22 Prozent mehr als noch 2023: Fernwärme in Schwandorf wird deutlich teurer

Mehr als 1000 Fernwärmekunden in Schwandorf müssen sich ab 1.April auf deutlich steigende Preise einstellen. Bei gleichem Verbrauch bezahlt eine Familie, die Fernwärme bezieht, in diesem Jahr durchschnittlich 320 Euro mehr als noch 2023.
Wie Werkleiter Walter Zurek im Schwandorfer Werkausschuss informierte, orientiert sich der Fernwärmepreis grundsätzlich am sogenannten Wärmeenergie-Index, den das Statistische Bundesamt Jahr für Jahr ermittelt. 2023 aber ist dieser Wert deutlich angestiegen. Für die Kunden ergibt sich daraus eine Erhöhung des Fernwärmepreises um mehr als zehn Prozent oder 5,16 Euro netto pro Megawattstunde. Im Jahr zahlt ein Kleinanschließer schon allein damit 140 Euro mehr als 2023.
Ein Einmaleffekt wirkt sich aus
Ein Einmaleffekt kommt 2024 noch dazu. Denn laut Zurek erhöht sich nach dem Auslaufen der Gaspreisbremse zum 31. März die Mehrwertsteuer wieder von den ermäßigten sieben auf den Regelsatz von 19 Prozent. Beide Faktoren zusammengerechnet, zahlen die Familien, die Fernwärme beziehen, pro Monat 27 Euro mehr als noch 2023. Auf das Jahr hochgerechnet, ergibt sich bei gleichem Verbrauch also ein Kostenanstieg von 320Euro. Für die Kunden sei das „nicht erfreulich“, räumte Zurek ein. Im Vergleich zu fossilen Energieträgern bleibe die Fernwärme trotzdem günstig.
Das Ende der Fahnenstange ist bei den Preisen aber noch nicht erreicht, denn auch die CO2-Abgabe, die das Schwandorfer Müllkraftwerk als Fernwärme-Lieferant bezahlen muss, wird laut Zurek in die Kosten eingepreist werden. „Das wird voraussichtlich im Jahr 2025 zum Tragen kommen“, so der Werkleiter.
In welchem Umfang, ist noch unklar. Denn der Liefervertrag mit dem Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) läuft laut Zurek zum 31.März aus. Bis zu einem neuen Vertrag müssen nach seinen Worten noch einige Interessen abgestimmt werden. Bei einem Spitzengespräch am 15.März mit Vertretern des Zweckverbands, der Stadt Schwandorf und der Nabaltec soll es um ein Gesamtkonzept für die Strom- und Wärmelieferungen gehen.
Fernwärme bleibt ein Erfolgsmodell
Betriebswirtschaftlich befindet sich nach den vorgelegten Zahlen die Städtische Fernwärmeversorgung weiter auf Erfolgskurs. Nach der vorläufigen Bilanz für 2023 rechnet Zurek mit einem Jahresgewinn von knapp 600.000 Euro. Geplant war nach seinen Worten lediglich ein Plus von 214.600 Euro. „Im Endeffekt hat sich der Gewinn verdreifacht“, so der Werkleiter. Auch bei der Städtischen Wasserversorgung gab es 2023 einen positiven Effekt: Gegenüber den Planungen dürfte sich das Jahresdefizit um rund 200.000 Euro auf dann 300.000 Euro verringern. Die Eigenkapitalquote der Städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung liegt laut Zurek bei rund 50 Prozent – ein Wert, von dem viele Betriebe nur träumen dürften.
Für das Jahr 2024 rechnet der städtische Eigenbetrieb bei der Fernwärme mit einem Jahresüberschuss von rund 200.000Euro. Geplant ist eine Erweiterung des Fernwärmenetzes in mehreren Straßenzügen, außerdem sollen 45 weitere Hausanschlüsse im bestehenden Netz errichtet werden. Derzeit liegen über 350 zusätzliche Anträge für einen Anschluss vor, wie Zurek berichtete. Bei der Wasserversorgung kalkuliert der Werkleiter 2024 wegen der Erhöhung der Wassergebühren mit einem Plus von rund 300.000 Euro.