Küchenchef im Gasthaus und Feinkost-Laden: Andreas Jäger (21) packt in Michelsneukirchen an

Ein Dorf stirbt zu einem großen Teil, wenn es kein Wirtshaus mehr gibt, ist Andreas Jäger überzeugt. Damit das in Michelsneukirchen (Lkr. Cham) nicht passiert, investiert er viel Arbeit, hat sehr früh Verantwortung und als 20-Jähriger die Leitung der Küche im Traditionslokal Jäger übernommen.
Das Konzept, auf Bewährtes zu setzen, aber auch neue Akzente zu setzen, wie vor kurzem mit der Eröffnung eines Feinkost-Ladens in der ehemaligen Metzgerei, geht bisher auf.
Eine theoretische Prüfung hat Jäger noch zu absolvieren, dann ist er einer der jüngsten Küchenmeister in Bayern. In den Beruf, oder in diesem Fall eher seine Berufung, ist er von klein auf reingewachsen. Schon als Kind hat er im elterlichen Betrieb mitgeholfen, „das hat mir immer schon total viel Spaß gemacht“, erzählt der 21-Jährige.
Nach der Schule folgte deshalb eine Ausbildung im Brunner-Hof in Arnschwang. „Ich habe dort total viel gelernt und bin sehr dankbar dafür“, unterstreicht er. Auch heute noch pflegt er sehr enge Kontakte mit der Familie Brunner, die ihn in vielen Bereichen unterstütze. Dies sei sehr wichtig, unter anderem, weil er in seinem Alter noch kein so großes Netzwerk habe aufbauen können.
Früh in der Verantwortung
Der eigentliche Plan nach der Ausbildung war, in der Schweiz zu arbeiten, dort hatte der 21-Jährige auch schon eine Stelle in einem Sterne-Haus. Doch das Schicksal machte dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. Durch die schwere Krankheit und den Tod seiner Mutter Erika im Juli vergangenen Jahres habe er entschieden, im Familienbetrieb in Michelsneukirchen einzusteigen. „Mir war sofort klar, dass die Küche jetzt meine ist und habe am nächsten Sonntag um 6 Uhr angefangen zu kochen“, blickt Jäger zurück. Den Betrieb aufzugeben sei keine Option gewesen, auch weil das Wirtshaus der gesellschaftliche Mittelpunkt Michelsneukirchens und ein wichtiger Treffpunkt für die Ortsvereine sei.
Der 21-Jährige will auf Bewährtes setzen, aber auch auf Neues. Manche Änderungen hätten sich nicht vermeiden lassen, erzählt er. So ist montags nun Ruhetag, von Dienstag bis Donnerstag nur abends geöffnet. Der Arbeitsaufwand wäre sonst zu hoch gewesen, sagt Jäger, zudem würde sich der Mittagstisch nicht rentieren. „Es gibt hohe Fixkosten, etwa für Strom, auch Personal muss vorhanden sein“, erläutert der angehende Küchenmeister. Voller Betrieb ist dagegen von Freitag bis Sonntag, wenn auch schon mittags gekocht wird. Das bedeute lange Arbeitstage, sagt Jäger, aber: „Wenn man dann in zufriedene Gesichter der Gäste schaut, weiß man, dass man nicht alles falsch gemacht haben kann.“
Familie ist eine große Hilfe
Und er betont, dass es ohne die große Hilfe der Familie nicht gehen würde: „Mein Vater, mein Bruder, meine Schwester, meine Freundin und noch mehr Verwandte und Freunde sind an jedem Wochenende da.“ Der familiäre Zusammenhalt mache es erst möglich, den Laden am Laufen zu halten. Personal könnte er außerdem gut gebrauchen, für alle Bereiche von der Küche über den Service bis zum Verkauf im neuen Feinkostladen. Der Fachkräftemangel sei aber zu spüren, so der 21-Jährige, der künftig auch Auszubildende einstellen möchte
Wer abends oder an den Wochenenden zum Essen kommen will, sollte reservieren, die Gaststube sei meist gut gefüllt, sagt Jäger. Das gilt um so mehr für die besonderen „Momente“, die das Gasthaus bietet. Zum einen gibt es die „Heimatmomente“, in denen Jäger auf Bewährtes setzt: Kesselfleisch und Ripperl-Abende mit Essen vom Büffet, im Sommer sollen auch Grillabende dazukommen.
Das komme ebenso gut an wie die „Genussmomente“. Dabei gibt es bei einem Menü „Bestes aus der Region, aber auch aus der ganzen Welt. Da sind dann auch mal ausgefallene Sachen dabei, oder Rezepte, die ich mir selber ausgedacht habe“, erzählt Jäger. Es gehe um „Essen mit Genuss“. Die Resonanz sei bisher hervorragend gewesen, freut er sich. Jäger will auch „Signature Dishes“ kreieren und setzt dabei unter anderem stark auf Wild, wovon er ein großer Fan ist.
Zu tun gibt es auch außerhalb der Küche sehr viel. So muss das Anwesen in Schuss gehalten werden, vor kurzem erst erfolgte ein Anbau an das Nebenzimmer und an der Hauptstraße. Mittelfristig soll auch die Pension renoviert werden, blickt Jäger voraus.
Feinkostladen mit regionalen Produkten eröffnet
Das neueste Projekt ist ein Feinkostladen in Zusammenarbeit mit dem Verein LandGenuss-Bayerwald in der ehemaligen Metzgerei, der am 1. März eröffnet wurde. Dort gibt es regionale Produkte, die es sonst größtenteils nur beim Bauern vor Ort zu kaufen gibt, erläutert der 21-Jährige.
Der Familienbetrieb stehe für Regionalität, betont er. Jäger verzichtet bewusst auf Ware, die es auch im Supermarktregal gibt. Die Kunden erwartet eine große Auswahl von Honig aus dem Ort, Kaffee und Tee aus Cham, Eier aus Mitterkreith, Angus-Fleisch aus Waldmünchen, Spirituosen aus Bad Kötzting sowie selbst gemachte Essige, Öle, Gewürze, Salze, Marmeladen und Aufstriche. Auch Fleisch, Wurst, Fisch und Käse sowie Wild vom örtlichen Jäger sind im Sortiment – alles aber nur zur Saison. Bei 90 Prozent der Lieferanten ist Jäger schon selbst gewesen, erzählt er, „daher weiß ich, woher es kommt und was dahinter steht.“ Eine große Auswahl gibt es an Weinen, die auch probiert werden können, erklärt Jäger.
Erste Resonanz sehr positiv
Die ersten Resonanzen seien sehr positiv gewesen, freut sich Jäger, der hofft, dass das Interesse der Kunden auch hoch bleibt, wenn die Anfangsneugierde etwas verflogen ist. „Aber ich bin zuversichtlich, dass das gut laufen wird“, zeigt sich der 21-Jährige auch in diesem Bereich optimistisch.
Öffnungszeiten
An drei Tagen offen: Der Feinkostladen in der ehemaligen Metzgerei der Familie Jäger in Michelsneukirchen ist mittwochs von 8 bis 13 Uhr, freitags von 8 bis 17 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr geöffnet.
Probieren möglich: Die Waren, die von kleinen Lieferanten aus der Region kommen, können zum größten Teil auch probiert werden.An drei Tagen offen: Der Feinkostladen in der ehemaligen Metzgerei der Familie Jäger in Michelsneukirchen ist mittwochs von 8 bis 13 Uhr, freitags von 8 bis 17 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr geöffnet.
Probieren möglich: Die Waren, die von kleinen Lieferanten aus der Region kommen, können zum größten Teil auch probiert werden.

