17,2 Grad in Oberbayern: Wie der Februar-Frühling die Natur durcheinander bringt

Von Isabel Metzger · 17. Februar 2024 um 05:00

Diese Temperaturen wären für den April oder Mai normal. 17,2 Grad sind am Donnerstag in Wielenbach im oberbayerischen Landkreis Weilheim-Schongau gemessen worden. Das war der höchste Wert, der seit Beginn der Wetteraufzeichnungen an dieser Station je an einem 15. Februar registriert wurde, bestätigt eine Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der Mediengruppe Bayern.

Noch wärmer – und damit bundesweit an der Spitze – war es demnach am Donnerstag in Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen mit 18,4 Grad – ebenfalls ein Rekordwert für den 15. Februar an dieser Wetterstation. Auf die Natur hat der Februar-Frühling massive Auswirkungen. Nicht nur Vögel singen und brüten wegen des milden Wetters früher. Ludwig Tradler hat am Donnerstag bereits einen „Admiral“, einen „Wandervogel“ unter den Schmetterlingen, in Palling im Landkreis Traunstein beobachtet. „Das ist neu um diese Jahreszeit und schon fast eine Sensation“, sagt der passionierte Hobby-Fotograf Tradler, der sich auf Naturaufnahmen spezialisiert hat. Denn der „Admiral“, eine ursprünglich südeuropäische Art, überwintert im Süden und flattert erst im Frühjahr wieder über die Alpen nach Deutschland. Nun ist der Schmetterling bereits im Februar zurück im Norden.

„Es ist Etliches wahnsinnig früh dran“, erklärt Christine Margraf vom Bund Naturschutz. So seien seit einiger Zeit die Amphibien auf Wanderschaft. „Es gab noch nie eine so frühe Wanderbewegung bei Amphibien wie heuer“, betont Margraf. Dass diese nun zum Teil sogar schon ablaichen, „sei früher im Februar nicht üblich gewesen“, sagt sie. „Aber was ist schon noch normal in den letzten Jahren“, fügt Margraf angesichts des Klimawandels an.

Pollen-App soll Allergikern helfen

Kröten und Frösche seien unterwegs zu ihren Laichgewässern, wenn die nächtlichen Temperaturen sechs Grad erreichen und gleichzeitig warmer Regen fällt, erklärt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV). „Dann kommen tausende Grasfrösche, Springfrösche, Molche und Kröten aus ihren Winterquartieren, meist aus den Wäldern, und begeben sich auf Brautschau. Selbst Tiere, die den Winter in Höhlen verbringen, bleiben von den Veränderungen nicht verschont“, heißt es in einer Mitteilung des LBV.

Die Hasel blühe bereits seit zwei Wochen; der Seidelbast in ihrem Garten schon seit Weihnachten, sagt Christine Margraf. Auch die Erle treibe aktuell aus; Krokusse stehen Mitte Februar in voller Blüte. Die Leidenszeit für Pollenallergiker beginnt somit immer früher. Über eine App des Landesamtes für Gesundheit (LGL) können sie sich über den Stand der Pollensaison informieren. Die App mit Namen Elektronisches Polleninformationsnetzwerk (ePIN) greift seit 2019 auf Daten von acht elektronischen Pollenflugmessstationen in Bayern zu und wird demnach alle drei Stunden aktualisiert. Die Messstellen befinden sich den Angaben nach in Altötting, Feucht, Garmisch-Partenkirchen, Marktheidenfeld, Hof, Mindelheim, München und Viechtach und sollen den Pollenflug bayernweit möglichst repräsentativ abdecken. „Mit der App lassen sich auf dem Smartphone auch mehrere Pollenarten gleichzeitig anzeigen. Damit können sich Betroffene besser auf die aktuelle Situation einstellen und ihren Tagesablauf planen“, erklärt Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU).

Die frühe Blüte kann freilich auch Folgen für Obstbauern haben. „Es wird noch eine Kältezeit geben“, gibt Christine Margraf vom Bund Naturschutz mit Blick auf das Frühjahr und die Erfahrungen der vergangenen Jahre zu bedenken. „Wenn Obstbäume schon austreiben und dann noch Spätfrost kommt, sind die Schäden in der Landwirtschaft groß.“