Zweites Windrad im Stadtgebiet Roding: Kleine Lösung für die eigene Energiewende

Heute scheint die Sonne vor blauem Himmel – und ab und zu spürt man auch einen Windhauch, der die Fahnen der Firma Mech-tron nervös flattern lässt. Ruhiger geht es da die Neue an – nur langsam dreht sie sich um die eigene Achse. Ralph Schwarzfischer macht es dennoch Freude, sie drehen zu sehen – denn jede Drehung des Vertikalflüglers bringt Energie.
Seit gut zwei Wochen steht die Windkraftanlage nun hinter der neuen Produktionshalle. Und mancher, der über die B85 vorbeirauscht, hat womöglich die vergangenen Wochen immer wieder nach ihr gesucht – schließlich müsste man ein Windrad doch auf den ersten Blick sehen – allein der Höhe wegen. Doch das ist hier nicht der Fall. Denn das Windrad steht auf einem 17 Meter hohen Masten und liegt damit unter den Baumwipfeln. Zudem ist es ein Vertikalwindrad – die sind selten. Wer Windrad hört, denkt dagegen an die üblichen Dreiflügler, die heute in Höhen über 200 Metern reichen – da sieht jeder von Weitem die Drehbewegungen.
Drei solcher Horizontalwindräder hatte auch Schwarzfischer in genehmigungsfreier Höhe von etwa zehn Metern einmal geplant, war dann auf die nun verwirklichte, effizientere Variante gekommen. Die kleinen Windräder seien von der Ausbeute weniger attraktiv gewesen.
Von der Bundesstraße aus muss man schon genau hinschauen, um die interessante Anlage zu entdecken. Die sollte schon länger stehen, doch nach Verzögerungen für den Speicher gingen zuletzt die in einer Zwölfmeterkiste verpackten Blades, wie die Flügel heißen, beim Zoll in Hamburg verloren. Mit neuen Flügeln ist die Anlage jetzt komplettiert worden und dreht erste Runden.
Verlust in Hamburg
Zwölf Meter klinge zwar groß, so Mech-tron-Geschäftsführer Ralph Schwarzfischer. Doch die Hafenanlage in der Hansestadt sei allein so groß wie Regensburg und die Kiste im Vergleich zu den monströsen Containern eher ein Zahnstocher. Somit gab es ein Satz neue Flügel – fünf Stück sind hier in einem Kreis montiert, der sechs Meter Durchmesser hat.
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Der Clou – neben den großen Außenflügeln hat das Windrad an der Achse noch Windfänger, höhenartige Ausbuchtungen, die zusätzlichen Schub bringen. Hier seien langjährige Erfahrungen des Herstellers umgesetzt, der als Mittelständler solche Anlagen im Nachbarbundesland baut – um möglichst viel Antrieb und damit Strom zu bekommen.
Einmal berechnet mit 100000 kw/h, geht die Erwartung mittlerweile weit darüber hinaus: 220000 bis 260000 Kilowattstunden pro Jahr soll die Anlage aus dem Wind jetzt generieren. Die Prognose fußt auf einer gut dreimonatigen Windmessung vor der Installation. In Kombination mit der PV-Anlage auf den Hallendächern, die jährlich etwa gleichviel Strom produzieren, will das Unternehmen vor allem teure Energiespitzen in der Produktion wegpuffern.
Gute Ertragschancen
„Das ist sicher nicht der beste Standort im Landkreis!“, sagt der Geschäftsführer. Dennoch gebe es auch gute Ertragschancen – „Das ist spannend!“ Und irgendwie könne das überall umgesetzt werden, gerade im Industriegebiet. Auch wenn solche Infrastrukturinvestitionen eigentlich nicht Sache der Wirtschaft seien – doch von staatlicher Seite passiere da wenig. Als regionales Unternehmen, das bleiben wolle, gelte es, den Standort und Arbeitsplätze zu sichern.
Zudem entlaste man durch die Eigenproduktion von Strom das Netz vor Ort und sei als Projekt auch für die Allgemeinheit interessant. „Denn solch ein Windrad ist nicht teurer als eine hochwertige PV-Anlage und kostet nicht das Drei- oder Zehnfache, wie bei den großen Windkraftanlagen“, wirbt der Geschäftsführer für solch dezentrale, kleinere Lösungen im Vergleich zu Riesenwindrädern, die vor Ort auf wenig Gegenliebe stoßen, zudem oft dort gebaut würden, wo die komplette Infrastruktur erst geschaffen werden müsse.
Wenn die Sonne scheint und auch noch Wind geht, geht das Energiekonzept von Mech-tron am besten auf. „Vergangene Woche hatten wir an vier von sechs Tagen guten Wind!“, sagt Schwarzfischer. Eine Million Euro als Investition in den Bereich Energie habe das Gesamtpaket gekostet – mit Speicher, Windrad und allem. „Und es hat keinerlei Akzeptanzprobleme gegeben“, sagt er, weder aus der Belegschaft noch von außen.
Solch einfache, doch durchaus erprobte, schnelle und bodenständige Lösungen würden viel Verbesserungen im Energiesektor mit sich bringen, der in Deutschland weit hinter den Erwartungen herhinke. Vor allem die großen Player in dem Markt hätten hier gute Lobbyarbeit geleistet, um Fortschritte zu verhindern, findet Schwarzfischer, der sich auch für IHK vor Ort engagiert und daher mit Blick auf Energie sagt: „Die Unternehmen bei uns haben ihre Hausaufgaben gemacht!“
In jedem Fall bringt die Investition der Firma Mech-tron Entlastung am mittlerweile teuren Energiestandort Deutschland Sicherheit, um Preise abzufedern und globale Wettbewerbsnachteile auszugleichen. Am Ende soll so viel eigene Energie erzeugt und selbst verbraucht werden – etwa 35 Prozent des Gesamtverbrauchs – dass die neue dritte Halle strommäßig nicht ins Gewicht fällt. Da darf nicht nur die Firmenfahne wehen ...
Standortfaktor Energie
Unternehmen: Die Firma Mech-tron im Industriegebiet Roding-Altenkreith, die zu den weltweit führenden Unternehmen für Gehäusesysteme für Elektronik gehört, hat jetzt in die Energieversorgung und die Energiesicherheit und damit auch in die Standortsicherheit in Roding investiert.
Wind: Dafür haben sie etwa ein Windrad und einen Stromspeicher angeschafft. Es sei auch eine Reaktion auf die für die Industrie massiv gestiegenen Strompreise, die zu früher fast 300 Prozent Steigerung bedeuten würden. Dadurch gebe es einen großen Standortnachteil in Deutschland.
Invest: Die globale Wettbewerbsverzerrung bringe Firmen dazu, Umzusiedeln ins Ausland, wie jetzt bei Stihl beobachtet. Mech-tron hat anderes gemacht: Mit einer neuen Produktionshalle und den Investitionen in die Zukunftsenergie haben sie hier vier Millionen Euro investiert.

