Wo in der Region fällt der meiste Müll an – und warum gibt es so große Unterschiede?

Von Christoph Eberle · 18. März 2024 um 05:26

Von Restmüll über Grüngut bis hin zu Wertstoffen: In welchen Landkreisen in der Region fällt eigentlich der meiste Müll pro Kopf an? Und wo der wenigste? Das Bayerische Landesamt für Statistik hat das genauer untersucht. Was sind Gründe für die Unterschiede?

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Die eingesammelte Menge an Haushaltsabfällen betrug im Jahr 2021 in Bayern 497,9 Kilogramm pro Kopf. Wie das Bayerische Landesamt für Statistik mitteilt, liegt das durchschnittliche Aufkommen an Haushaltsabfällen in Bayern um 14,3 Kilo und damit 2,9 Prozent über dem Bundesdurchschnitt von 483,6 Kilo je Einwohner.

Bayernweiter Müll-Spitzenreiter im positiven Sinn – also der Landkreis mit der wenigsten Pro-Kopf-Menge ist laut den Statistikern der Landkreis Tirschenreuth: Nur 353,8 Kilo pro Kopf fielen demnach im Jahr 2021 an. Mit eingerechnet haben die Statistiker dabei alle Haushaltsabfälle ohne Elektroaltgeräte – sprich: Haus- und Sperrmüll, getrennt erfasste organische Abfälle (Biotonne, biologisch Garten- und Parkabfälle), getrennt erfasste Wertstoffe und sonstige Abfälle.

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Ebenfalls wenig Müll fällt laut Statistik in den Landkreisen Schwandorf (368,3 Kilo pro Kopf), Berchtesgadener Land (402,3 Kilo) Cham (428,3 Kilo) und Amberg-Sulzbach (431,5 Kilo) an. Direkt dahinter liegen die Kreise Dingolfing-Landau 458,6 Kilo und Rottal-Inn (458,7 Kilo) und Ingolstadt (458,9 Kilo).

Noch unter der Marke von 500 Kilo Müll pro Kopf und Jahr liegt man in den Landkreisen Landshut (463,3 Kilo), Altötting (470,7 Kilo), Mühldorf (486,5 Kilo), Kelheim (494,1 Kilo), Stadt Amberg (495,5 Kilo) und Neumarkt in der Oberpfalz (499,8 Kilo).

Knapp über 500 Kilo Müll pro Kopf und Jahr sind es in der Stadt Regensburg (503,9 Kilo) und in den Landkreisen Rosenheim (504 Kilo), sowie Eichstätt (507,1 Kilo). Etwas weiter über dieser Marke liegen die Landkreise Neuburg-Schrobenhausen (517,3 Kilo), Stadt Landshut (524,4 Kilo), Roth (527,1 Kilo), Stadt Passau (527,3 Kilo), Deggendorf (529,3 Kilo), Freyung-Grafenau (530,7 Kilo), Landkreis Passau (531,1 Kilo) und Regen (532,6 Kilo).

Mehr als 550 Kilo sind es im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm (550,5 Kilo), in der Stadt Straubing (552,4 Kilo) und in den Landkreisen Straubing-Bogen (553,4 Kilo), Regensburg (562) sowie Traunstein (562,4 Kilo).

Bayernweit der meiste Müll fiel laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik im Jahr 2021 in der Stadt Rosenheim an – 893,6 Kilo pro Kopf.

ZAW Donau-Wald Werkleiter sieht unterschiedliche Gründe für Müllmengen-Unterschiede

Bei der bayernweiten Müll-Statistik fallen große Unterschiede vor allem auf, wenn man unmittelbar benachbarte Landkreise betrachtet. So ist zum Beispiel die statistisch erfasste Müllmenge im Gebiet des Zweckverbands Abfallwirtschaft Donau-Wald (zuständig für die Müllentsorgung in den Kreisen Regen, Deggendorf, Freyung-Grafenau sowie Stadt und Landkreis Passau) deutlich höher als in den Nachbarlandkreisen Cham, Dingolfing und Rottal-Inn. Woran liegt das?

„Die Ursachen für die Mengen-Unterschiede können sehr unterschiedlich sein“, sagt Karl-Heinz Kellermann, Werkleiter beim ZAW Donau-Wald auf Anfrage der Mediengruppe Bayern. Gegenüber dem Landkreis Cham seien in seinem Zuständigkeitsbereich etwa die Mengen an Bioabfall um rund 25 Kilo pro Einwohner, beim Hausmüll um rund 20 Kilo je Einwohner und vor allem beim Sperrmüll um über 50 Kilo je Einwohner höher.

„Hintergrund ist, dass wir zum einen den Sperrmüll-Begriff sehr großzügig auslegen und auch in erheblichem Maß Gewerbeabfälle annehmen, während dies beim Landkreis Cham oftmals direkt beim Zweckverband Müllverwertung Schwandorf angeliefert wird“, sagt Kellermann.

