„Moussaka-Massaker“ kostet Regensburger Sternekoch Anton Schmaus Sieg über Tim Mälzer

Von Christine Schröpf · 17. März 2024 um 22:55

Der Regensburger Sternekoch Anton Schmaus kämpft bei „Kitchen Impossible“ mit einem vermeintlich simplen Gericht. Das „Moussaka-Massaker“ kostet ihn am Sonntagabend den Sieg – hat aber demnächst ein Nachspiel im „Sticky Fingers“.

Mit hauchdünnem Vorsprung bezwingt Tim Mälzer bei „Kitchen Impossible“ am Sonntagabend den Regensburger Sternekoch Anton Schmaus. Nach der entscheidenden Challenge im schwedischen Östersund – der Heimat von Schmaus‘ Ehefrau – schiebt sich die Hamburger Koch-Urgewalt nach vorn. Schmaus mutmaßt, dass seine Schwiegermutter mit einer etwas zu großzügigen Punktvergabe das Zünglein an der Waage gewesen sein könnte – als Jurymitglied hatte sie Mälzers Interpretation von zwei traditionellen samischen Gerichten mitverkostet.

Dabei war Schmaus im TV-Kochwettbewerb selbst auf zwei sehr gnädige Juroren gestoßen: Auf der griechischen Insel Kefalonia zeigten sie bei seiner missglückten Moussaka mit leicht rohen Auberginen und Klümpchen-Bechamel Erbarmen, spendierten fast die Höchstpunktzahl. Schmaus eigenes Urteil war im Vergleich schonungslos selbstkritisch ausgefallen: „Das ist das Moussaka-Trauma – die Tragödie.“ Der Spott Mälzers war ihm gewiss: „Das ist nicht Moussaka, das ist Massaker. Du hast das falsch verstanden.“

„Kitchen Impossible“: Pralinen mit Oktopus-Gel

Für Schmaus, dessen Wurzeln im niederbayerischen Viechtach liegen, war es das erste TV-Duell mit Mälzer. Dieser fordert seit nun zehn Jahren in der Erfolgsserie des Senders Vox Spitzenköche heraus. Am Sonntag galt es für Schmaus zwei knifflige Aufgaben zu lösen, die Mälzer für ihn ausgesucht hatte. Nach Kefalonia wurde er in Nairobi ins zweitgrößte Slum Afrikas geschickt, um in der schlichten Unterkunft von Millicent Atieno auf offener Flamme im One-Pot-Verfahren kenianische Nationalgerichte zuzubereiten. „Eine Lektion in Demut“, urteilte Schmaus hinterher berührt.

Er selbst hatte Mälzer witzigerweise bei dessen zwei Aufgaben aus mehreren Optionen wählen lassen – was es mitnichten einfacher machte. Unter wüsten Flüchen und höchster Stinkefinger-Quote zog Mälzer sich das harte Los, im belgischen Brügge in der Manufaktur „The Chocolate Line“ Pralinen zu fertigen – ungewöhnliche Kreationen, in denen etwa fermentierte Tomaten, Oktopus-Gel oder Kräuter miteinander kombiniert sind. Das Handwerk ist hier der Knackpunkt – wegen exakter Temperaturen, Mengen und Techniken ist man ohne Vorkenntnisse auf einer „Mission impossible“.

Anton Schmaus kicherte herzlich über eigene Fehler

Das größte Kunststück bei „Kitchen“ bleibt aber, dass Kompliziertes ohne Rezept nach nur einmaligem Verkosten zuzubereiten ist – Zutaten und Feinheiten müssen möglichst exakt herausgeschmeckt werden. Teil der Show ist, dass die Filmsequenzen vom wechselseitigen Scheitern anschließend im Studio gemeinsam angeschaut und spöttisch kommentiert werden. Schmaus zeichnete sich in der Sonntagsfolge dadurch aus, dass er herzlich über eigene Fehler kicherte, Attacken seines Herausforderers weglächelte und eigene kleine Bosheiten so charmant ummantelte, dass selbst Rauhbein Mälzer irgendwann die Waffen streckte.

