Projekt für politische Bildung in Furth im Wald erhält einen Jugendarbeitspreis

Von Alexander Frimberger · 1. März 2024 um 11:00

Melanie Neumann ist Lehrerin an der Berufsfachschule für Kinderpflege am Pädagogischen Bildungszentrum Furth im Wald (PBZ). Sie unterrichtet unter anderem Politik. Es fehlt etwas, war ihr aufgefallen und sie wurde selbst aktiv.

„Ich wollte mit meinen Schülern schon bei der letzten Bundestagswahl an sogenannten U18-Wahlen teilnehmen“, sagt die engagierte Lehrerin. Dabei wird für Kinder und Jugendliche ein möglichst genauer Gang zur Urne nachgespielt. Doch im Landkreis und auch in der Region darüber hinaus gab es ein solches Angebot nicht. „Also habe ich mir gesagt, mach es selbst.“

Werwölfe und Demokratie

Isabella Weiß, Schulleiterin der Berufsfachschule für Kinderpflege, ist froh über dieses Engagement ihrer Lehrerin. „Für ältere Generationen mag der Vorgang selbstverständlich klingen, aber viele Kinder und Jugendliche werden da erstmals dazu aufgefordert, sich bewusst und aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen.“ Fragen wie „Warum gehe ich zur Wahl?“ und „Wen wähle ich?“ stünden im Raum.

Der erste Versuch so einen U18-Wahltag für die breite Öffentlichkeit durchzuführen scheiterte an den Corona-Beschränkungen, erklärt Neumann. Für den zweiten Versuch hat man sich als strategischen Partner den Verein Further Kultwerkstadt mit ins Boot geholt. „Wir waren sofort begeistert von der Idee“, sagt Jugendbeauftragte Laura Pongratz, die mit zwei Kollegen das Rahmenprogramm für den Tag gestaltet hat. Neben verschiedenen Bastel- und anderen Angeboten stand das Spiel „Werwölfe im Düsterwald“ auf dem Tagesprogramm. Wenn man das Spielprinzip kennt, weiß man, dass es sehr viel mit Demokratie zu tun hat. Kurze Einführung: Der Werwolf erwacht jede Nacht und tötet Menschen in einem Dorf. Im Anschluss daran muss durch geschicktes Fragen und Taktieren, aber auch durch die Fähigkeit zu lügen und andere zu beeinflussen, unter den Mitspielern herausgefunden werden, wer Werwolf und wer unschuldiger Mensch ist. Die Entscheidung wird nach dem demokratischen Mehrheitsprinzip gefällt.

Es wurde auf verschiedenen Kanälen die Werbetrommel gerührt, so dass am 23. September 2023 rund 80 Kinder und Jugendliche aus dem ganzen Landkreis ins PBZ kamen, um an der anstehenden Landtagswahl in Bayern probeweise teil- zunehmen. Neben dem Programm gab es auch den realistisch simulierten Gang zur Wahlurne. Dafür stehen leicht modifizierte Wahlzettel für die Erst- und Zweitstimme zur Verfügung. Der Bezirksjugendring Oberpfalz hat jetzt für diese Idee den mit 500 Euro dotierten 2. Platz des Jugendarbeitspreises vergeben. In der Laudatio heißt es: „Den Jugendlichen im Landkreis Cham wurden nicht nur grundlegende politische Kenntnisse vermittelt, vielmehr wurden sie dazu angeregt sich eigenständig und kritisch mit Politik auseinanderzusetzen. Ein ansprechendes Rahmenprogramm begleitete in hervorragender Weise die U18-Wahl.“ Außerdem hob die Jury in ihrer Urteilsbegründung hervor, dass das Wahllokal Furth das einzige im Landkreis Cham war. Es sei ein Novum: „Nie zuvor gab es die Gelegenheit, dass Jugendliche im Landkreis Cham öffentlich ein Wahllokal besuchen.“ Umso wichtiger sei der Einsatz, denn: „Besonders in der heutigen Zeit ist es unerlässlich, immer wieder für unsere Demokratie zu werben und einzustehen. “

Nächste Aktion geplant

Ein Ergebnis des Wahlausgangs wird nicht veröffentlicht. Aber Neumann kann sagen, dass es sich stark an den Wahlergebnissen der Erwachsenen orientiert. Das Fazit der Veranstalter ist positiv. Neumann: „Ich habe den Eindruck, dass politische Bildung schon etwas bewirkt.“ So bekommen die Jugendlichen Informationen, zu denen sie sonst keinen Zugang haben. Im Nachgang hätten alle gesagt: „Jetzt wissen wir mehr.“ Die Gewinnsumme wird größtenteils wieder für ein ähnliches Thema eingesetzt. Im Juni sind Europawahlen. In Zusammenarbeit mit Karin Stelzer vom Europe Direct Informationszentrum will man da was organisieren. „Wir wollen das Thema Europa in den Mittelpunkt stellen“, so Pongratz. Warum die EU und die Wahl wichtig sind, soll den Jugendlichen, die ja erstmals schon mit 16 wählen dürfen, vermittelt werden. Infos und Spaß, lautet die Devise.