Führen eine flächendeckende Sperrmüll-Annahme und kostenlose Freimengen bei Grüngut statistisch zu mehr Müll?

Zu den Landkreisen Dingolfing und Rottal-Inn (gemeinsamer Zweckverband AWV Isar-Inn) liegen Kellermann keine konkreten Zahlen vor, so dass er keine sichere Aussage im direkten Vergleich treffen kann. Seine Vermutung: So seien beim AWV Isar-Inn aktuell Sperrmüllanlieferungen nur bei den Umladestationen des Müllkraftwerks Burgkirchen möglich, während im ZAW-Gebiet 27 Annahmestellen zur Verfügung stehen. Der AWV Isar-Inn verlange zudem etwa beim Grüngut Gebühren, während man laut Kellermann im ZAW-Gebiet „eine vergleichsweise großzügige Haushalts-Freimenge“ anbiete.

Der Werkleiter geht daher davon aus, dass der ZAW Donau-Wald bei Restmüll/Sperrmüll, Bio und Grüngut „aufgrund seines flächendeckenden Systems im Vergleich zu Gesamt-Bayern deutlich höhere Mengen verwertet“.

Beim Zweckverband AWV Isar-Inn kann man es selbst nicht erklären, warum man einen der niedrigsten Müll-Werte in Bayern hat. Die Vermutung einer Sprecherin: Durch die ländliche Struktur in den beiden Landkreisen fallen eventuell größere Verpackungseinheiten weg. Es gebe tendenziell mehr Familien als Singlehaushalte, wodurch sich das Müllaufkommen auch nochmal anders strukturiert. Zudem gebe es im Verbandsgebiet als kleinstmögliches Gefäß die 60l-Restmülltonne. Diese sei ebenfalls nicht überall erhältlich.

Sorgen in Rosenheim „Müll-Touristen“ und günstige Sperrmüll-Gebühren zum bayernweit höchsten Wert?

Die Stadt Rosenheim führt die bayernweite Müll-Statistik als negativer Spitzenreiter an. Nirgendwo im Freistaat fällt demnach so viel Müll an wie hier. Und der Unterschied ist enorm: Mit 893,6 Kilo pro Kopf hat man statistisch fast 390 Kilo mehr Haushaltsabfälle pro Einwohner als der Landkreis – und 330 Kilo mehr als der Landkreis Traunstein. In der Pressestelle der Stadt zweifelt man daher an der Aussagekraft der Statistik und vermutet „Müll-Touristen“ als Verursacher.

Laut Christian Baab von der Pressestelle biete man im Stadtgebiet etwa flächendeckend Wertstoffinseln an, im Umland seien diese deutlich seltener. Die Vermutung: Bürger aus der Region fahren Müll in die Stadt, um ihn hier bequem und kostenlos zu entsorgen – statistisch fällt er dann dort an. Und tatsächlich ergibt die Statistik: Allein bei den getrennt erfassten Wertstoffen sind in der Stadt Rosenheim gut 450 Kilo pro Kopf – das ist mehr als die statistische Gesamtmüllmenge pro Kopf im Landkreis Cham. „Betrachtet man rein den Hausmüll liegen wir im bayernweiten Vergleich eigentlich im Mittelfeld“, sagt Christian Baab von der städtischen Pressestelle Rosenheim weiter.

Ein Blick in die genauere Auswertung der Statistik zeigt: Haus- und Sperrmüll werden hier zusammengerechnet – in der Stadt Rosenheim liegt man allein bei diesem Posten bei 322 Kilo pro Kopf. Im Landkreis ist es mit rund 190 Kilo deutlich weniger. Möglicherweise liegt es daran, dass Privathaushalte mit Sitz in der Stadt Rosenheim pro Kalenderhalbjahr bis zu 300 Kilo Sperrmüll beim Wertstoffhof abgeben können. Dafür ist eine einmalige Gebühr von zehn Euro zu entrichten, heißt es auf der Website der Stadt.

Das ist extrem günstig – zum Vergleich: Im Landkreis Rosenheim wird nach Kubikmetern abgerechnet: Der angefangene Viertelkubikmeter kostet 7,50 Euro. Und auch im ZAW-Gebiet in Niederbayern kommt man mit zehn Euro nicht weit – für 101 Kilo werden hier schon 26,73 Euro fällig. Die Kosten bei der ZAW Donau-Wald sind auch erst seit diesem Jahr so hoch. Bis vor kurzem war die Pauschale deutlich günstiger. Ob es daher auch „Sperrmüll-Touristen“ gibt, die über Verwandte oder Bekannte diese Abfallart günstig nach Rosenheim bringen, ist unbekannt.