Elektrogeräte: Das Recht auf Reparatur kommt – aber was haben die Verbraucher davon?

Von Bernhard Fleischmann · 26. Februar 2024 um 17:00

Verbraucher sollen ein Anrecht erhalten, dass ihre kaputten Elektrogeräte repariert werden können. Wir haben Elektrobetriebe in Ostbayern befragt, ob das den Kunden und der Umwelt nützt. Das Echo ist geteilt.

Auf EU-Ebene soll ein sogenanntes Recht auf Reparatur für Verbraucherinnen und Verbraucher eingeführt werden. Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten haben sich vor kurzem darauf geeinigt, dass Hersteller bestimmter Produkte wie Kühlschränke, Staubsauger und Handys diese künftig auf Wunsch reparieren müssen. Es werde erstmals einen Rechtsanspruch auf Reparatur bei sogenannter weißer Ware – darunter fallen vor allem Haushaltsgeräte – und typischen Alltagsprodukten wie Smartphones eingeführt. Die Regeln sollen auch dem Umweltschutz dienen.

„Zwei Seelen schlagen in meiner Brust“

Eine schöne Idee, analysiert Gerhard Gröschl. Er ist Obermeister der Elektroinnung Regensburg und führt einen Betrieb in Lappersdorf (Landkreis Regensburg). Grundsätzlich sei er sehr für die Schonung von Ressourcen und für Reparaturen. „Doch es schlagen zwei Seelen in meiner Brust.“ Gröschl geht seine Argumentation grundsätzlich an: Auf der einen Seite stehe ein Recht, dem zwingend gegenüber eine Pflicht; und zwar die zur Reparatur (beim Handwerk) und die der Bezahlung (wahrscheinlich bei der Industrie). Und hier lauerten ungeklärte Probleme. Deswegen: „Aus dem Handwerk kommt diese Initiative nicht.“

Gröschl fürchtet die Bürokratie, die damit einhergehen dürfte: „Das zieht einen Rattenschwanz hinterher.“ Das Handwerk sei der seit Jahrzehnten zunehmenden Bürokratie ohnehin schon mehr als überdrüssig.

Lieber ins Reparatur-Café?

Hinzu kommt: Es sei fraglich, bei welchen Geräten sich eine Reparatur lohnt. PCs, Kaffeemaschinen, Bügeleisen fielen da schon mal raus. „Bügeleisen sind schneller hergestellt als repariert.“ Bei einer gewöhnlichen Reparatur schlage eine Stunde mit 65 bis 70 Euro zu Buche, rechnet Gröschl vor. Damit ist der Neupreis vieler Geräte schon übertroffen. Hierfür kämen allenfalls Reparatur-Cafés infrage, die für diese Fälle eine sehr gute Alternative seien.

200 Euro Kosten schnell erreicht

Bei Waschmaschinen etwa ist die Lage etwas anders. Billige Exemplare gibt es ab etwa 400 Euro, hochwertige kosten eher gut 1000 bis 2000 Euro. Doch hier könne der Handwerker durchaus 100 bis 120 Euro pro Stunde veranschlagen. „Waschmaschinen sind heute kompliziert“, sagt Gröschl, da müssten Spezialisten ran. Mit Anfahrt und gegebenenfalls Ersatzteil, etwa einem Faltenbalg, sind schnell 200 Euro erreicht, rechnet Max Schuller vor. Er führt das Elektrofachgeschäft EP Schuller in Neutraubling. Hat die Maschine dereinst nur 400 Euro gekostet und ist vier Jahre alt, dann ist der Zeitwert überschritten – Schrott. Solche Geräte stapelten sich bei den Entsorgern.

Schuller erhofft sich vom Recht auf Reparatur einen Schub für höherwertige und ressourcenschonendere Geräte. Denn bei ihnen lohne sich eine Instandsetzung. „Wir müssen endlich nachhaltig leben“, sagt Schuller, deswegen sieht er die EU-Initiative sehr positiv.

Gleichwohl, mehr Geräte werde er auch in Zukunft kaum reparieren, denn: Die hochwertigen Maschinen gingen kaum kaputt, die billigen schon, würden aber sogleich weggeworfen. Schuller leitet daraus einen Anreiz ab, künftig die besseren Geräte zu kaufen.

Wichtig ist ihm wie auch Gröschl, dass die Maschinen oder auch Smartphones reparaturfreundlicher designt werden. Gerade klassische Verschleißteile wie Akkus sollten mit herkömmlichem Werkzeug tauschbar sein – und das Innenleben von Waschmaschinen nicht dermaßen verbaut, dass ein Monteur nur mit Schlangenarmen und achtgliedrigen Fingern an die kaputten Teile herankommt. Das sieht auch Kollege Josef Schmalzbauer so, der einen Elektrofachbetrieb in Pettendorf (Lkr. Regensburg) betreibt.

Geräte mit guter Qualität kaufen

Schuller appelliert an die Verbraucher, nachhaltiger zu kaufen, denn „billig lohnt sich oft nicht“. Gröschl ist skeptisch, dass die Kunden so reagieren. Schmalzbauer sagt, er verkaufe sowieso nur noch Geräte, die wegen ihrer Qualität auch reparabel sind.

Hinzu kommt, dass es den nachhaltig denkenden und zahlungswilligen Kunden im Ernstfall schwerfallen könnte, jemanden zu finden, der ihnen eilig ihre Maschine repariert. Eben wegen der Wegwerfmentalität sind die Reparaturbetriebe fast ausgestorben. Gröschl schätzt, dass in Regensburg maximal 15 Betriebe Hausgeräte instand setzen. Das werde kaum besser, es fehlten einfach die Fachleute. Auch Schmalzbauer fallen fast keine weiteren Betriebe ein, die noch reparieren. Hinzu kommt: „Die meisten sind so alt wie ich mit meinen 56 Jahren – oder älter.“ Und Nachwuchs sei kaum in Sicht.

Völlig offen ist für Gröschl, wer denn die Reparaturgarantie für Fernsehgeräte übernimmt. Die Hersteller seien weit weg und im Zweifel kaum greifbar. Soll der Handel dafür einspringen? Eher nicht, denkt der Obermeister, der auch Vorstand im Zentralverband des Deutschen Elektrohandwerks ist.

Er meint, das „eigentliche Ziel“ müsse es sein, mit Rohstoffen sorgsam umzugehen und setzt vor allem auf Recycling – „das können wir wirklich gut“.

Hintergrund zum Thema

Künftig soll es einfacher und günstiger werden, Produkte reparieren zu lassen, anstatt sie neu zu kaufen. 35 Millionen Tonnen Müll produzieren laut EU die europäischen Verbraucher im Jahr, weil Produkte nicht repariert und durch Neuware ersetzt würden.

Die Vorgaben gelten nicht für alle Produkte. So sind den Angaben zufolge manche Waren wie Kopfhörer und Möbel ausgenommen. Ein genauer Rechtstext wird erst noch veröffentlicht. Das Parlament und die EU-Staaten müssen dem Kompromiss noch zustimmen.

Die Kommission argumentiert, weniger weggeworfene Produkte würden weniger Abfall sowie weniger Ressourcenverbrauch bedeuten.