Organisatoren vermissen Wertschätzung: Berchinale in Berching steht zur Debatte

Von Bernhard Neumayer · 5. März 2024 um 05:00

Wie geht es mit der Berchinale weiter? Nachdem die jüngsten Auflagen des Lichtfestivals in Berching nur mäßig besucht waren, steht die Veranstaltung intern auf dem Prüfstand. Auch, dass ein Hauptakteur künftig nicht mehr mithelfen will, sorgt für Herausforderungen.

Denn die Coburger Firma co.inc, die die Stadt ab 2013 bei der Berchinale maßgeblich unterstüzte, ist nicht mehr an Bord. Das bestätigt Geschäftsführerin Nicole Krüger auf Anfrage unserer Zeitung. „Leider sahen wir wenig Wertschätzung seitens der Stadtakteure bei allen vergangenen Events“, teilt Krüger mit. Deshalb habe sie entschieden, nicht mehr mit der Stadt zusammenzuarbeiten.

Berchinale: Firma co.inc GmbH kritisiert die Stadt Berching

Die Stadt reagiert auf Nachfrage unserer Zeitung. Diese Kritik sei in den vergangenen Jahren zwar wahrgenommen worden. „Aber aufgrund von knappen personellen und zeitlichen Ressourcen in der Stadtverwaltung war eine andere Betreuung nicht zu leisten“, heißt es aus dem Rathaus.

Von ihrer Kritik nimmt Krüger ganz explizit Veronica Platzek vom Stadtmarketing aus. Platzek kümmerte sich seit 2019 auch um die Berchinale. „Platzek hat die letzten zwei Events hervorragend mit uns organisiert“, lobt Krüger.

Die Stadt hatte co.inc 2013 beauftragt, bei den folgenden Berchinalen zu helfen. Das damalige Konzept, das der Stadtrat verabschiedet hatte, sah einige Neuerungen vor im Vergleich zu den Veranstaltungen zuvor. Seit 2013 ging die Berchinale an neun statt drei Tagen über die Bühne. Statt ausschließlich Kunstobjekte wurden auch Fassaden in Szene gesetzt. Das Konzept zur Architekturbeleuchtung hat co.inc für die Stadt auch schriftlich zusammengefasst.

Gemeinsam mit dem Kulturbüro der Stadt konzipierte und setzte co.inc das damals neue Konzept des Lichtevents um. Jedes Mal wurde ein anderes Stadtviertel in Szene gesetzt. Immer am Start war auch Michael Müller, unter anderem Dozent für Lichtgestaltung und -planung an der Hochschule Coburg. Gemeinsam mit Studierenden baute er Lichtobjekte und schlug sich die Nächte um die Ohren, um die Illuminationen kurz vor der Berchinale aufzubauen und die Stadt ins richtige Licht zu rücken.

Der Dank dafür viel aus Müllers Sicht dürftig aus: „Ich habe von Seiten des aktuellen Bürgermeisters, der Stadt und des Stadtrates wenig Wertschätzung erhalten.“ Zudem habe er das Gefühl, dass die Berchinale bei den Bürgern nicht so richtig angenommen worden sei.

Diesen Eindruck bestätigt die Stadt: „Die Besucherzahlen nahmen im Vergleich zu den Jahren 2005 bis 2011 ab.“ Wobei früher Berchinale und Kanal im Feuerzauber noch als gemeinsame Veranstaltung über die Bühne gingen und dadurch auch mehr Besucher in der Stadt waren. In den vergangenen Jahren fanden die Veranstaltungen immer abwechselnd statt: in einem Jahr der Feuerzauber, im anderen Jahr das Lichtfestival.

Berchinale kostete der Stadt Berching 2022 rund 40.000 Euro

2005 hatte Bernhard Mann von der Akademie Licht die Berchinale ins Leben gerufen. Mehrere Jahre bis zu seinem Tod seien die Ideen von Mann mit Kanal im Feuerzauber ein gutes Modell gewesen, sagt die Stadt. Doch das neue Konzept ab 2013 ging bei den vergangenen Berchinalen nicht mehr wie gewünscht auf, gibt die Stadtverwaltung zu.

Die jeweils neuntägigen Veranstaltungen 2019 und 2022 haben nach Angaben der Stadt rund 40.000 Euro pro Berchinale gekostet. Inbegriffen waren unter anderem die Leihgaben der Lichtkunstobjekte, die Montageleistungen der temporären Fassadenbeleuchtung und die Leihgebühren für Strahler und Kabel.

Berchinale: Stadt Berching feilt an neuem Konzept für Lichtfestival

Dass kulturelle Angelegenheiten seitens der Stadt Berching auch zukünftig Bestand haben sollen, werde in der kommenden Haushaltsberatung beraten und mit einem Haushaltsansatz beschlossen, teilt die Stadt mit. „Die Berchinale soll nach aktuellen Ideen den zweijährigen Turnus behalten und 2025 mit einer Neuauflage geplant und durchgeführt werden“, teilt die Stadtverwaltung mit. Die ersten Kontakte zu neuen Lichtpartner seien geknüpft, eine neue Konzeptionierung sei in Arbeit.

Die Fassadenbeleuchtung sei prinzipiell nach dem Rotieren von Stadtviertel zu Stadtviertel abgeschlossen, sodass man beispielsweise Fassaden auch mit bunten Projektionen besonders in Szene setzen möchte, heißt es weiter.

Die Stadtverwaltung teilt mit außerdem mit: „Dass es nun zu einer weiteren Neukonzeptionierung kommen wird, bringt das Berchinger Lichtfestival, die Berchinale, auf eine neue Ebene.“