Glasfaser-Ausbau 2024 verstärkt: Wie Regensburg als erste Stadt Kupfer-frei sein soll

Der Glasfaser-Ausbau in Regensburg geht voran. 8000 Nutzungseinheiten, also Wohnungen und Büros, sollen heuer in der Stadt erschlossen werden. Das wären 20 Prozent mehr als 2023. Das Ziel: 100 Prozent Glasfaser in Regensburg bis 2032. Um das zu erreichen, übernimmt die Stadt selbst das Ruder.
Seit Wochen rollen Bagger durch die Ganghofersiedlung im Regensburger Süden. „Hier kommt Ihr Glasfaser-Internet!“ steht auf dunkelblauen Bannern entlang der Baustellenabsperrungen. Das Wohngebiet ist eines von über einem Dutzend, die 2024 Glasfaserleitungen erhalten sollen.
„Das Ziel heißt: Kupfernetz abschalten“, sagt Alfred Rauscher, Geschäftsführer des Netzbetreibers R-Kom. Wenn man das aktuelle Tempo mindesten beibehalte, könne Regensburg die erste große Stadt sein, die ganz auf kupferne Leitungen verzichten könne.
Glasfaser: Stadt Regensburg übernimmt das Ruder
Bei einer Pressekonferenz am Montag betonte Rauscher, dass das Erreichen dieses ambitionierten Ziels nun als 100-prozentige Tochter der Stadt besonders sicher klappen werde. Seit dem 1. Januar gehört die R-Kom vollständig der Stadt an. Dass man bei Glasfaser nicht auf die Privatwirtschaft setze, sei „einfach eine Notwendigkeit“, sagt auch Regensburgs Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. „Glasfaser-Ausbau ist aus unserer Sicht eine Daseinsvorsorge – wie Wasser, Gas und Strom“, sagt das Stadtoberhaupt. In dieser Hinsicht könne man ihn nicht privaten Unternehmen anvertrauen.
„Wenn man das dem Kapitalmarkt überlasst, werden manche Gebiete nie ausgebaut“, sagt Alfred Rauscher. Er zeigt sich optimistisch, dass bis in die letzten Regionen der Stadt, selbst in den wenig rentablen, dünner besiedelten Gebieten, ein eigenwirtschaftlicher Ausbau mindestens zu 90 Prozent möglich sei. „Unsere Einnahmen tragen sehr weit“, sagt Rauscher.
Damit möglichst viele Menschen auch die neuen Leitungen in ihren Straßen nutzen und ihr Haus an das Netz anschließen, macht die R-Kom weiter verstärkt Werbung. Aktuell liege laut Rauscher der Nutzungsgrad der Glasfaserleitungen bei 30 Prozent. Auf Dauer rechne man aber mit einem Nutzungsgrad von 60 Prozent, wovon wiederum rund ein Drittel direkt Vertragskunden bei R-Kom seien. In Regensburg setze man aber weiterhin auf das Konzept „Open Access“: Die Glasfaserleitungen können also auch von privaten Firmen wie Vodafone oder 1&1 genutzt werden. So soll verhindert werden, dass der selbe Gehweg immer wieder für neue Leitungen aufgerissen wird.
„Wenn wir ungefähr in dieser Geschwindigkeit weitermachen, dann erreichen wir die 100 Prozent bis 2032“, sagt OB Maltz-Schwarzfischer. Sollte alles nach Plan laufen, werde die Glasfaser-Versorgungsquote im Stadtgebiet bis Ende des Jahres bereits bei 65 Prozent liegen. Mit jährlich rund 6000 bis 8000 neuen Erschließungen solle es laut Plan auch weitergehen, wenn auch vor allem die letzten Prozent die schwierigsten würden, so Alfred Rauscher.
Glasfaser-Ausbau in Regensburg: Baufirmen optimistisch
Für Regensburger Bürger bedeutet das auch: Baustellen werden sich auch in den kommenden Jahren überall im Stadtgebiet häufen. Beteiligt sind, wie auch bei der Baustelle in der Ganghofersiedlung, vor allem die Firmen Elektro Weigl und das Bauunternehmen Rädlinger. Während die Baubranche derzeit vor allem im Häuserbau keine guten Zeiten durchlebt, sei man in Sachen Glasfaser-Ausbau „auf einem guten Weg“, so Firmenchef Josef Rädlinger.
Auch Unternehmer Jürgen Weigl sieht die Lage nach schwierigen Jahren verbessert: „Was das Material angeht, ist die Versorgungssicherheit wieder gegeben“, sagt er. Er sieht kaum Alternativen für den schnellen Glasfaser-Ausbau. „Corona hat Vielen deutlich vor Augen geführt, wie abhängig wir heute von einer schnellen und zuverlässigen Online-Anbindung sind.“
Glasfaser-Ausbau in Zahlen
Gesamt: Seit 1999 hat die R-Kom eigenen Angaben zufolge in Ostbayern 13805 Gebäude mit 75961 Nutzungseinheiten (z.B. Wohnungen oder Büros) mit Glasfaser erschlossen.
2024: Heuer sollen 7630 Nutzungseinheiten in 2110 Gebäuden in Regensburg, Barbing, Neutraubling und über Breitband-Fördermaßnahmen in Beratzhausen dazukommen. Das sind laut R-Kom 331 Kilometer Glasfaserkabel.

