Null Tote und Schwerverletzte sind sein Ziel: Der Herr der 197 Regensburger Ampeln

Stefan Männicke und seine Mitarbeiter setzen Signale für mehr Sicherheit. Dafür bekommt die Abteilung Straßenverkehrstechnik im Regensburger Ordnungsamt jetzt einen Preis.
Derzeit können Radler nicht so zügig wie sonst von der Kumpfmühler Brücke nach rechts in die Fritz-Fend-Straße abbiegen. Dafür kann Stefan Männicke aber nichts. Eine Baustelle ist schuld. Prinzipiell aber ist Männicke durchaus verantwortlich dafür, wie gut die Regensburger über die Kreuzungen kommen. Der 57-Jährige ist als Leiter des Sachgebiets Straßenverkehrstechnik im Ordnungsamt zuständig für 197 Lichtsignalanlagen im Stadtgebiet. Jetzt bekommen er und sein Team eine Auszeichnung für ihren Einsatz für mehr Sicherheit; Anlass ist eine neue Rad-Querung.
Der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD) will Männicke und seinen Leuten am Samstag auf der Steinernen Brücke das goldene VCD-Bruckmandl überreichen. „Der Auslöser für diese Ehrung war schließlich die Einrichtung der diagonalen Radwegführung über die Kumpfmühler Kreuzung an der Friedenstraße“, schreibt VCD-Kreischef Wolfgang Bogie in der Einladung. Die bringe „sechs wichtige Sekunden sichere Radwegeführung, quer über eine Kreuzung, für eine stark frequentierte Hauptradrouten-Verbindung von Nord nach Süd, unter anderem mit viel Schüler- und Studentenverkehr“.„Das Team Straßenverkehrstechnik lebt damit die Idee ,Vision Zero’“, hebt Bogie hervor. Der Begriff steht für „null Verkehrstote, null Schwerverletzte“. Die Ampelanlage an der Kumpfmühler Kreuzung ist nur eine von einigen Knotenpunkten, die die Abteilung Straßenverkehrstechnik in den vergangenen Jahren umgestaltet hat.
Farbe und Spiegel sind die ersten Mittel
Eigentlich wollen Männicke und sein Team handeln, bevor es zu Unfällen kommt. An der Kreuzung Kumpfmühler Straße/Fritz-Fend-Straße ist ihnen das nicht gelungen. „Das ist uns noch nie passiert, dass uns etwas so davon gelaufen ist“, sagt der Ingenieur für Elektrotechnik. Ab 2016 häuften sich die Zusammenstöße, 2018 wurden dort drei Radler schwer verletzt. Das Muster: Radfahrer fuhren auf der Kumpfmühler Straße stadteinwärts, Auto- oder Busfahrer, die auch grün hatten, bogen trotzdem ab. Männicke sagt: Dass es immer öfter krachte, liege wohl einfach daran, dass immer mehr Regensburger Rad fuhren, und in den regenarmen Sommern damals besonders.
Männickes Leute hängten zuerst einen Spiegel auf, färbten die Radfahrerfurt in der Kumpfmühler Straße rot ein. „Das sind so die konservativen Dinge, die man macht.“ In dem Fall habe das aber gar nichts geholfen. „Die Unfallzahlen sind weiter gestiegen.“ So entschied sich die Abteilung, Radfahrern und rechtsabbiegenden Autofahrern jeweils eine eigene Grünphase zu geben. Das birgt auch Nachteile: Die Zeit, um über die Straße zu kommen beziehungsweise abzubiegen, halbierte sich für beide Parteien, von etwa 35 auf 17 Sekunden. „Wenn Sie die Sicherheit erhöhen, verlieren Sie die Leichtigkeit etwas.“ An Kreuzungen mit viel Radfahrverkehr funktioniere das. Denn wenn abbiegende Autofahrer wegen passierender Radler warten müssen, behindert das den Verkehrsfluss ebenfalls. Wo der Autoverkehr dominiert, etwa am DEZ, seien getrennte Grünphasen schwieriger umzusetzen, weil sie Staus provozieren oder verlängern können.
Bürger beschweren sich oft über Ampeln
Die anstehende Ehrung findet Männicke „ein bisschen ungewöhnlich“. „Wir machen halt unsere Arbeit“, das habe er so auch dem VCD gesagt. Männicke ist regelmäßig in Kontakt mit dem Club, genauso mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Der ADAC melde sich sehr selten, Regensburger Autofahrer täten das aber durchaus. „Vor allem geht es da um die grüne Welle.“ Radfahrer beklagten häufig, dass sie sich von rechtsabbiegenden Autofahrern gefährdet fühlten. Die Regensburger melden auch ausgefallene Lampen, defekte Taster, verdrehte Signale und Ähnliches. Insgesamt gingen bestimmt zehn Mails und genauso viele Anrufe pro Woche ein, sagt Männicke, 70 Prozent seien kritisch. Doch er sieht die Rückmeldungen als „ein unverzichtbares Instrument“.
Manches fällt ihm auch selbst auf, etwa wenn er zwischen März und November täglich aus dem Landkreis durch den Stadtosten zur Arbeit radelt. Es sei essenziell, dass Planer von Ampelanlagen vertraut seien mit allen Verkehrsträgern – und insbesondere die Perspektive von Fußgängern einnehmen, sagt er. Denn die seien die schwächsten Verkehrsteilnehmer und auch am schlechtesten organisiert.
Das Team
Mitarbeiter: Das Sachgebiet Straßenverkehrstechnik im Ordnungsamt hat 13 Mitarbeiter. Stefan Männicke leitet es seit 2003. Neben ihm arbeiten dort vier Verkehrsingenieure, zwei Elektromeister, fünf Elektroniker und ein Verwaltungsmitarbeiter.
Arbeit: Die Kreuzungen Fritz-Fend-Straße/Kumpfmühler Straße, Friedenstraße/Universitätsstraße, Hornstraße/Landshuter Straße, Odessa Ring/Landshuter Straße, Lilienthal-Straße/Kirchmeierstraße und Luitpoldstraße/Martin-Luther-Straße bekamen in den vergangenen Jahren sicherere Rechtsabbieger. An der Kumpfmühler Kreuzung gibt es eine neue Querung für Radler.
