Gewerbegebiet Teublitz: Riesenchance oder ein großes Millionengrab?

Spätestens seit dem erneut gefassten Grundsatzbeschluss ist klar: Teublitz (Landkreis Schwandorf) hat weiter die feste Absicht, an der Autobahnanschlussstelle ein rund 20 Hektar umfassendes Gewerbe- und Industriegebiet auszuweisen. Dafür scheut die Stadt weder Mühen noch Kosten. Deshalb stellt sich die Frage: Kann die Rechnung überhaupt aufgehen – oder riskiert die Kommune eine Bauchlandung?
Die Argumentation der Stadt ist klar: Teublitz benötige unbedingt neue Flächen für Handwerksbetriebe, aber auch produzierendes Gewerbe. Die Liste der Anfragen sei lang. Mit dem Areal neben der Autobahn, einem Stück Staatsforst, glaubt man einen attraktiven Standort gefunden zu haben. Die Eingriffe in die Natur will man mit mehr Ausgleichsmaßnahmen als gesetzlich vorgeschrieben kompensieren.
Umweltschützer liefen gegen das Projekt allerdings Sturm. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) klagte sogar – und erhielt vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) in München Recht. Der Bebauungsplan wurde wegen eines Mangels, der mittlerweile längst behoben ist, für unwirksam erklärt. Darüber hinaus hatten die Richter aber eine Reihe weiterer Fehler festgestellt. Abgedeckt durch einen Ratsbeschluss, arbeitet die Verwaltung seit 2022 intensiv an Lösungen.
Enorme Vorausleistungen sind nötig
Das freilich hat seinen Preis. Für eine vollständige Neukartierung der Tierarten im betroffenen Gebiet sowie weitere Gutachten sind, wie aus Unterlagen der Stadt hervorgeht, Ausgaben von mindestens 115000 Euro zu erwarten. Völlig offen ist nach Informationen der MZ, wie stark die Ausgleichsmaßnahmen zu Buche schlagen werden – von den Erschließungskosten ganz zu schweigen.
Auch die Fortschreibung des Landschaftsplans soll dazu dienen, das umstrittene Gewerbegebiet am Autobahnanschluss Teublitz doch noch zu realisieren. Mehr dazu lesen Sie hier. Die Aktualisierung wäre freilich auch ohne diese Absicht erforderlich gewesen. Der Plan liegt noch bis 15. April öffentlich aus.
Wegen der Entfernung des Gewerbegebiets zur Stadt und zur Kläranlage (rund fünf Kilometer) dürfte die Finanzierung aber in die Millionen gehen. Außerdem, so berichtet ein MZ-Leser, der nicht namentlich genannt werden möchte, seien wegen des Gefälles im Plangebiet „massive Erdbewegungen durchzuführen“ – mit unabsehbaren Folgen für die Wasserströme. Und für Niederschläge seien Auffangbecken erforderlich.
Die Stadtverwaltung hält sich bedeckt
In der Stadtverwaltung äußert man sich auf Anfrage der MZ zu der Kostenfrage zurückhaltend. Pressesprecher Thomas Stegerer verweist auf Bürger-Informationen aus dem Zeitraum von 2020 bis 2022, die also nicht mehr aktuell sind. Näheres werde man erst beantworten können, wenn die überarbeiteten Planungen dem Stadtrat vorgelegt würden. Im Übrigen halte man nichts davon, wenn der Fokus auf einen einzelnen Aspekt gelegt werde.
Obwohl also die Ausgaben, die für die Weiterverfolgung der Planungen und die Erschließung anfallen, bestenfalls teilweise vorliegen, wagte die Stadt schon eine Schätzung, für wie viel Geld der Quadratmeter im neuen Gewerbegebet zu haben sein werde. Auf dem Internetportal der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist eine Preisspanne von 70 bis 80 Euro zu lesen. Das wäre, so haben MZ-Recherchen ergeben, durchaus im Rahmen des üblichen im Städtedreieck.
Allerdings gibt es eine zweite Schätzung, die darauf schließen lässt, dass die Stadt Teublitz selbst nicht mehr daran glaubt, so günstig anbieten zu können. In der Niederschrift der Ratssitzung vom April 2022 ist bereits die Rede von 112Euro, die „kostendeckend“ sein sollten.
Wie man auf diesen Betrag kommt, bleibt vorerst das Geheimnis der Stadtverwaltung. Auch weiß heute niemand, um wie viel die Baupreise gestiegen sein werden, bis an der Autobahnanschlussstelle der erste Bagger anrollen darf.
So läuft es beim Zweckverband in Schwandorf
Die MZ-Redaktion hat sich beim Schwandorfer Zweckverband Interkommunales Gewerbegebiet an der A93 erkundigt, wie er vorgeht und welche Preisvorstellungen er hat. Laut Geschäftsstellenleiter Armin Rank, der im Rathaus auch die Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Stadtmanagement und Digitales führt, ist der Bebauungsplan für die erste, rund 5,5 Hektar große Fläche seit August 2023 rechtskräftig. Preisvorstellungen für den Verkauf der Parzellen existierten bisher nur im Kopf. Konkret würden sie erst, wenn die Ausschreibungsergebnisse vorlägen. Die Arbeiten sollen heuer vergeben werden, um 2025 mit der Erschließung zu beginnen. Vorher aber müsse der Verband einen Grundsatzbeschluss fassen, für welchen Betrag man den Grund anbieten wolle.
Lage an der Autobahn ist ein großes Plus
Die bloße Euro-Zahl sage hier im Übrigen nur wenig aus, betont Rank. Es komme schon sehr darauf an, welchen Wert ein Areal wirklich habe, und das hänge wiederum stark vom Standort ab. Die Nähe zur Autobahn sei ein absoluter Pluspunkt. Rank verweist auf den Raum Regensburg-Neutraubling, wo für den Quadratmeter Grund im Gewerbegebiet rund 200 Euro verlangt und bezahlt worden seien.
So betrachtet, darf sich also auch Teublitz eine Chance ausrechnen, dass sein Projekt nicht zum Millionengrab wird. Nach Einschätzung der Verwaltung müssten die Kosten, die das Gewerbegebiet verursacht, durch Verkäufe und wachsende Gewerbesteuereinnahmen mittelfristig gedeckt werden können.
Vorher aber ist noch das Genehmigungsverfahren abzurunden – und eventuell eine erneute richterliche Prüfung zu überstehen. Christian Stierstorfer, Waldreferent des LBV, hat bereits angedeutet, sein Verband werde, sollten die Rechtsanwälte eine realistische Chance bestätigten, eine zweite Klage riskieren. Stierstorfer wörtlich: „Wir sind nach wie vor der Meinung, dass die festgestellten Mängel nicht alle zu beheben sind.“
