An der A3 bei Parsberg stoppte die Polizei einen Abend lang verdächtige Fahrzeuge

Von Peter Romir · 15. März 2024 um 17:00

Übernächtigte Lkw-Fahrer, fehlerhafte Ladungen, aber auch Verdacht auf Drogen: Beim siebten oberpfalzweiten Kontrolltag der Polizei wurden zahlreiche Fahrzeuge aus dem Verkehr gezogen.

Große Flutlichter verwandelten den nächtlichen Rastplatz Hüttberg, gleich hinter der Autobahn-Auffahrt Parsberg, für fünf Stunden in eine Kontrollstelle der Polizei. Es war einer der größten der über 20 Einsatzorte an diesem Verkehrs-Kontrolltag in der Oberpfalz.

Insgesamt waren über 350 Polizeibeamte im Einsatz. Ihr vorrangiges Ziel war es, nach Fahrzeugen zu suchen, die möglicherweise eine Gefährdung für den Verkehr darstellen.

„Unser Hauptaugenmerk liegt dabei auf Lastern“, sagte Polizeioberkommissar Claus Feldmeier vom Polizeipräsidium Oberpfalz in Regensburg. „Denn wenn diese übermüdet sind oder ihre Ladung nicht optimal sichern, kann das zu schweren Unfällen führen.“

Wächter und Fänger

Um verdächtige Lkws rechtzeitig zu erkennen, nutzte man an der Kontrollstelle in Windischeschenbach den bayernweit einzigartigen Sentinel (deutsch: Wächter). Dies ist ein mit Laser-Messtechnik ausgestattetes Spezialfahrzeug, das während der Fahrt Länge und Gewicht, aber auch die Hitze der Reifen eines Lkws messen kann. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Fahrdauer und den Zustand der Bremsen ziehen. Mit dem Sentinel können pro Stunde über ein Dutzend Laster kontrolliert werden.

Müdigkeit und Alkohol am Steuer

Bei Parsberg verließ man sich dagegen auf das Augenmaß der Fachleute vor Ort. Spezielle Fänger-Wagen lotsten die verdächtigen Lastwagen dann auf den Rastplatz. Hier mussten die betroffenen Brummi-Fahrer die Plane zurückschieben und ihre Ware neu sortieren, um ihre Laster aus der gefährlichen Schräglage zu bringen. Aber auch der Alkoholspiegel und die Zahl der Schlafstunden wurden überprüft, denn solche Vorfälle seien in den Abendstunden besonders häufig, berichtet Feldmeier: „Da haben es die Fahrer dann besonders eilig“.

Kampf gegen Kriminalität

Neben den Lastern wurden auch Personenwagen auf den Rastplatz gewunken, besonders solche mit ausländischen Kennzeichen. „Hier geht es uns um die grenzüberschreitende Kriminalität“, sagt Feldmeier. Gesucht wurde nach Drogen, Waffen, aber auch nach illegalen Einreisen. Zudem wurden auch Fahrzeuge kontrolliert, die möglicherweise gestohlen wurden. Um zu erkennen, ob ein Nummernschild nun eine Fälschung ist, oder ein seltenes Sonderkennzeichen aus dem Ausland erhielten die Oberpfälzer Polizisten Unterstützung von Mitarbeitern des Zolls und Kollegen aus der Tschechei.

Zusammenarbeit mit Zoll und THW

Die Zollbeamten steuerten unter anderem auch technisches Equipment bei. So kamen bei der Fahndung ein Röntgengerät, Dokumentenprüfgeräte und Drogenspürhunde zum Einsatz. Das technische Hilfswerk Parsberg sorgte für Strom, Beleuchtung und die Versorgung in Hüttberg und dokumentierte die Aktion mit Drohnenaufnahmen. Zusätzlich waren das Bundesamt für Logistik und Mobilität und Vertreter der Regensburger Staatsanwaltschaft an der Aktion beteiligt. Ihnen ging es darum, die Hintergründe von Fällen, die später möglicherweise vor Gericht landen, besser zu verstehen.

Tiertransport gestoppt

Ein besonderer Vorfall ereignete sich dann gegen 23 Uhr: Ein Tiertransporter auf der Fahrt von den Niederlanden nach Kroatien wurde gestoppt. Dabei wurde festgestellt, dass der mit 183 Kälbern beladene Laster die Tierschutzbestimmungen nicht erfüllte. Unter anderem war die Tränkeanlage nicht in Betrieb. Um einer Verhaftung zu entgehen musste der 36-jährige Kraftfahrer eine Sicherheitsleistung von 650 Euro zahlen, bevor er seine Fahrt fortsetzen durfte.

Kontrolltag: Das Fazit

Während der fünfstündigen Aktion wurden auf dem Rastplatz bei Parsberg über 80 Fahrzeuge und 143 Personen überprüft. Bei neun Lastwagen wurden Verstöße festgestellt. Meist waren es Ruhezeiten, die nicht engehalten worden waren. Sechs Fahrer mussten deshalb ihre Fahrt unterbrechen. Bei einem Wagenlenker wurde zudem der Konsum von Drogen nachgewiesen. Bei der gesamten, oberpfalzweiten Aktion wurden über 1200 Fahrzeuge kontrolliert, davon etwa 250 aus dem Schwerverkehr. Insgesamt kam es zu 780 Anzeigen und Beanstandungen. Davon fielen etwa 70 auf den Schwerverkehr. Hier stellte die Polizei zwei Fahrzeuge sicher, die technisch manipuliert worden waren.

Anzeigen wegen hoher Geschwindigkeit

Neben den Fahrzeugüberprüfungen wurden auch Radarmessungen durchgeführt. Ganze 550 Überschreitungen der Höchstgeschwindigkeit wurden gemessen. 355 davon erwartet eine Anzeige. Ein besonders drastischer Fall ereignete sich auf der A93 in Fahrtrichtung Hochfranken, wo ein Pkw mit 220 Stundenkilometern bei erlaubten 120 km/h fuhr. Neben den festgestellten Verstößen soll der Kontrolltag aber auch eine präventive Funktion haben, betont Oberkommissar Feldmeier: Durch diese großen Aktionen sollen auch andere Fahrer merken, „dass die Polizei bei uns gut aufpasst“. Zudem sei der Kontrolltag eine gute Möglichkeit für junge Beamte unterschiedliche Methoden kennenzulernen.