Furth im Walds Bürgermeister warnt vor extremen Rechten und Umsturzfantasien

Mit 25 bis 30 Gästen hat Bürgermeister Sandro Bauer gerechnet. Sehr zur Freude des CSU-Ortsverbandes sind es schließlich weit mehr geworden, die beim traditionellen Fischessen dabei sein wollten.
Der große Gastraum des Hotels am Steinbruchsee war voll besetzt. Vor der Arbeit hat der Ortsvorsitzende ausnahmsweise den Genuss gesetzt. Außerdem kündigte er im Scherz an, die Veranstaltung bis nach 24 Uhr hinauszögern zu wollen: „Dann können wir später noch ein Schnitzel essen“, verkündete er den amüsierten Gästen. Zunächst aber wurden, wie es sich für einen fleischlosen Aschermittwoch gehört, erst einmal verschiedene Fischgerichte geordert.
Am 9. Juni Europa wählen
Bei der folgenden Begrüßung durch Bauer konnte die große Teilnehmerzahl auch darauf zurückgeführt werden, dass einige befreundete Ortsverbände mit kleineren und größeren Delegationen gekommen waren. So begrüßte der Further Rathauschef unter anderem Ortsverbände aus Blaibach, Eschlkam, Sengenbühl und Ränkam sowie die stellvertretende Frauenunionsvorsitzende Conny Decker. Ebenfalls zahlreich an den Steinbruchsee gekommen waren aktuelle und ehemalige Further Stadträte.
Bauers Themen, die auch von den beiden nachfolgenden Rednern aufgegriffen wurden, waren zum einen die mangelhafte Arbeit der aktuellen Ampelregierung, bestehend aus SPD, Grünen und FDP, sowie vor allem der Angriff auf die Demokratie von Rechtsaußen und wie man ihn abwehren kann. Ganz aktuell prangerte er die Bauern-Proteste am Aschermittwoch in Biberach (Baden-Württemberg) an, die dazu geführt haben, dass die Grünen ihre Aschermittwochsveranstaltung aus Sicherheitsgründen absagen mussten. Es war zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. „Man kann von den Grünen halten, was man will, aber das gehört sich einfach nicht.“ Ihn besorgt, dass die berechtigten Bauernproteste der vergangenen Woche drohen, von rechts außen gekapert zu werden. „Die Bauern sollen wir unterstützen, denn Agrarsubventionen sind auch Verbrauchersubventionen.“ Mit Trittbrettfahrern, die Umsturzfantasien hegen, habe er allerdings ein Problem. „Mich erinnert das an die Montagsspaziergänger während Corona.“ Das seien keine Demokraten, die würden sich mit der Abschaffung der Demokratie beschäftigen. Eine Spitze schickte er in diesem Zusammenhang an Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger. Der habe die Gabe mit Volkes Stimme zu reden. Das Problem sei, dass er mit Populismus die Massen begeistert. Aiwanger sollte sich zu Herzen nehmen was in der bundesdeutschen Demokratie gilt: „Ich darf alles sagen, aber ich muss nicht alles sagen.“ Vielleicht, so Bauer, sollte sich Aiwanger einmal klarmachen, dass er auch stellvertretender Ministerpräsident ist. „Seit der Schaffung des Grundgesetzes leben wir in der schwierigsten Zeit der Demokratie.“ Für ihren Erhalt zu kämpfen sei oberste Pflicht. Deswegen lautete der Appell des Ortsvorsitzenden: „Wenn alle Demokraten zur Wahl gehen, brauchen wir vor den 25 Prozent Populisten keine Angst haben. Gefährlich wird es, wenn Demokraten nicht wählen.“ Dann, so Bauer abschließend, könnte ein Umsturz drohen.
Für die Themen Europa und die Europawahl am 9. Juni war Jonas Strasser aus Roßbach/Wald an den Steinbruchsee gekommen. Er ist Listenkandidat der CSU für die Europawahl und unter anderem CSU-Kreisdigitalbeauftragter.
Strasser sprach der Regierung, die den Rückgang der Wirtschaft auf die aktuelle Weltlage schiebe, Wirtschaftskompetenz ab, denn: In anderen Ländern wie Tschechien oder Frankreich gebe es ja auch zumindest ein kleines Wachstum. Strasser warnte vor der aktuellen Weltlage sowie vor einem damit verbundenen Verlust europäischer Stärke. Umso wichtiger sei es, am 9. Juni zur Wahl zu gehen, das konservative europäische Lager zu stärken und damit die extremistischen Parteien abzudrängen.
Starke Demokratie gefordert
Landtagsabgeordneter Dr. Gerhard Hopp, der es sich trotz zahlreicher Termine nicht nehmen ließ, zu späterer Stunde zur Versammlung zu stoßen, warb ebenfalls für Demokratie und ein starkes Europa. Die EU abzuschaffen, wie aus dem rechten Lager gefordert, wäre in seinen Augen eine Katastrophe. „Ich möchte nicht mehr in Zeiten, wie vor 50 Jahren leben, als Cham ein wirtschaftlich abgehängter Landkreis war.“
