Anwohner in Grafenwiesen sehen Bebauungsplan am Sattelweg als verkehrstechnisch bedenklich

Von Stefan Weber · 16. Februar 2024 um 11:00

Im Dezember hat der Gemeinderat eine Änderung für den Bebauungsplan „Am Sattelweg“ verabschiedet, die Anwohner und Gemeinde seitdem beschäftigt. Denn mit den Plänen – auf gut 8000 Quadratmetern sind ein großer Wohnkomplex mit bis zu zwölf Einheiten sowie mehrere mit drei beziehungsweise zwei Einheiten geplant – sind viele der Anwohner nicht einverstanden.

Carmen Rupprecht ist eine der Anwohnerinnen am Sattelweg. Sie wohnt direkt gegenüber von der Fläche, die bebaut werden soll. Gekauft hatte das Grundstück ein Investor, der mit seiner Firma mit Sitz im oberbayerischen Grassau selbst Holzhäuser fertigt, aber in Traitsching aufgewachsen ist. Gemeinsam mit 32 weiteren Anliegern hat sie sich mit einem Schreiben an die Gemeinde gewandt, in dem die Bedenken bei der Umsetzung der Pläne aufgezählt werden.

32 neue Einheiten

Bedenken, die nicht gehört würden, wie sie unserer Redaktion gegenüber erklärt. So entsprächen die geplanten 32 Wohneinheiten am Ende der gerade einmal viereinhalb Meter breiten Straße, die über keinen Gehweg verfügt, einer Verdoppelung der bisherigen Einheiten, die darüber hinaus nur aus Einfamilienhäusern bestünden. Lärm, Naturschutz (für den Bebauungsplan wurden extra Flächen durch den Kreistag aus dem Landschaftsschutz-Gebiet herausgenommen) sowie die Tatsache, dass der Sattelweg in einer Sackgasse endet, es also keinen zweiten Rettungsweg gibt, und außerdem befürchtet wird, dass die Feuerwehr im Notfall nicht mehr um Kurven auf der engen Straße ohne Ausweichmöglichkeiten kommen könnte, finden sich in dem Schreiben. Und: muss das geplante Mehrparteienhaus wirklich eine Firsthöhe von 13 Metern aufweisen?

Holzbau als Grund

Genehmigungsbehörde ist, wie bei allen Bauvorhaben, nicht die Gemeinde, sondern das Landratsamt, wenn es um die konkreten Bauprojekte geht. Den Bebauungsplan für ein Gebiet, wie hier geschehen, den legt allerdings die Gemeinde selbst fest. Dass dafür Teile aus dem Landschaftsschutz-Gebiet herausgenommen werden mussten, sei ein nicht sehr häufiger, aber durchaus üblicher Vorgang, heißt es auf Nachfrage unserer Zeitung aus dem Landratsamt. 2019 seien es acht, im Jahr darauf drei, im Jahr 2021 sechs und in den Folgejahren je drei Flächen gewesen, die zur Wohnbebauung aus dem LSG herausgenommen worden seien. Meistens seien es einzelne Flächen von unter einem Hektar Fläche gewesen, wobei 132 300 Hektar im Landkreis Cham LSG seien.

Für das Landratsamt sei der Fall darum klar, und auch die entsprechenden Fachstellen – von Naturschutz bis Brandschutz – hätten ihre Einschätzungen dazu bereits abgegeben. Die entsprechenden Vorgaben zu erfüllen, liege nun bei der Gemeinde, die Einhaltung zu überprüfen beim Landratsamt.

Dass nicht nur sie selbst, sondern auch der gesamte Gemeinderat die Umsetzung der Pläne wolle, versichert Bürgermeisterin Sabine Steinlechner. Zuzug sei gewollt in die Gemeinde mit knapp unter 1500 Einwohnern. Ein Neubaugebiet selbst zu erschließen, dazu fehle in der Gemeindekasse schlichtweg das Geld. Die Wohneinheiten – die auch aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen vonseiten des Investors zwischenzeitlich verkleinert worden sind – böten eine Chance für die Gemeinde. Gegen weitere Einfamilienhäuser hätten auch die Anwohner nichts einzuwenden, sagt Rupprecht. Doch vor allem das Mehrparteienhaus, das bis zum First eine Maximalhöhe von 13 Metern erreichen dürfte, sei mit Blick auf die Umgebung zu groß.

Wobei, dieses Gebäude werde im steilen Hang und etwas versetzt weg von der Fahrbahn gebaut (auch die Anwohner sprechen die Steigung von bis zu 13 Prozent der Straße an), wodurch am oberen Ende der Steigung nur noch ein zweigeschossiges Gebäude sichtbar sein und der Rest optisch fast im Hang verschwinden werde, sagt Stefan Brandl vom beauftragten Planungsbüro Brandl-Preischl aus Cham. Der Investor könne sich sogar vorstellen, dass neben den Häusern mit zwei- oder drei Wohneinheiten auch noch Tiny Houses gebaut würden, um das gesamte Spektrum dessen abbilden zu können, was an Holzbauten möglich ist.

Holz sei dabei auch der Grund dafür, dass das Mehrparteienhaus um einen Meter höher gebaut werden müsse und der Bebauungsplan überhaupt habe geändert werden müssen. Wäre ein klassischer Bau aus Ziegeln vorgesehen, dann bestünde schon seit über einem Jahr Baurecht. So hat die Gemeinde die geänderten Pläne noch einmal öffentlich ausgelegt.

Mit einem Baubeginn sei in diesem Jahr ihren Informationen nach noch nicht zu rechnen, sagt Bürgermeisterin Sabine Steinlechner.

„Nicht in dieser Dimension“

Anwohner: Für Carmen Rupprecht und die übrigen Anwohner, die sich schriftlich mit ihren Bedenken an die Gemeinde gewandt haben, ist beim geplanten Projekt vor allem die Menge der neuen Wohneinheiten in Kombination mit der schmalen Anwohnerstraße hinauf auf den Sattelweg ein Problem. Gehsteige gibt es nicht, gerade im Winter seien Probleme bei glatter Fahrbahn zu erwarten.

Rathaus: Auch das Thema Ausweichstellen, die es aktuell so gut wie gar nicht gibt – außer in Einfahrten der Wohnhäuser –, wurde vor längerer Zeit mit den Anwohnern am Sattelweg diskutiert. Bürgermeisterin Sabine Steinlechner erklärt auf Nachfrage, dass es Lösungen für neue Ausweichstellen gebe, um den Verkehrsfluss gewährleisten zu können. Vonseiten der zuständigen Behörden gab es keine Einwände.

Das Mehrparteienhaus im WA1 soll mehrere kleinere Wohneinheiten bekommen. Fotos: S. Weber
Die Zufahrt zum Sattelweg