfern ändere das nichts. Auch wenn die Bäume durch eine bessere Wasserversorgung widerstandsfähiger seien.

Auch Alt vermutet, dass das wechselwarme Wetter den Schädlingen zum Beispiel für den Raps eher geschadet als genutzt hat. An kalte Winter seien die Tiere angepasst. Insgesamt sei der Verlauf des Winterwetters für die Landwirtschaft als „gut“ zu bezeichnen.

Die Eisheiligen drohen

Sorgen bereitet den Gartlern allerdings die frühe Blüte. „Der Spätfrost ist zu fürchten“, sagt Susanne Deutschländer, Kreisfachberaterin für Gartenbau im Landratsamt. Sie warnt die Gartler davor, jetzt schon etwas draußen anzupflanzen. Kübelpfanzen könne man an warmen Tagen schon mal rausstellen, nachts müssten sie aber zurück in einen geschützten Raum. Die einzige Möglichkeit tätig zu werden sei derzeit das Gewächshaus.

Auch Fortmann Bauer fürchtet die Spätfröste. Manche Laubbäume könnten zu früh Blätter treiben und vom Frost der Eisheiligen erwischt werden. So etwas habe es vor ein paar Jahren bei den Buchen gegeben, erzählt Bauer.