Vorzeigeschule in Furth im Wald will weiter wachsen – Nachfrage ist riesengroß

Von Alexander Frimberger · 29. Februar 2024 um 11:00

Kommen Bürgermeister Sandro Bauer oder Landrat Franz Löffler auf das Pädagogische Bildungszentrum (PBZ) in Furth im Wald zu sprechen, geraten sie ins Schwärmen. Von einem Vorzeigeprojekt ist da die Rede. Was macht die Einrichtung so besonders?

Antworten darauf hat Manuela Schambeck, eine der beiden Schulleiterinnen. Erst im vergangenen Jahr wurde die Schule vom Status „staatlich genehmigt“ auf „staatlich anerkannt“ hochgestuft. Ein gewaltiger Unterschied. „Jetzt dürfen wir Prüfungen selbst abnehmen und im Gegensatz zu früher zählt auch die Jahresfortgangsnote.“ Die Note also, die während des Schuljahres in einem Fach erreicht wurde. Ein gewaltiger Unterschied, aber beileibe nicht der einzige Faktor. „Viel macht das Gebäude aus. Es ist total schön, wir sind eine kleine Schule, alles ist sehr familiär.“

Mehr Klassen geplant

Trotzdem drücken derzeit 182 angehende Erzieherinnen und Kindergärtnerinnen zwischen 18 und 50 Jahren die Schulbank. Und es könnten ab dem kommenden Schuljahr noch einmal rund 20 Neue dazukommen. Angedacht ist, den Ausbildungszweig, der unter anderem für Abiturienten und diejenigen, die bereits eine einschlägige Berufserfahrung haben, zu erweitern. Weil die Nachfrage so hoch ist und die derzeitige Klasse bereits aus allen Nähten zu platzen droht, will man laut Schambeck bei dieser dreijährigen Ausbildungsform zweizügig werden. Das würde bedeuten, dass man weitere Räumlichkeiten braucht. Gespräche, bestätigt auch Bürgermeister Sandro Bauer, laufen bereits. Entscheiden müssen das allerdings der PBZ-Träger, die Volkshochschule Cham, sowie Löffler.

Warum der Ansturm auf diesen Ausbildungszweig so groß ist, erklärt sich aus den Vorteilen, die man genießt. Zum einen kommen alle Schüler der drei- und vierjährigen Ausbildung in den beiden Schuljahren in den Genuss von Meisterbafög, das im Anschluss nicht zurückgezahlt werden muss. Während das wohl auch für andere Schulen dieser Art gilt, gibt es in Furth im Wald ein beinahe Alleinstellungsmerkmal: „Während der zwei Schuljahre müssen vier dreiwöchige Praktika absolviert werden. Zwei davon im Ausland.“ Irland, Portugal, Spanien oder auch Griechenland stehen auf der Angebotsliste. „Das kostet die Studierenden keinen Cent, sie haben außerdem ein Budget zur Verfügung, aber sie müssen vom Flug bis zur Unterkunft alles selbst organisieren“, erklärt Schambeck. Viele andere Einrichtungen können oder wollen dieses Erasmus-Plus-Angebot nicht nutzen. „Auch bei uns ist das nur möglich, weil wir höchst engagierte Lehrer haben und die VHS, die uns tatkräftig unterstützt.“

Auch die Vorbereitungen auf den Auslandsaufenthalt sind besonders. „Es gibt einen Sprach- und einen Selbstverteidigungskurs und Unterricht in Landeskunde und -kultur“, so die Schulleiterin. Und bevor die erste Schülerin im Flieger sitzt, hat Lehrer Christian Liegl bereits die Lage vor Ort gecheckt. Er sieht sich um und spricht mit den Partnern im jeweiligen Land. Weiterer Mehrwert: „Die Praktikanten bringen Erfahrungen und Erlebnisse sowie Gelerntes mit in den Unterricht. Das ist wertvoll für deren Entwicklung aber auch innerhalb des Unterrichts.“

Diese moderne Form der Ausbildung aber auch die attraktiven Verdienstmöglichkeiten für Erzieher haben dazu geführt, dass sich auch immer mehr männliche Bewerber in die Anmeldungslisten eintragen. Derzeit sind es circa 20 Prozent. Die kommen teilweise aus ganz anderen Berufen. So hat sich ein ehemaliger Spanungsmechaniker dazu entschlossen, Erzieher zu werden. „Für Bewerber aus fachfremden Berufen ist das möglich, wenn sie ein 200-stündiges Praktikum in einer geeigneten Einrichtung vorweisen können.“

Wichtig für die Region

Schambeck atmet tief durch, sie und ihr engagiertes Kollegium könne und wolle immer noch mehr machen, „aber irgendwann geht es halt nicht mehr.“ Trotzdem wird immer wieder Neues angeschoben: „Unser Lehrerkollegium arbeitet gerade zusammen mit Kollegen aus fünf anderen Ländern an einem Konzept zur Weiterbildung in bestimmten Fachgebieten.“ Traumabewältigung ist da nur eines von vielen Themen. Aber nicht nur das PBZ in Furth im Wald ist eine gefragte Einrichtung. Auch die Absolventen, viele von ihnen bleiben in der Region, sind heftig umworben. „Im Gegensatz zu anderen Landkreisen musste zum Beispiel noch kein Kindergarten aufgrund von Personalmangel eine Gruppe schließen.“

Die Ausbildung

Am PBZ gibt es zwei Ausbildungszweige. Mit Realschulabschluss dauert sie vier Jahre, beginnt mit einem sozialpädagogischen Einführungsjahr, gefolgt von zwei Schuljahren und einem Berufspraktikum. Bei Abiturienten und mit vorheriger Ausbildung fällt das erste Jahr weg. Nach der Ausbildung kann man an der Fachhochschule studieren, mit einem Notendurchschnitt unter 1,5 sogar an der Uni. Am PBZ ist außerdem eine Berufsfachschule für Kinderpflege untergebracht. Sie dauert zwei Jahre. Zugangsvoraussetzung: Mittelschulabschluss.

Das PBZ ist in der ehemaligen Knabenschule untergebracht.