Seubersdorf: Kater Luie legt in sechs Minuten drei Kilometer zurück – danach verschwindet er

Von Markus Rath · 22. Februar 2024 um 15:00

Tanja Schmid ist verzweifelt. Die Katzenhalterin, die am Ortsrand von Seubersdorf wohnt, vermisst seit Sonntagmorgen Kater Luie. Obwohl das Tier gechippt ist und es getrackt werden kann, fehlt von ihm jede Spur. Tanja Schmid hat eine große Suchaktion gestartet.

Vier Katzen leben bei Tanja Schmid, ihrem Mann Tobias und Sohn Julian in Seubersdorf. Der kastrierte Kater Luie ist der einzige Freigänger. Inzwischen 14 Jahre alt ist er ein eher gemütlicher Zeitgenosse.

Tagsüber schläft er in der Wohnung, nachts geht er auf die Pirsch. „Er hält sich meistens im Umkreis von 200 Metern um unser Haus auf. Weil er kastriert ist, läuft er auch keiner Kätzin hinterher“, erzählt Schmid.

Kater trägt einen GPS-Tracker

Sie weiß das alles so genau, weil der Kater ein Halsband mit GPS-Tracker trägt, damit er nicht verloren gehen kann. Schmid: „Für uns als Familie wäre es schlimm, wenn wir erfahren, dass ihm etwas passiert ist und er nicht mehr lebt, aber noch schlimmer empfinde ich die Ungewissheit.“ Weil der Tracker nicht nur ermöglicht, die Wege des Tiers live zu beobachten, sondern sie detailliert aufzeichnet, weiß Schmid genau, was an dem Tag, als Luie verschwand, passiert ist.

„Er hat wie jeden Abend so gegen 22.30 Uhr das Haus verlassen. Normalerweise sitzt er dann morgens, wenn wir aufstehen, schon vor der Balkontür und will wieder rein.“ Doch am Sonntagmorgen ist das anders. Luie taucht nicht auf und seine Familie macht sich Sorgen. Schmid öffnet deshalb die Handy-App des GPS-Trackers und schaut nach, wo Luie abgeblieben ist. „Er war um 1.15 Uhr an der Straßenkreuzung, von der es zu unserem Haus geht. Danach herrscht plötzlich Funkstille“, erzählt Luies Frauchen, die den Betreiber von App und Tracker kontaktiert und nachfragt, wie das sein kann. Die Antwort: „Das Signal verschwindet eigentlich nur, wenn der Kater sich in einem völlig abgeschirmten Raum befindet.“

Mit großem Tempo direkt nach Batzhausen

Und das Mysterium der Nacht setzt sich fort. Denn nach 45 Minuten Funkstille taucht das Signal am Ortsende von Seubersdorf wieder auf. „Wir verstehen das nicht. Wäre Luie mit einem Auto mitgefahren, was er aber von sich aus nie tun würde, weil er Angst vor Fremden und Autos hat, wäre die Zeitspanne viel zu lang.“ Noch unerklärlicher ist für Schmid, dass der Kater von dort aus innerhalb von sechs Minuten schnurstracks nach Batzhausen unterwegs ist. Eine Strecke von rund drei Kilometern, die ein Kater ihrer Meinung nach niemals so schnell und vor allem nicht schnurgerade entlang der Straße bewältigen würde. Dort sei Luie noch bis 4.45 Uhr wild umhergelaufen, danach verliert sich die Spur bei einem alten Schuppen.

Schmid: „Der Besitzer, ein älterer Herr hat uns den Schuppen geöffnet und wir haben diesen auf den Kopf gestellt.“ Doch weder der Kater, noch das Halsband, das der Kater auch verloren haben könnte, tauchen auf. Luie ist verschwunden.

Besitzer geben die Hoffnung nicht auf

Ihn noch einmal über das Halsband zu orten ist nicht möglich, weil inzwischen der Akku laut Schmid leer sein dürfte. Trotzdem hat seine Besitzerin die Hoffnung nicht aufgegeben. Überall in Batzhausen und Seubersdorf hat sie Plakate aufgehängt, Suchmeldungen in den Sozialen Medien gepostet.

Am Donnerstag waren Suchhunde der Suchhundstaffel Donau-Jura – diese bietet auch das Suchen vermisster Tiere an – in Batzhausen unterwegs. Auch auf die Zeitungsleser hofft Schmid: „Mich darf jeder anrufen (Telefon 0171/5386721), der Luie gesehen oder gefunden hat“, sagt sie. Identifiziert werden kann der Kater über eine Chip (siehe Infokasten) unter der Haut, den der Tierarzt auslesen kann.

Tiere kennzeichnen

Tätowierung: Früher wurden Katzen laut Tierärztin Ines Schmid aus Lupburg oft im Ohr tätowiert. „Das geht aber nur in Narkose“, sagt sie.

Mikrochip: Der Mikrochip wird unter die Haut gespritzt und sendet seine Nummer. Diese wird beim Haustierregister Tasso hinterlegt, so dass der Besitzer des Tiers durch Auslesen des Chips beim Tierarzt ausfindig gemacht werden kann.

Keine Pflicht: Schmid fordert eine Kennzeichnungspflicht: „Das würde uns und den Tierheimen die Arbeit erleichtern.“

us

Auf der Tracking-App kann Tanja Schmid genau nachvollziehen, wo ihr Kater sich rumgetrieben hat. Trotzdem bleibt sein Verschwinden mysteriös. Foto: Markus Rath