Was bedeutet der frühe Frühling der Vögel im Februar für das Leben in Chams Gärten?

Frühling im Februar. Gerade erst hat der Januar sich mit Schnee und Kälte verabschiedet, da klopft schon die grüne Jahreszeit mit 10 bis 14 Grad an. Die ersten Haselnuss-Kätzchen baumeln, in der Dusche wurde die erste Mücke erschlagen... Draußen im Garten beginnen die Meisen mit Nistvorbereitungen. Wir haben Dr.Angelika Nelson, die Ornithologin des LBV Cham gefragt, was von all dem zu halten ist.
Die Vogelkundlerin ist natürlich wie viele andere Naturschützer beunruhigt über die Auswirkungen des Klimawandels insgesamt. Sie verweist aber darauf, dass man das Gesamtbild im Auge behalten muss. „Die höheren Temperaturen führen nicht nur dazu, dass die Vögel sich zum Brüten bereitmachen. Man sieht auch die ersten Insekten und Pflanzen, die zu blühen beginnen.“ Gerade bei den Meisen, die ja auch hier überwintern, ist ein solches Verhalten zu beobachten. Sie starten in die Nistsaison.
Folgen für Vögel schwer abzuschätzen
Es ist schwer abzuschätzen, welche Folgen der warme Februar auf welche Arten hat, weil das Gefüge kompliziert ist: „Es hängt alles mit allem zusammen“, sagt Nelson.
Was jetzt? Soll man dann die Nistkästen noch ausräumen. Angelika Nelson rät zur Vorsicht: „Wenn man merkt, dass sich die Vögel schon mit Nistmaterial versorgen und zu bauen beginnen, sollte man sie nicht mehr stören.“ Es ist, so die Ornithologin, durchaus möglich, dass ein Vogel auf das alte Nest im Kasten sozusagen einen 2. Stock drauf setzt. „Das ist von der Höhe her überhaupt kein Problem. Meist kompostiert das alte Nistmaterial und komprimiert sich. Das sollte natürlich nicht so lange passieren, bis das Moos oben raus- schaut“, sagt sie.
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Ist der Nistkasten noch nicht belegt, dann lohnt sich ein Blick ins Innere. Oft sind die Nester sehr verschmutzt, oder es liegt noch ein toter Jungvogel drin. Dann sollte geräumt werden, sagt Nelson. Allerdings sollte man diese Arbeiten auch nicht überbewerten: In den natürlichen Nisthöhlen findet die Säuberung ja auch nicht statt. Da ist es ganz normal, dass auf die kompostierten Hinterlassenschaften aufgebaut wird. Natürlich gebe es dort auch Parasiten. „Das ist aber auch ganz natürlich und für die Jungvögel auch unangenehm. Aber da gilt das Gesetz der Natur: Der starke Vogel überlebt.“
Eine Räumung der Nester im Spätherbst kann sogar kontraproduktiv sein, erklärt die LBVlerin. Die Nester in den Nistkästen werden nämlich in kalten Wintern gerne als geschützte Schlafplätze weiter genutzt. Auch artfremde Tiere ziehen ein. Siebenschläfer wählen diese künstlichen Höhlen gerne zum Winterschlaf.
Was ist mit Ganzjahresfütterung? Hilft das? „Das ist ok“, sagt Nelson. Im Sommer sollten es mehr Körner sein, kein Fettfutter mehr. Das sei in der Brutsaison, wenn viel Futter benötigt wird, eine gute Hilfe. Auch getrocknete Mehlwürmer sind in Ordnung, sagt Nelson, aber eben auf Dauer zu einseitig. Vielfalt ist auch hier Trumpf.
Vogelfreundlicher Garten ist die Königslösung
Königslösung ist nach Ansicht der Vogelkundlerin aber ein naturnaher Garten. Beerenstauden, Fallobst und insektenfreundliche Gestaltung sind die wichtigsten Merkmale.