Sternekoch Schmaus hat in Regensburg im „Storstad“ den Hut auf, betreibt zudem „Aska“, „Sticky Fingers“ und „Tipsy“, hat sich auch als Koch der deutschen Fußballnationalmannschaft einen Namen gemacht. Mit großem Amüsement beobachtete Mälzer am Sonntagabend, wie sein Kontrahent trotz höchster Expertise schon auf Kefalonia in typische Anfängerfehler stolperte. Als da wären: Komplette Selbstüberschätzung („An mir ist ein Grieche verloren gegangen“) und fehlende Vorsicht beim Angebot von alkoholischen Drinks in der Gastküche. Auf das fröhliche „It‘s time for Ouzo“ folgte in Griechenland jedenfalls die ernüchternde Erkenntnis, dass die Lammschulter für die Moussaka zunächst längst nicht weich genug aus dem Ofen kam. Den trockensten Kommentar lieferte Originalköchin Alikis Moschopoulou, die den Kartoffel-Hackfleischauflauf samt griechischem Bauernsalat in ihrem Restaurant perfektioniert hat. „Einerseits war es amüsant, andererseits traurig“, sagte sie über das, was Schmaus beim ersten Moussaka-Versuch seiner Kochkarriere fabrizierte und ihren Stammgästen kredenzte.

Nach „Kitchen Impossible“: Es geht spannend weiter

Bei Schmaus steht nach „Kitchen Impossible“ schon das nächste wichtige Datum im Terminplan: Am 26. März verteilt der Guide Michelin an die Spitzenköche im Land die Sterne für 2024. Aktuell hält Schmaus je einen im „Storstad“ und im Sushi-Restaurant „Aska“, das „Sticky Fingers“ war vergangenes Jahr in die Riege der Bib-Gourmand-Restaurants mit sehr gutem Preis-Leistungsverhältnis aufgerückt. „Wir haben unsere Produkte stetig weiterentwickelt und freuen uns, wenn alles so bleibt wie es ist“, sagt er dazu.

Am 6. April taucht Schmaus übrigens noch einmal in die Finessen der Moussaka ein und hat die Chance, die Kefalonia-Schlappe wettzumachen. Alikis Moschopoulou reist von der Insel an und kocht unter dem Motto „Moussaka Madness“ im „Sticky Fingers“. Kosten für Menü plus Ouzo-Flat: 160 Euro. Der Abend ist aber schon ausgebucht, heißt es aus seinem Presseteam.

Was Schmaus vom Kitchen-Impossible-Abenteuer noch lange in Erinnerung bleiben wird? Die Stippvisite nach Kenia mit tiefen Eindrücken von der Armut in den Slums. „Für jemanden aus so einer Kleinstadt wie Regensburg ist das einfach unvorstellbar.“ Vor Ort hatte er außer der Reihe für Schüler der Kibera Hope Academy gekocht, als Präsent Ketchup und Mayonnaise für die Pommes Frites mitgebracht – und damit Freudentränen verursacht. „Mir war nicht bewusst, welch unfassbare Begeisterung das bei den Kindern auslöst.“

Wer die Folge am Sonntagabend verpasst hat, kann sie auf RTL+ streamen.

„Kuscheln“ im Hamburger Volksparkstadion: Im Wettbewerb ging es zwischen Mälzer und Schmaus dann rauer zu.
Herzliche Begegnung: Bangkok (r.) führte Schmaus in Nairobi zur „Kibera Hope Academy“.
Kochen im Wohnzimmer: Im Slum von Nairobi lernte Anton Schmaus Demut.
Bei der Pralinen-Challenge in Brügge zückte Tim Mälzer in hohem Takt den Stinkefinger.