Arsen an grünen Büchern? Auch Regensburger Bibliotheken könnten Exemplare für die Ausleihe sperren

Von Heike Haala · 21. März 2024 um 17:00

Die Farbe mit dem Namen Schweinfurter Grün an Büchern aus dem 19. Jahrhundert macht von sich reden. Weil bei der Herstellung giftige Arsenverbindungen zum Einsatz gekommen sein können, hat die Bibliothek der Uni Bielefeld Bücher für die Ausleihe gesperrt.

Die Verantwortlichen bei der Bischöflichen Zentralbibliothek, an der Ostbayerischen Technische Hochschule (OTH) Regensburg und an der Universität wollen Verdachtsfälle prüfen und unter Umständen nicht mehr zur Benutzung ausgeben. So umfasse der Altbestand der Universitätsbibliothek Regensburg etwa 100000 Bände, davon etwa 80000 bis 90000 aus dem 19. Jahrhundert, gibt Stefanie Aufschnaiter Auskunft, die mit der Öffentlichkeitsarbeit an dieser Bibliothek betraut ist. Ein großer Teil der potenziell relevanten Bestände aus dem 19. Jahrhundert sei zwar ohnehin separiert und die Benutzung äußerst gering, allerdings sei für den Benutzungsbereich entschieden worden, Verdachtsfälle aus den entsprechenden Bestandssegmenten nicht mehr zur Benutzung auszugeben.

Bereits 2023 seien hier Kollegen von anderen betroffenen Bibliotheken befragt und der Kontakt zum Vorsitzenden der zuständigen Kommission Bestandserhaltung des Deutschen Bibliotheksverbands aufgenommen worden. Seither sind laut Aufschnaiter einige Maßnahmen veranlasst worden: Es gebe nun eine interne Arbeitsgruppe, zudem soll die Gefährdung mit Arbeitsmedizinern und Sicherheitsingenieur der Universität beurteilt werden. Weiterhin informierten die Verantwortlichen der Universitätsbibliothek die Mitarbeiter über den richtigen Umgang mit historischen Beständen. Auch sei eine Raumluftmessung und eine Staubprobenanalyse einzelner Bände vorgenommen worden, deren Ergebnisse aber noch ausstehen. „Nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse werden gegebenenfalls weitere Maßnahmen erfolgen“, kündigt Aufschnaiter an.

Handschuhe könnten helfen

Stefan Groß, Pressesprecher des Bistums, antwortet auf Nachfrage, dass der Anteil von Büchern aus dem 19. Jahrhundert im Gesamtbestand von mehr als 350.000 Bänden in der Bischöflichen Zentralbibliothek bisher nicht ermittelt worden sei. „Belastete Bücher würden gegebenenfalls – falls erforderlich – separiert und entsprechend konservatorisch behandelt, etwa durch Reinigung“, sagt er. Grundsätzlich sei die diese Einrichtung eine Magazin- und keine Freihandbibliothek. Die Benutzung durch Ausleihe von Büchern aus dem Magazin sei laut Groß aber möglich. „Sollte bei einem gewünschten Buch eine potenzielle Belastung festgestellt werden, würde es nicht zur Benutzung freigegeben“, erklärt er. Falls vertretbar, könnte eine Nutzung mit Schutzmaßnahmen, etwa Handschuhen gestattet, werden.

Weil die Bibliothek der OTH erst Anfang der 1970-er Jahre gegründet wurde, habe sie lediglich kleine Bestände aus der Zeit vor 1900, die von dieser Problematik betroffen sein könnten, erklärt Alisa Weinhold, Pressesprecherin der OTH. „Ein Teil davon ist für Benutzer nicht direkt zugänglich und nur auf Bestellung ausleihbar“, sagt sie.

Die Anzahl der Bücher aus dieser Zeit, die im Freihandmagazin stehen und zu denen direkter Zugang besteht, bewege sich bei maximal 100 bis 150. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass diese Bücher Merkmale für einen Verdacht auf Arsen aufweisen. „Dies wird aber natürlich gründlich geprüft. Wenn ja, würden diese Bücher aus dem frei zugänglichen Bereich sofort entfernt“, erklärt Weinhold das Vorgehen.

Die Verantwortlichen von zwei Regensburger Bibliotheken geben auf Nachfrage Auskunft, dass bei ihnen nach Rücksprache mit dem Institut für Bestandserhaltung und Restaurierung (IBR) keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen geboten seien. Das sind Bernhard Lübbers, Direktor der Staatlichen Bibliothek, und Peter Styra von der Fürst Thurn und Taxis Hofbibliothek.

Schulung im Januar

Lübbers sagt, dass es im Bestand der Staatlichen Bibliothek Regensburg in der Tat einige Bücher gebe, die das sogenannte Schweinfurter Grün tragen. Styra vermutet, dass dies auch bei einigen Exemplaren in der Hofbibliothek der Fall sein könnte. Eine genaue Zahl sei beiden aber nicht bekannt. Im Januar habe es sowohl bei der Hofbibliothek als auch bei der Staatsbibliothek eine Schulung durch das IBR zu dem Thema gegeben. Ein Ergebnis dieses Termins sei in beiden Häusern gewesen: Bei einem regulären Umgang mit den Büchern beim Ausheben und Rückstellen sowie bei der Buchbearbeitung oder der Nutzung im Lesesaal gehe keine erhöhte Gefahr aus. Auch die bloße Anwesenheit von gefärbten Büchern im Magazin stelle in beiden Bibliotheken kein erhöhtes Risiko dar. Zudem liege der Anteil der gefundenen Arsenpartikel in der Raumluft laut der bislang publizierten Messergebnisse hier wie dort an der Grenze des überhaupt Messbaren und entspreche damit den in Natur und Umwelt natürlich vorkommenden Konzentrationen.

Dennoch verweisen Styra und Lübbers auf eine eiserne Regel im Umgang mit historischen Büchern: Das Lecken der Finger zum Umblättern der Seiten ist untersagt.