Emotional, elektrisch, erschwinglich: Im neuen Renault 5 steckt Technik aus Regensburg

Von Bernhard Fleischmann · 11. März 2024 um 14:40

Der elektrische Renault 5 ist soeben in seiner Serienversion vorgestellt worden und sorgt für großes Aufsehen. Er könnte ein Verkaufsschlager werden. Entscheidend daran beteiligt ist ein großes Unternehmen aus Regensburg. Es macht das Auto auch zum Energiespeicher im Haus. Wohlklingend ist es obendrein, dank eines Altstars der Musik.

Aus der Vergangenheit in die Zukunft: Kaum ein Auto vereint Historie und Fortschritt so sehr wie der neue R5. Das neue Elektroauto des französischen Herstellers Renault genießt aktuell große Aufmerksamkeit. Folgt man der Fachpresse und beobachtet den Markt für vergleichbare Modelle, drängt sich der Eindruck auf: Dieser R5 E-Tech Electric ist ein ganz heißes Eisen der europäischen Autohersteller in Sachen E-Mobilität.

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Der R5 erinnert optisch stark an das kleine, sympathische Mobil aus den 70er Jahren, weckt mithin positive Emotionen. Und er kann dazu beitragen, die Elektromobilität unters Volk zu bringen.

Das passt in die Energiewende

Denn der R5 ist kompakt und damit städtetauglicher als die meist sehr üppig geratenen E-Fahrzeuge. Zudem ist er – zumindest in den Top-Versionen − in der Lage, Strom wieder an Geräte oder ins Netz abzugeben – der Fachbegriff lautet bidirektionales Laden. Damit taugt er als integraler Bestandteil für Gebäudemanagement und damit als sinnvoller Baustein der Energiewende. Obendrein bietet Renault den R5 als eines der wenigen Elektroautos zu einem erschwinglichen Preis an. Einen Anteil daran hat der Automobilzulieferer Vitesco, der wichtige Elemente der Technologie für dieses Fahrzeug in Regensburg entwickelt hat.

Ende Februar hat Renault die Serienversion des neuen R5 auf dem Genfer Autosalon vorgestellt – so farbenfroh wie das historische Vorbild in den 70er Jahren es auch war. Ab Herbst soll das Modell verkauft werden – zu einem Grundpreis von rund 25000 Euro. Damit würde der Nachfolger des elektrischen Renault Zoe zu den günstigeren Elektrofahrzeugen zählen. Er soll die neue Mobilität in die Breite bringen, sagte Renault-Chef Luca de Meo.

Um entscheidende elektrischen Komponenten zu vereinen und das kostengünstig zu realisieren, ist Renault eine Entwicklungspartnerschaft mit Vitesco eingegangen. Dabei ist eine Hochvoltbox entstanden. Das Besondere: Sie kann alle Hochvolt-Komponenten in einem Gehäuse unterbringen.

Vitesco selbst verliert kein Wort darüber, dass seine Entwicklung im R5 verbaut wird. Dieses Schweigen ist in der Branche üblich. Bekannt und auch von dem Zulieferer selbst schon vor längerer Zeit vermeldet ist jedoch die genannte Entwicklungspartnerschaft für die genannte Hochvoltbox. Das lässt wenig Raum für Zweifel, dass nun der R5 das erste Serienmodell mit diesem Produkt ist.

Geringer Stromverlust beim Laden

Vitesco erklärt, das modular aufgebaute System mache das Laden, Wandeln und Verteilen von Strom im Elektroauto günstiger. Je nach Auslegung der Box integriere sie: das Ladegerät für Laden am Netz mit bis zu 22 Kilowatt Ladeleistung; einen Wandler, der die Hochspannung aus der Batterie ins Niederspannungsnetz (12 Volt) des Autos umwandelt; und die Leistungselektronik, welche die Hochvolt-Energie im Auto verteilt und bis zu 800 Volt Ladeleistung, also sehr schnelles Laden, erlaubt. Die Technologie verfüge über eine sehr hohe Ladeeffizienz von mehr als 95 Prozent. Es geht also sehr wenig Strom verloren, das spart Energie und Geld.

Weniger Bauraum und Gewicht

Ein weiterer Vorteil der Box: Sie ist laut Vitesco kompakter und leichter als wenn man, wie sonst üblich, die Bauteile separat ins Fahrzeug packt. Der Platzbedarf ist mit der Box um bis zu einem Viertel geringer, beim Gewicht ist der Einspareffekt ähnlich groß. Damit bleibt im Fahrzeug mehr Platz für Gepäck und Passagiere. Oder man kann das Auto kleiner bauen, mit weniger Materialbedarf, Gewicht und Energieverbrauch.

Im Fall von Renault ist die Technik bidirektional ausgelegt. Das bedeutet, dass das Auto auch Wechselstrom mit 230 Volt aus der Batterie bereitstellt. So können Autobesitzer den Speicher nutzen, um unabhängig vom öffentlichen Stromnetz elektrische Geräte anzutreiben, oder um den an der eigenen Photovoltaik-Anlage geladenen Strom gegen Bezahlung ins Netz einzuspeisen. Diese Funktion werde im Sinne des Netzmanagements künftig wohl wichtiger, sagen Experten. Bei Stromausfällen könnte das Auto die Versorgung des Hauses übernehmen.

Die Hochvolt-Box wird außer bei Renault künftig auch bei einem weiteren Hersteller eingebaut. Diesen Autobauer darf Vitesco aber ebenfalls noch nicht nennen.

Sound vom Synthie-Meister

Der R5 mit weniger als vier Metern Länge wird in Leistungsstufen von 70 kW/95 PS, 90 kW/120 PS oder 110 kW/150 PS auf den Markt kommen. Der Akku wird eine Kapazität von wahlweise 40 oder 52 kWh haben. Das reicht laut Renault für 300 bis 400 Kilometer Reichweite. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit Rücksicht auf die Reichweite auf 150 km/h limitiert.

2025 kommt auf Basis des R5 das erste Elektroauto der sportlichen Schwestermarke Alpine. Es soll mehr Leistung haben und auch mehr Tempo machen.

Ein Detail am Rande: Der R5 begrüßt seine Passagiere mit einem Jingle und er sendet bis Tempo 30 einen Warnton für Fußgänger aus – beides von erlesenem Sound. Komponiert hat das nämlich die für elektronischen Wohlklang weltberühmte Synthesizer-Legende Jean-Michel Jarre.

Die Hochvoltbox vereint mehrere elektronische Komponenten. Foto: Vitesco
Der französische Komponist und Produzent Jean-Michel Jarre hat dem R5 seine Töne gegeben. Foto: Stephane De Sakutin/afp/dpa