Rücksichtsloser Autofahrer: 90-jähriger Schulweghelfer rettet Kind vor Woffenbacher Schule

Kurz vor acht Uhr am Zebrastreifen in der Schloßstraße in Woffenbach (Neumarkt): Schulweghelfer Wolfgang Wölfl steht auf dem Überweg und will ein Kind über die Straße geleiten. Trotz erhobener Kelle braust ein Auto durch. Der 90-Jährige zieht das Kind geistesgegenwärtig zur Seite. Jetzt wurde der Elternbeirat der Grundschule aktiv.
Das Autokennzeichen konnte Wölfl so schnell nicht mehr erkennen. Seit 20 Jahren ist er als Schulweghelfer vor der Woffenbacher Grundschule. Er schüttelt noch immer den Kopf, wenn er an die Situation denkt.
Eine Mutter hatte den Vorfall beobachtet und ihn zum Anlass genommen, eine Aktion zu initiieren, um den sieben Schulweghelfern zu danken. Diese versehen im wöchentlichen Wechsel jeden Tag von 7.30 bis 8 Uhr ehrenamtlich ihren Dienst.
Schulweghelfer dringend gesucht
Am Mittwochfrüh überreichten die Klassen 1/2c stellvertretend Dankeskarten, die Kinder in der Mittagsbetreuung gebastelt hatten, und eine kleine Aufmerksamkeit an Wolfgang Wölfl, Kurt Aurbach, Irmgard Aurbach, Constanze Eggerling, Felix Muschawek, Josef Hiereth und Reiner Hirn.
Schulleiterin Gisela Winkler nutzte die Gelegenheit, um auf die verkehrstechnisch problematische Situation im Umfeld der Grundschule und auf die große Bedeutung der Schulweghelfer hinzuweisen. Der Koordinator der Woffenbacher Schulweghelfer, Kurt Aurbach, appellierte, dass das Team der Schulweghelfer – alle im Alter zwischen 70 bis 90 Jahren – dringend Verstärkung braucht.
„An einem absoluten Tiefpunkt angekommen“
„Wir sind eine Rentnertruppe und bräuchten dringend jüngere Leute“, sagt Aurbach. „Sie glauben nicht, was hier für ein Durchgangsverkehr ist! Manchmal haben wir schon prekäre Situationen“, obwohl die Schlossstraße eine Tempo-30-Zone ist, schildert der Schulweghelfer.
„Wir sind an einem absoluten Tiefpunkt angekommen, wenn ein Autofahrer einen Schulweghelfer ignoriert“, kommentiert der Vorsitzende der Kreisverkehrswacht, Hermann Pfeifer den Vorfall. „Wir können uns rühmen, dass es im Landkreis Neumarkt an den von Schulweghelfern betreuten Übergängen in den vergangenen Jahren keinen Unfall gegeben hat.“
Forderung nach konsequenter Verfolgung
Der Vorfall in Woffenbach müsse mit aller Konsequenz verfolgt werden, fordert er. Wenn ein Schulweghelfer mit Sicherheitsweste und erhobener Kelle an einem Überweg stehe, komme das einer verkehrsrechtlichen Anordnung gleich.
Werden Menschen beim Überqueren von Fußgängerüberwegen gefährdet, so werde das mindestens mit einer Anzeige, 100 Euro Geldbuße sowie einem Punkt in Flensburg geahndet, unterstreicht Manfred Käsewieter von der Polizeiinspektion Neumarkt. Er verweist darauf, dass die Polizei regelmäßig Verkehrskontrollen im Umfeld der Schulen vornehme.
Elterntaxis sorgen für brenzlige Situationen
Schulleiterin Winkler wirft die Frage auf, ob es nicht sinnvoll sei, das Umfeld von Schulen generell für den Durchgangsverkehr zu beschränken. Für gefährliche Situationen sorgten auch Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. In Woffenbach mache dies die Adalbert-Stifter-Straße in Woffenbach zu Schulbeginn- und -ende regelmäßig zum Nadelöhr.
