Den Waldbewohnern ganz nah: Auf Tuchfühlung mit Wildtieren „Am Steinbruchsee“

Furth im Wald. Alfons Deglmann hat einen Becher Futter dabei, als er durchs Wildgehege führt. Das Dammwild rennt dort frei herum. Erst schauen die Tiere etwas misstrauisch, dann werden einige mutiger und fressen ihm aus der Hand. Ein tolles Erlebnis. „Das ist auch einer der Hauptattraktionen bei uns am Steinbruchsee“, sagt der Chef des Familienunternehmens.
„Eigentlich bin ich das ja gar nicht“, sagt er. Chefin und Graue Eminenz des beliebten Ausflugsziels ist seine Mutter Anna Deglmann, die man mit heute 92 Jahren wahrscheinlich als die altgedienteste Museumsleiterin Deutschlands bezeichnen kann. Das Waldmuseum beheimatet rund 800 einheimische Tier-Präparate und vieles mehr. Von hier geht es ins Wildgehege. Sogar ein stolzer Dammhirsch nähert sich und lässt sich aus der Hand füttern. 1,5 Kilometer der Rundweg lang. „Zwei Stunden sollte man sich schon Zeit nehmen“, sagt Deglmann.
Steinböcke, Mufflons, Ziegen, Meerschweinchen und viele andere Tiere tummeln sich auf dem Gelände. Vielen kommt man ganz nah. „Alle Bereiche, die nicht eingezäunt sind, dürfen auch betreten werden.“ Nanu, was ist denn das, mitten auf dem Gelände liegt ein Flugzeug. Gab es hier eine Katastrophe? Deglmann lacht: „Wir sagen immer das ist unsere Absturzstelle. In Wahrheit standen hier einige Borkenkäferbäume, die wir entfernen mussten.“ Das Flugzeug ist bei Weiden vom Himmel gefallen und wurde später zum Steinbruchsee gebracht. „Da haben die Kinder was zum spielen.“
Apropos Steinbruchsee: Den Namensgeber des beliebten Ausflugsziels sieht man am besten, wenn man beim Rundgang in den Oberen Teil des Geländes kommt. Ebenfalls ein Naturidyll, das seine Anfänge in den 1880er Jahren nahm. Bis 1900 wurde dort unter anderem Granit gefördert. Eine Lore und einige Gleise, die sich noch im Gehege befinden, erzählen davon, dass es eine Schienenverbindung bis Furth im Wald gab. „Die Krypta der Pfarrkirche wurde mit dem Stein gebaut.“ Nachdem Grundwasser in den Steinbruch eingedrungen war und einen bis zu 20 Meter tiefen See geschaffen hatte, kaufte sein Urgroßvater das Grundstück und die damalige Arbeiterkantine. Seitdem befindet sich der Steinbruchsee in Familienbesitz, wurde immer wieder erweitert. 1930 wurde ein Saal angebaut, 1960 kamen Fremdenzimmer hinzu.
Deglmanns Steckenpferd ist die Fischzucht. Seit 1965 besteht diese. Über die Jahrzehnte hat er sehr unter der Fresslust vor allem des Fischotters leiden müssen. Inzwischen sind die Becken mit den drei bis viertausend Zuchtforellen bestens geschützt. Im großen Aquarium, das unterirdisch begehbar ist, tummeln sich Goldfische, prächtige Karpfen und Störe. Ein Stör lebt hier, seit dem ersten Tag im Jahr 1995, als das Aquarium eröffnet wurde. Seit rund 50 Jahren, wandert Deglmann jetzt durch sein Gehege, kümmert sich um die Tiere, füttert sie bis zu zwei Stunden am Tag und weiß viele Geschichten zu erzählen, zum Beispiel die von dem Steinbock-Baby, das er, nur wenige Tage alt, auf einem Weg im Gelände gefunden hat. Die Mutter war plötzlich gestorben. Niemand außer ihm glaubte wirklich daran, dass es der kleine Bock schaffen würde. Aber mit Hilfe einer Nachbarin hat er ihn aufgepäppelt und durchgebracht. An der Hubertus Kapelle, die 1988 von seinem Vater gebaut wurde bleibt Deglmann stehen und wirft einen kurzen Blick hinein. Dann führt er durch das Uhrenmuseum, das ehemalige Bienenhaus und zeigt einige andere Sehenswürdig- und Spielmöglichkeiten, die im Laufe der Jahre dazugekommen sind. Ohne die Familie, sagt er, würde das alles nicht gehen. Sein Sohn Florian und dessen Frau Christina schmeißen das Gasthaus, Deglmanns Frau Christiana ist ebenso dabei, wie sein Sohn Benedikt, der an Wochenende mithilft.
Natur und Tiere erleben
Und, sollen es noch mehr Tiere werden? „Vor einem halben Jahr haben wir eine Voliere für Wellensittiche gebaut“, sagt er. Von dort fällt der Blick auf die Ziegen. Einige sind aus ihrem Gehege ausgebüxt. Ein Bock macht es sich auf einer Kinderrutsche gemütlich, ein Zicklein turnt auf Bänken und Tischen herum auf denen eine Familie gemütlich Pause macht. Die lachen und kichern, ein Kind hat ein wenig Angst vor dem ungestümen Vierbeiner. Doch so viel ist sicher: Tiere und Natur hautnah erleben ist eine sinnliche und prägende Erfahrung.

