Generation Z und die Lust auf Leistung: Wer fällt unter den Begriff?

Von Marie Campisi · 24. Februar 2024 um 05:00

Sie ist die Zukunft des Arbeitsmarktes: Die Generation Z. Nach populärwissenschaftlicher Eingrenzung gehören dazu alle, die zwischen 1995 und 2010 geboren sind. Rund 1,7 Millionen Menschen gehören in Bayern dazu – damit machen sie rund 13 Prozent der Bevölkerung aus. Viele von ihnen sind seit Kurzem auf dem Arbeitsmarkt.

Laut der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) wird das Arbeitskräfteangebot bis 2035 von 6,6 Millionen auf 6,2 Millionen schrumpfen. Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw, sagt: „Wir brauchen als bayerische Wirtschaft jeden einzelnen dieser Jugendlichen und jungen Menschen.“ In Zeiten des Fachkräftemangels warten Arbeitgeber auf gut qualifizierte und motivierte Arbeitnehmer. Aber die jüngere Generation hat oft nicht den besten Ruf: Sie sei zu fordernd, selbstgerecht und bequem.

Pro und Contra zu Ansprüchen der Generation Z: Sind die Forderungen der Generation Z angebracht oder muss sich Leistung mehr lohnen? Zwei MZ-Autoren diskutieren.

Rüdiger Maas leitet das Institut für Generationenforschung in Augsburg. Er sagt: „Für den Arbeitsmarkt ist diese Generation sehr wichtig, weil die größte Kohorte jetzt in Rente geht.“ Damit meint Maas die Altersgruppe 60-plus. „Das heißt, die Jüngeren können auch eine ganz andere Erwartungshaltung haben.“

Dass die jüngere Generation aber grundsätzlich weniger leistungsbereit sei, konnten die Studien des Instituts nicht belegen.

Bei der Einteilung einer Generation nach Alterskohorten ist, wie Maas sagt, aber Vorsicht geboten. Entscheidend sei nicht der Jahrgang alleine, sondern die Umgebung, in der man aufwächst. Und da gebe es eben nicht nur zeitliche Unterschiede, sondern auch örtliche. Zum Beispiel erreichen Trends und Dynamiken ländliche Regionen in der Regel später.

Aufwachsen mit Internet

Die Generation grenzen Maas und das Institut anhand analoger und digitaler Einfluss in der Kindheit ab. Die GenZ kann sich demnach eine Welt ohne Smartphones und Internet kaum noch vorstellen: „Das heißt, sie haben einen ganz anderen Bezug als Generationen, die analog bespielt wurden“. Auch ein anderes Elternbild habe die GenZ geprägt. Als Kinder seien sie intensiver wahrgenommen worden.

Konkret zeigen sich die Generationenunterschiede, wenn es darum geht, Entscheidungen zu treffen: „In der digitalen Welt ist die Generation schnell und entscheidungsfreudig. Analog sind junge Leute viel unsicherer und damit auch langsamer als ältere Personen“, sagt Maas. Weil sie in der analogen Welt weniger „geübt“ sind, habe die Generation ein Strukturierungsproblem. Auch deswegen sei vielen von ihnen ein Routinejob lieber – vorzugsweise mit klarer Trennung von Arbeit und Privatleben und einem guten Arbeitsklima. „Die Generation ist konservativer und konventioneller als ältere. Sicherheit ist für sie ein wichtiger Wert“, sagt Maas. Das liege auch daran, dass sie in einer äußerst schnelllebigen Welt groß geworden seien.

Erst einmal durchboxen

Viele von ihnen haben Abitur – auf dem bayerischen Arbeitsmarkt ist ein akademischer Hintergrund wichtig, sagt Brossardt von der vbw. Klassische Berufsausbildungen nehmen dagegen ab, obwohl hier Fachkräfte besonders gesucht sind. Für viele junge Leute sei ein Studium einfach attraktiver, wie Maas sagt, denn es lässt sich den eigenen Gewohnheiten einfacher anpassen. Und die GenZ ist eine Umgebung gewohnt, die sich ihnen eher anpasst als umgekehrt. „Das heißt, wenn mir etwas nicht gefällt, versuche ich erst einmal etwas durchzuboxen.“ Das sei vermutlich der Hauptgrund für Konflikte am Arbeitsplatz.

Modelle, die sich an Bedürfnissen der Arbeitnehmer orientieren, wie die Vier-Tage-Woche, sind laut der vbw aber nicht überall möglich, ohne die Produktivität zu mindern. „Klar sein muss für unsere Gesellschaft, dass es einen anstrengungslosen Wohlstand nicht geben kann“, sagt Brossardt.

Maas stellt aber auch klar: Viele Zuschreibungen treffen so pauschal nicht auf die GenZ zu: „Wir konnten nicht belegen, dass die GenZ fauler ist. Sie ist auch nicht nachhaltiger oder digital fitter“, sagt Maas.