Pro und Contra zur Zukunft der Arbeit: Sind die Ansprüche der Generation Z angebracht?

Sie ist die Zukunft der Arbeitswelt: die GenZ. Die meisten von ihnen sind auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Oft wird ihr vorgeworfen, Ansprüche zu stellen, bevor Leistungen erbracht werden. Die MZ-Autoren Christian Eckl und Marie Campisi diskutieren: Sind die Ansprüche richtig oder schaden sie unserer Wirtschaft?
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Pro: Ansprüche bringen uns voran
Die Anspruchshaltung junger Arbeitnehmer tut der Wirtschaft gut. Denn die Wirtschaft und einzelne Betriebe hängen nun mal auch von ihren Angestellten ab. Mit der Vorstellung, dass junge Leute erst etwas leisten müssen, bevor sie Ansprüche stellen, blockieren wir unseren eigenen Fortschritt.
Denn Produktivität und Effizienz hängen in Deutschland auch stark mit dem subjektiven Wohlbefinden zusammen, wie der Ökonom Charles Henri DiMaria und seine Co-Autoren 2014 mit einer internationalen Untersuchung zeigten. Kostenloser Betriebssport reicht da nicht. Zufriedenheit schafft man durch finanzielle Sicherheit und Freizeit zur Erholung. Ein Mitarbeiter, der sich wertgeschätzt fühlt, wird eher bereit sein, das zurückzugeben.
Nicht jede Forderung lässt sich von heute auf morgen umsetzen. Aber Arbeitnehmer, die flexibel sind und sich ihren Mitarbeitern anpassen können, werden mehr Bewerber ansprechen. Wenn sich Arbeitgeber an den Lebensbedingungen der Bürger orientieren, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten. Denn mit einer Vier-Tage-Woche lassen sich zum Beispiel Beruf und Sorgearbeit besser vereinbaren. Auch die Mitarbeitergewinnung würde so einfacher werden. Vielleicht ist das sogar eine elegante Lösung für die Rentenfalle Minijob. Flexible Arbeitsmodelle machen den Arbeitsmarkt für die attraktiv, deren Leben durch Krankheit, Kinder und andere Einflüsse mit einer 40-Stunden-Woche nicht vereinbar ist.
Von Unternehmern heißt es schnell, dass verkürzte Arbeitszeiten und höherer Lohn, insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels nicht umzusetzen seien. Das hieß es auch im vergangenen Jahrhundert, als Arbeiter für eine 40-Stunden-Woche protestierten. Deutschlands Wirtschaft hat bewiesen, dass solche Veränderungen durchaus möglich sind. Und was höhere Löhne angeht: Die konjunkturelle Abwärtsspirale wird sich in vielen Branchen nicht durchbrechen lassen, wenn wegen finanzieller Nöte Investitionen vermieden werden.
Kurz gesagt: Auf lange Sicht brauchen wir eine Generation, die ihren Unmut zeigt. Wer sich zufriedengibt, schafft keinen Fortschritt.
(Marie Campisi)
Contra: Leistung lohnt sich
Arbeit ist mehr als Geldverdienen. Arbeit stiftet Sinn im Leben. Im Kontakt mit jungen Menschen hat man häufig, nicht immer, den Eindruck, dass ein Arbeitsplatz nur als Station für einen optimierten Lebenslauf gesehen wird. Das ist durchaus legitim – wären da nicht die Anspruchshaltungen an die Firmen oder Behörden. Erstmals geprägt im deutschsprachigen Raum hat ja ausgerechnet ein alter, weißer Mann die heute häufig zitierte Work-Life-Balance: Nachrichtensprecher Claus Kleber lehnte eine Stelle als Chefredakteur beim Spiegel ab.
Nicht jeder möchte Chef werden. Vergnügungssteuerpflichtig ist das ohnehin nicht. Und es ist durchaus legitim, das Verhältnis zwischen Freizeit und Arbeitszeit abzuwägen. Was nicht geht ist: Höchste Ansprüche an Gehalt und Status zu stellen, gleichzeitig aber das Prinzip Leistung als von gestern abzutun. In unserer Wohlstandsgesellschaft muss gelten: Leistung lohnt sich.
Ob ausgerechnet die Generation Z, also die zwischen 1995 und 2010 geborenen Nachwuchskräfte immer häufiger das Prinzip Leistung hintanstellen, kann man durchaus hinterfragen. Fakt ist aber: Diese Generation kann es sich – noch! – aussuchen, auf welche Arbeitsbelastung sie sich einlässt. Die Debatte um die Vier-Tage-Woche ist letztlich der Ausfluss einer übersättigten Wohlstandsgesellschaft.
Denn uns allen muss bewusst sein: Wenn wir wirtschaftlich absteigen, destabilisiert das die Demokratie, die Kassen werden leerer und die Verteilungskämpfe nehmen weiter zu. Deshalb ist es entscheidend, das die nachkommende Generation einen Grundsatz wieder verinnerlicht: Man lebt nicht nur für sich alleine und die eigene Spaßoptimierung. Dieser unser Wohlfahrtsstaat ist ein Gesamtwerk fleißiger Menschen, die das Land aufgebaut haben. Unsere Eltern und Großeltern haben das Land zu dem gemacht, was es lange war: Spitze in der Welt. Es ist nun an den kommenden Generationen, diesen Wohlstand zu erhalten. Mit der Frage, was die Firma für mich tun kann, ist der Abstieg vorprogrammiert. Die Frage muss lauten: Was kann ich für meine Firma tun, damit der Wohlstand bleibt?
(Christian Eckl)