Das AQACUR in Bad Kötzting spart künftig nicht nur Energie, sondern auch jede Menge CO2

Stefan Schmid und sein Mitarbeiter im Planungsteam PTS aus Blaibach, Michael Graßl, haben im Moment ein „nicht ganz kleines Projekt“ unweit ihrer Heimat am Laufen: Es gilt, die Bade- und Saunawelt AQACUR unabhängiger von Stromlieferungen zu machen. Die geeigneten Dachflächen sind schon fast fertig.
Auch wenn beim Bau des AQACUR Anfang des Jahrtausends Photovoltaik auf dem Dach noch kein Thema gewesen sei, habe sich die Ausrichtung der Dächer als optimal erwiesen, sagt Graßl. Da das Gebäude erst gut 20 Jahre alt ist, habe es auch keine Probleme mit der Statik gegeben. Bereits Ende März sollen die Arbeiten auf den Dächern abgeschlossen sein.
1,2 Millionen Stromkosten
Doch damit sei die Anlage natürlich noch nicht angeschlossen, wissen die beiden, wie auch Geschäftsführer Karl-Heinz Lummer. Gerade Letzteren plagten die um das 3,5-fach gestiegenen Stromkosten seit dem vergangenen Jahr sehr – über 1,2 Millionen Euro zahlt die Einrichtung aktuell pro Jahr, was noch im Jahr zuvor 300 000 Euro gekostet hatte. Doch noch bis Ende 2025 sei das AQACUR an den aktuellen Stromliefervertrag gebunden, sagt Lummer.
Gemeinsam mit dem Planungsbüro Schmid sei in den vergangenen Monaten aber nicht nur der Bau von drei Photovoltaik-Flächen geplant worden (siehe Info), sondern auch untersucht worden, wo im AQACUR noch Strom gespart werden könne. Ein Punkt sei da die Beleuchtung gewesen, sagt Stefan Schmid.
„Wir haben fast 600 Lampen und damit rund zwei Drittel aller Leuchtmittel ausgetauscht“, sagt Michael Graßl. Auf diese Weise würden rund 60 Prozent der Stromkosten für die Beleuchtung eingespart, was alleine rund 70 000 Kilowattstunden (kWh) seien. Oder „rund 675 Tonnen an CO2“, wie Schmid noch anfügt – Ein Effekt, der sich auch in der Umweltbilanz bemerkbar mache. Wie hoch die Einsparung ist, das zeigt auch ein Blick auf den Verbrauch eines durchschnittlichen Einfamilienhauses, den die Experten mit 3000 kWh pro Jahr angeben. Die Leuchtmittel seien übrigens die einzige Maßnahme, die auch gefördert worden sei.
Weitere Sparpotenzial
Sparpotenzial haben die Experten aber auch woanders gefunden, nämlich in der Anlage, die Wasser in den Rutschenturm pumpt. Die lief bislang ab dem ersten bis zum letzten Gast am Tag mit einer Leistung von 30 kWh, „die neue wird im Mittel eher 17 bis 18 kWh brauchen“, sagt Graßl, und auch das nur, wenn auch wirklich gerutscht werde. Hört sich als nicht viel an, mache im Jahr aber weitere 53000 kWh Ersparnis oder 465 Tonnen CO2 aus. Mit Verweis auf die Bäume, die für die PV-Anlage auf der Liegewiese und für die Überdachung des Parkplatzes gefällt werden mussten, rechnet Schmid vor, dass „die weniger CO2 eingelagert hätten“. Keine Begründung dafür, Bäume einfach zu fällen, aber eine Erklärung, die Sinn mache.
Der Parkplatz werde wohl ab Juli überdacht werden, schätzen Schmid und Graßl. Geplant sei eine Stahl-Konstruktion, die sich entlang der mittleren Reihe und etwa bis zur Hälfte des Parkplatzes vom Eingang in Richtung Rutsche erstrecke. Auch wenn dafür Bäume weichen mussten, habe es neben der von der Sonne erzeugten Energie den weiteren positiven Effekt, dass in der mittleren Reihe auf beiden Seiten und auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls überdacht geparkt werden kann.
Wenn die Anlage etwa Mitte des Jahres auch in Betrieb gehen könne – zuvor müsse noch ein Trafogebäude wie auch ein Batteriespeicher gebaut und die Verkabelung fertiggestellt werden, dann solle es aber noch nicht vorbei sein mit den Arbeiten am AQACUR. Um noch weiter Strom zu sparen, werde auch in den folgenden Monaten weiter untersucht, wo der Verbrauch der Einrichtung weiter optimiert werden könne. Der Geschäftsführer formuliert das Ziel so: Von jetzt 1,2 Millionen Euro Stromkosten im Jahr würde er gerne auf ungefähr 500 000 Euro im Jahr herunterkommen – mit positiven Umwelt-Effekten.
In Zahlen
Kosten: 3,7 Millionen Euro (netto) – Förderung: keine
Flächen: 1500 Quadratmeter Dachfläche, (330 kWp), 2100 Quadratmeter Liegewiese (350 kWp) und 2300 Quadratmeter Parkplatz-Überdachung (350 kWp) – insgesamt rund 1 Megawatt Leistung.
Batteriespeicher: Mit 4,5 Metern Länge, 2,5 Metern Höhe und einer Breite von zwei Metern nimmt der Batteriespeicher für die Anlage ungefähr die Dimension eines Schiffscontainers ein, der mit 1200 kWh 500 Haushalte einen Tag versorgen könnte.
