MS Rossini zurück in Bach: Landrätin Schweiger zur Asylsituation –„Es ist zäh und schwierig“

Von Thomas Kreissl · 22. Februar 2024 um 20:10

Bei der Schifffahrt von Donaustauf nach Bach liefert Landrätin Tanja Schweiger viele Zahlen. Sie hatte die Fahrt der MS Rossini von der Schiffsanglegestelle unter der Walhalla zum Anleger in Bach genutzt, um über die Asylsituation im Landkreis Regensburg zu berichten. „Es ist zäh und schwierig“, erklärte sie.

Elyas Abdullah ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Integration von Geflüchteten gelingen kann. Der 28-jährige Syrer hat in seiner Heimat Medizin studiert, arbeitet als Helfer im Schlaflabor der Donaustaufer Klinik und lernt täglich auf die Prüfung hin, die er braucht, um in Deutschland als Arzt anerkannt zu werden. „Ich möchte mir ein neues Leben aufbauen“, sagt er auf dem Hotelschiff MS Rossini. In den gut eineinhalb Stunden zuvor ist gestern klar geworden, dass den Wunsch von Elyas Abdullah viele Menschen teilen und wie kompliziert es ist, diesen Wunsch in die Tat umzusetzen.

MS Rossini: Schiff stört in der Laichzeit

Das Schiff muss jetzt nach sechs Monaten in Donaustauf wieder ablegen, weil es dort nicht während der Laichzeit der Fische liegen darf. Nicht an Bord bleiben dürfen während der Fahrt die rund 180 Flüchtlinge, die dort untergebracht sind. Sie müssen die Fahrt ins acht Kilometer entfernte Bach mit Bussen antreten. Stattdessen dürfen Journalisten auf die MS Rossini und bekommen ein ganzes Paket an Zahlen und Informationen zur Asylsituation im Landkreis. Immerhin hat die Landrätin eine Zahl mitgebracht, die ein wenig Hoffnung auf sinkende Flüchtlingszahlen macht. „Der Zustrom ist ein bisschen weniger geworden“, umschreibt sie vorsichtig den Umstand, dass mittlerweile alle 14 Tage 15 Geflüchtete im Landkreis ankommen. Bis vor Weihnachten waren es noch 25 Menschen pro Woche gewesen, die im Landkreis untergebracht werden mussten. Laut Verteilungsschlüssel kommt der größte Teil davon aus Syrien. „Das ist gut für uns“, erklärt Schweiger. Denn Syrer haben eine hohe Bleibeperspektive, werden schnell anerkannt, können bald arbeiten und haben deshalb gute Chancen, sich zu integrieren.

Container-Unterkünfte entstehen in Köfering

Trotzdem ist die Unterbringung all der Menschen, die Asyl suchen, immer noch eine Herausforderung. Dafür sorgen letztlich auch rund 500 sogenannte Fehlbeleger, also anerkannte Asylbewerber, die noch keine Bleibe am freien Wohnungsmarkt gefunden haben. „Ohne sie hätten wir deutlich weniger Druck“, betont die Landrätin. Dennoch versucht der Landkreis im Augenblick, die Notunterkünfte nur zu gut 80 Prozent zu belegen. „Damit können unerwartete Spitzen abgefedert werden und für die Bewohner wird es nicht zu eng. Eine neue Unterkunft wird wohl demnächst in Köfering dazukommen. Hier sollen erstmals im Landkreis Container aufgestellt werden. „Es wird nicht das letzte Mal sein“, ist die Landrätin sicher.

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Dabei sind die Unterkünfte nur eine Aufgabe, die bewältigt werden muss. Um zu verdeutlichen, wie viel Arbeit darüber hinaus geleistet werden muss, sind auch Teamleiterin Silke Dienelt vom Jobcenter des Landkreises, Martin Laumer, der Leiter des Sozialamtes, sowie Ulrike Schmid und Marion Koppitz von der Volkshochschule Regensburger Land mit an Bord gekommen. Überall gehört die Integration von anerkannten Flüchtlingen zum Teil schon seit 2015 zu den Schwerpunktthemen – und bringt auch durchaus Erfolge, berichtet Silke Dienelt.

Zwei Drittel sind erfolgreich integriert

Rund zwei Drittel der Flüchtlinge aus den Jahren 2015/16 sind mittlerweile erfolgreich integriert. Unter dem Stichwort Job-Turbo haben die Job-Center die Prioritäten verschoben. Die Vermittlung in Arbeit steht jetzt an vorderster Stelle, während an Sprachkenntnissen auch berufsbegleitend gearbeitet werden kann. Ein wichtiges Glied in der Kette sind dabei die Integrationsangebote der Volkshochschule, die das komplette Spektrum des Spracherwerbs für Menschen mit Migrationshintergrund abdeckt. Aktuell führt die VHS 15 Integrationskurse parallel durch, stößt aber an räumliche, personelle und auch an so manche bürokratische Grenzen.

Unter anderem hier hakt Tanja Schweiger mit ihrer Kritik ein. „Wir arbeiten alle an den gleichen Menschen, aber keiner darf vom anderen was wissen“, moniert sie dass der Datenschutz gemeinsame Personendatenbanken verhindert. Und sie plädiert für einfachere Verfahren: „Viele schnelle 90-Prozent-Lösungen sind besser als wenige aufwendige 100-Prozent-Lösungen“.

Elyas Abdullah ist sehr dankbar für die Unterstützung durch die Mitarbeiter des Landratamtes. Nachdem er zuvor mehr als 30 vergebliche Bewerbungen abgeschickt hatte, bekam er auf Vermittlung der Berater an Bord die Stelle in der Donaustaufer Klinik und kann seit Oktober selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen. Am 1. März zieht er nach acht Monaten an Bord der MS Rossini nun in sein eigenes kleine Zimmer in Donaustauf.

Zahlen und Fakten zur Asylsituation im Landkreis

6300 Menschen mit Asylbezug leben insgesamt derzeit im Landkreis. 1960 sind Ukrainer, 3000 sind anerkannte Asylbewerber, 923 sind in laufenden Verfahren, 62 haben ein Asylgesuch geäußert und 324 sind ausreisepflichtig.

In Schierling sind 98 Menschen in der ehemaligen Schreinerei am Gewerbering untergebracht. Bis zu 216 Personen könnten hier nach dem Umbau Unterkunft finden. Für das ehemalige Autohaus Knögler gilt ein Baustopp. Es kann noch nicht belegt werden. In Zeitlarn sind 70 von 76 Plätzen belegt. Die Einrichtung schließt im März. In Bernhardswald sind 80 Menschen untergebracht, bis zu 120 sind möglich. In Neutraubling (45 Plätze) läuft die Belegung, Obertraubling (100) wird ab M

Landrätin Tanja Schweiger (links) stellt sich an Bord den Fragen der Journalisten.
Elyas Abdullah will sich in Deutschland ein neues Leben aufbauen.