Volker Busch kennt den Ausschaltknopf für das Kopfkino

Von Robert Torunsky · 29. Februar 2024 um 05:00

„Kopf hoch!“ – der Neurowissenschaftler aus Regensburg untersucht in seinem neuen Buch das mentale Immunsystem. Die Deutschland-Premiere bei Bücher Pustet am Mittwochabend war restlos ausverkauft.

Volker Busch ist leidenschaftlicher Arzt, wurde als Vortragsredner unter anderem „Speaker des Jahres 2021“ und schaffte es mit seinem ersten Buch „Kopf frei!“ in die Spiegel-Bestellerliste. Am Mittwochabend präsentierte der Professor, der an der Klinik für Psychiatrie der Uni Regensburg forscht, sein neues Buch „Kopf hoch!“. Die Lesung war schon lange vorab restlos ausgebucht.

Herr Professor Busch, Sie präsentierten gestern Ihr Buch, das am 1. März in den Handel kommt. Wie entstand die Idee?

Volker Busch: Durch die Krisenfolgen war ich klinisch beschäftigt mit den Gedanken und Gefühlen der Menschen, die sich Sorgen machen um die Zukunft. Dadurch ist ein Buch über Zuversicht entstanden, es geht um das, was wir brauchen, damit in unsere Psyche in diesen etwas unruhigen Zeiten stark und stabil bleibt.

Die Thematik ist ja Ihr tägliches Geschäft, oder?

Busch: Genau – und deswegen hat es mir unheimlich Freude bereitet, darüber zu schreiben. Ich habe mir darum sehr viel Zeit genommen, über ein Jahr.

Hat auch der große Erfolg Ihres Erstlingswerk Sie beflügelt?

Busch: Ja, klar, das motiviert einen schon. Prinzipiell habe ich schon immer gern geschrieben und wenn man sich ein paar Monate in ein Thema vertiefen darf, ist das schon etwas Tolles. Zumindest wenn man ungestört ist und nicht zig 1000 andere Aufgaben parallel machen muss. Darüber hinaus ist das Thema auch sehr zeitgemäß – gerade weil sich in letzter Zeit politisch und wirtschaftlich sehr viel Unruhe ergeben hat. So habe ich – sei es durch meine Patienten in der Ambulanz oder durch die Geschehnisse in der Welt – immer neues „Futter“ erhalten. Aber ich gebe gern auch zu, dass mit dem Schreiben ein gewisser Druck verbunden war.

Von Seiten des Verlages?

Busch: Der erhofft sich natürlich schon, dass das Nachfolgewerk genauso erfolgreich wird – mindestens (lacht)! Aber das hat man natürlich nie in der Hand. Ich habe mir jedenfalls sehr viel Mühe gegeben, es so berührend und so leicht wie möglich zu gestalten. Und ich hoffe natürlich sehr, dass es von meinen Leserinnen und Lesern angenommen wird.

Das Buch thematisiert das mentale Immunsystem. Ist dessen Leistungsfähigkeit angesichts vieler Krisen wichtiger denn je?

Busch: Das kann man in der Tat so sagen. Wie das körperliche Immunsystem im Winter etwas geforderter ist, so verhält es sich auch mit dem mentalen Immunsystem. Es gibt derzeit einfach viele „psychische Krankheitserreger“ um uns herum, die uns belasten, und die unser Herz und Hirn mit schlechten Nachrichten, Pessimismus und Zukunftssorgen infizieren. Unsere Psyche muss hiergegen tagtäglich verteidigt werden. Das Buch behandelt, wie wir das mentale Immunsystem vor diesen Infektionen schützen und es gleichzeitig stärken im Abwehrkampf gegen das Schlechte.

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Wie kann man sich angesichts der Informationsflut vor negativen Einflüssen schützen? Geht das überhaupt?

Busch: Auf der einen Seite wollen wir informiert sein und wissen, was in der Welt vor sich geht. Das ist wichtig. Es geht also nicht darum, sich komplett zu verbarrikadieren und den Fernseher vom Balkon zu schmeißen. Der Informationskonsum muss stattdessen so gestaltet werden, dass er uns nicht überfordert. Wie lerne ich, die richtigen Quellen zu nutzen? Wo ist die Grenze des gerade noch gesunden Konsums? An welchen Zeitpunkten des Tages wäre vielleicht Verzicht angebracht? Die Aufmerksamkeit sollte außerdem wieder auf das Gute im Leben gerichtet werden und man sollte sich vom „Immerschlimmerismus“ in der Welt nicht verrückt machen lassen, das halte ich für ganz wichtig. Wir sollen abends kein Kopfkino haben, sondern zur Ruhe kommen und schlafen können. Ich verrate im Buch den Ausschaltknopf für das Kopfkino und gebe viele Praxisstrategien an die Hand – humorvoll und leicht, denn das Thema ist schon schwer genug.

Wie kann ein Ansatz aussehen?

Busch: Laut neuesten Untersuchungen schießen dem Menschen am Tag mehr als 6000 Gedanken durch den Kopf, viele davon sind negativ. Wenn wir sie nicht mehr abstellen können, entsteht Grübeln. Das kostet nicht nur Energie und Kraft, sondern führt auch zu nichts. Man sagt: „Grübeln ist wie Schaukeln. Man bewegt sich, kommt aber nicht vorwärts.“ Ein Kapitel, handelt davon, wie man in der Natur, durch bestimmte Dinge, die wir machen, den Kopf ausschalten kann. Es geht darum, wie man einer Denkvergiftung entgegenwirkt. Denn zu viel Denken kann ein lähmendes Gift sein, so ähnlich wie Botox. Man sieht nur leider nicht jünger aus (lacht).

Ist die passende Strategie auch eine Typfrage?

Busch: Ja, jeder geht unterschiedlich mit Belastungen des Lebens um. Eine besonders wirksame Strategie ist beispielsweise Humor. Durch ihn finden wir zu Leichtigkeit und Lockerheit zurück. Viele Leuten fehlt zurzeit diese Leichtigkeit. Als Folge der Reizüberflutung sind sie sehr dünnhäutig und angespannt. Sie empören sich schnell über Kleinigkeiten, sind dauererregt. Dabei kann Humor helfen, einen Schritt zurückzutreten und anders auf die Angelegenheit zu schauen. Durch Humor wechseln wir nämlich die Perspektive. Wichtig ist, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Gerade in Krisen sollte man sich in selbstfreundlicher Weise begegnen. Am Ende, im Nachhinein, kann auch das Schreckliche etwas Komisches beinhalten. Man sagt ja nicht umsonst: Humor ist Tragik plus Zeit. Und wenn man weiß, dass die meisten Dinge uns in der Zukunft ein Lachen abringen werden, kann man es auch gleich tun – und lachen.

Wie finden Sie selbst zur Ruhe? Hat sich Ihr hoher Schokoladen-Konsum verändert?

Busch: Nein, der ist nach wie vor ein stabiler Faktor für meine Psyche. Welchen Sinn soll das Leben ohne Schokolade und Rotwein haben (lacht)? Ich gehe nach wie vor auch sehr viel in die Natur und wandere, schalte dabei wunderbar ab und versuche, aktiv zu bleiben. Handeln ist das beste Mittel gegen Hadern. Das gilt nicht nur für jeden Einzelnen, sondern auch für uns als Gesellschaft.